Hans Peter Minderhoud

Vom Pfleger zum Weltcup-Sieger: Hans Peter Minderhoud hält dem Druck stand

“Das war schon sehr speziell für mich”, zeigte sich der Niederländer Hans Peter Minderhoud sichtlich gerührt, nachdem er gerade den Weltcup-Pokal in die Höhe recken durfte. Nach sechs Weltcup-Final-Teilnahmen ohne Podest klappte es nun im Reem Acra FEI Weltcup-Finale in Göteborg sogar mit dem Titelgewinn. Mit dem Florestan I-Sohn Glock’s Flirt, einem 15-jährigen Schweizer Pferd, siegte er mit 82,357 Prozent vor der Schwedin Tinne Vilhelmson-Silfvén mit Don Auriello (81,420 Prozent) und der Deutschen Jessica von Bredow-Werndl mit Unee BB (80,464 Prozent). “Ich habe mal als Pfleger begonnen. Es war immer mein Traum, mal hier zu stehen. Ich wollte es unbedingt. Normalerweise bin ich nicht nervös, aber die zwei Tage vom Grand Prix waren dann doch lang und ich bin nun einfach froh, dass ich es geschafft habe.”

Hans Peter Minderhoud & Flirty

Hans Peter Minderhoud & Flirty

Auch “Flirty” sei sehr stolz gewesen heute bei der Siegerehrung, berichtete der Lebensgefährte von Edward Gal, der seinerzeit 2010 in ‘s-Hertogenbosch mit Totilas das Finale dominierte. “Für unsere Balance ist es gut, dass ich jetzt auch eins gewonnen habe”, scherzte Hans Peter Minderhoud, der seinen Sieg übrigens ohne Gal und Stallmanagerin Nicole Werner feiern muss. Die beiden konnten ihren Flug nicht mehr umbuchen und reisten unmittelbar nach der Kür nach Hause. “Ich bin froh, dass noch ein paar holländische Springreiter da sind, mit denen ich heute Abend feiern kann”, grinste der Weltcup-Gesamtsieger.

Die Zuschauer hätten sich wohl am meisten über einen Erfolg ihrer Landsfrau Tinne Vilhelmson-Silfven gefreut. Nach ihrem Ritt gab es Gänsehaut erzeugende Standing Ovations. 81,429 Prozent allerdings bedeuteten Rang zwei – auch wenn sie zwei Richter vorne sahen. Erneut stand der Hannoveraner Wallach Don Auriello nicht bei der ersten Grußaufstellung und die fehlende Aktivität im Hinterbein ist altbekannt. Dennoch wussten die beiden zu begeistern und man spürte förmlich den Kampfgeist von Tinne Vilhelmson-Silfven.”Es war ein unbeschreibliches Gefühl, in diese Atmosphäre einzureiten”, so die gebürtige Stockholmerin. “Unser Schwachpunkt ist das Halten. Aber er hat es genossen, sich hier zu präsentieren.”

Wie schon im Grand Prix hatte die Deutsche Jessica von Bredow-Werndl mit Unee BB auch in der Final-Kür Fehler und gab danach sportlich zu in Richtung Hans Peter Minderhoud: “Du hast heute verdient gewonnen. Du warst der einzige, der fehlerfrei geblieben ist.” Dennoch: Die Final-Dritte von Las Vegas im vergangenen Jahr wollte mehr, wollte den Pokal. “Wir hätten heute alle gewinnen können”, so die Reiterin aus Bayern. “Darüber sollte man natürlich nicht nachdenken. Aber ich bin trotzdem super glücklich, dass ich meinen dritten Platz verteidigen konnte.” Ihr Ziel für die Saison in Hinblick Rio: weniger Fehler zu machen. Diesmal waren es bei ihr die Zweier-Wechsel sowie der Übergang in die Galopp-Traversalen, die sie Punkte kosteten. “Das war blöd, dass er da angaloppiert ist”, kommentierte Bundestrainerin Monica Theodorescu, “und dass er einmal nicht ganz durch gesprungen ist. Aber sonst war er durchlässig und geschlossen.”

Tinne Vilhelmson-Silfven, Hans Peter Minderhoud & Jessica von Bredow-Werndl

Tinne Vilhelmson-Silfven, Hans Peter Minderhoud & Jessica von Bredow-Werndl

Ganz zufrieden war Theodorescu mit ihrem zweiten Schützling, Fabienne Lütkemeier, die mit D’Agostino mit 78,339 Prozent Sechste wurde. Nur eine kleine Unsicherheit in der Piaffe, ansonsten lieferten die beiden eine fehlerfreie Runde ab, in der die Deutsche viel Risiko ging. “Wenn nicht hier, wo dann?”, lachte Lütkemeier. “Im starken Galopp habe ich ihn richtig knattern lassen. Alles oder nichts war mein Motto.”

Platz vier in der Prüfung ging an Patrik Kittel (SWE), dessen Watermill Scandic so frisch war, dass er zu früh in den starken Galopp wollte, der aber keinen Schritt zeigte und somit die Medaillen mit 78,946 Prozent verpasste. Anna Kasprzak und Donnperignon wurden Fünfte (78,625 Prozent) und die Russin Inessa Merkulova mit einem wunderbar piaffierenden Mister X Siebte (78,232 Prozent).

Fotos: Karl-Heinz Frieler