Totilas

Überlegener Nationenpreissieg von Deutschland – Rath und Totilas gewinnen Grand Prix

Was für eine kuriose Prüfung, der Grand Prix, der gleichzeitig Nationenpreis war in der Aachener Soers. Doch vorweg: Es siegte Deutschland in aller Überlegenheit mit 243,100 Punkten vor Holland mit 223,380 Punkten. Selbst nicht mit Platz drei gerechnet hatten die Spanier, die auf 220,600 Zähler kamen.

Doch was war eigentlich passiert? Es sollte das große Treffen der Giganten werden: Zum ersten Mal nach 2011 traf Matthias Rath mit Totilas auf Charlotte Dujardin mit Valegro, die damals erst auf dem Weg in die Weltspitze war, seit langem aber jeden Wettkampf dominiert. Und heute? Platz sechs. 76,900 Prozent. Die Britin startete zum ersten Mal im Aachener Hexenkessel, doch gilt die Schülerin von Carl Hester als äußerst nervenstark. Ebenso ihr zwölfjähriger Negro-Sohn. Und es fing auch richtig, richtig gut an. Über 84 Prozent hatten die beiden noch bevor es in die Galopptour ging. Doch da ging gar nichts mehr: beide Wechseltouren kaputt, beide Pirouetten. Jeder schüttelte nur unfassbar den Kopf. Valegro, der sonst wie eine Bank jede Prüfung bestreitet, ist offensichtlich auch nur ein “Mensch”.

Stark, die Galopptour von Totilas

Stark, die Galopptour von Totilas und Matthias Rath

Und so war der Weg frei, für einen, der hier schon 2011 alle Prüfungen gewinnen konnte: Matthias Rath mit Totilas. Der Reiter aus Kronberg und sein schwarzer Hengst kamen mit dem Druck gut klar, zeigten eine Prüfung mit vielen Höhepunkten. Einzig ein Einerwechsel war etwas kurz gesprungen. 82,300 Prozent für die beiden und der verdiente Sieg.

Platz zwei für Helen und Damon Hill

Platz zwei für Helen und Damon Hill

An den beiden hätte Helen Langehanenberg mit Damon Hill vorbei ziehen können. Die hatten aber auch ein Revival – jedoch ein weniger schönes: die Schlusslinie. “Ich habe ein bisschen doll die Beine geschlossen”, erklärte Langehanenberg, “und dann hat er den Hüpfer nach vorne gemacht.” Doch die dreifache Vorjahressiegerin war nicht unzufrieden: “Matthias hatte eine lange Durststrecke und ich gönne es ihm von ganzem Herzen. Außerdem belebt Konkurrenz das Geschäft.”

Trotz 17 Jahren voll konkurrenzfähig: Parzival

Trotz 17 Jahren voll konkurrenzfähig: Parzival

Wie sportiv die Dressur geworden ist, betonte auch der Sieger des Grand Prix, Matthias Rath: “Hätte Damon Hill den Fehler nicht gemacht, wäre Helen vor mir gewesen. Hätte ich einen mehr gemacht, wäre ich wohl hinter Adelinde gewsesen.” Und damit sprach er die Drittplatzierte an. Die Niederländerin Adelinde Cornelissen und ihr mittlerweile 17-jähriger KWPN Wallach Jerich Parzival konnten an ihre starken Zeiten anschließen und 80,980 Prozent Dritte. “Wir sind auf dem richtigen Weg”, freute sich Cornelissen.

Was war da los? Valegro machte ungewöhnlich viele Fehler

Was war da los? Valegro machte ungewöhnlich viele Fehler.

Doch am meisten strahlte an diesem Tag Matthias Rath: “Ich kann es noch gar nicht realisieren. Als ich vor Aachen die Starterliste gesehen habe und feststellte, dass nahezu alle aus den Top 10 hier sind, habe ich nicht im Traum daran gedacht, hier zu gewinnen. Ich bin megastolz. Allerdings muss man auch sagen, dass Charlotte Dujardin einen schwarzen Tag hatte. Das ist ganz untypisch und ungewöhnlich für sie. Sie hatten so viele technische Fehler im Galopp, die sie sonst nie machen. So ein Ritt zeigt einem aber auch, dass man immer konzentriert bleiben muss. Ich bin aber überzeugt, dass Valegro so eine Runde wie heute nicht drei Mal hier drehen wird.” Ein ganz besondere Wertschätzung brachte Matthias Rath in der Siegerehrung im Stadion seinem Trainer Sjef Janssen entgegen. Dort sagte er im Siegerinterview, dass der Erfolg komplett seiner sei. Und doch ist auch Vater Klaus-Martin Rath noch ein wichtiger Bestandteil im Training: “Wenn ich eine Woche in Holland bin, sind zu Hause ja auch noch Pferde. Die trainiert er. Ohnehin war die Entscheidung für Sjef eine, die wir gemeinsam in der Familie überlegt haben. Wir waren damals darüber am Nachdenken, was wir wohl verändern können und kamen dann darauf. Und mein Vater war schon immer einer, der wollte, dass ich losgehe, dass ich woanders trainiere – so wie er es selbst auch immer gehalten hat. Ich bin unglaublich dankbar für seine Einstellung und es ergänzt sich unheimlich mit den beiden.”

Einfach nur glücklich mit Platz vier und dem Gewissen für Platz nach oben war Isabell Werth (GER), die mit Bella Rose 79,580 Prozent sammelte. Nach ihr platzierte sich die Schwedin Tinne Vilhelmson-Silfven mit Don Auriello (76,920 Prozent). Kristina Sprehe und Desperados landeten im Schlussklassement auf Rang elf (73,960 Prozent).

Foto: Karl-Heinz Frieler