Simone Blum & DSP Alice

Simone Blum und Alice “im Wunderland”: Gold für Deutschland

Nein, sie wollte eigentlich nicht als Schlussreiterin in den letzten Tag gehen, hatte Simone Blum nach der Bronzemedaille mit dem Team gesagt. Aber sie sei wohl zu gut gewesen, scherzte sie. Und sie blieb es. Die Reiterin aus Zolling bei München und ihre DSP Stute Alice v. Askari/Landrebell hielten dem Druck Stand, ritten beide Umläufe, als wären sie schon abgezockte alte Hasen und ließen nicht einmal den Zweifel aufkommen, dass eine Stange zu Boden gehen könnte. Die elfjährige Fuchsstute, die seit vier Jahren bei Blum ist, berührte nicht eine einzige Stange die ganzen Tage und blieb als einziges Pferd ohne Springfehler. Lediglich ein Zeitstrafpunkt kam im zweiten Umlauf hinzu – den hatten aber fast alle. Damit machte sich Simone Blum zur Einzelweltmeisterin, der ersten Frau seit Gail Greenough aus Kanada 1986. Es ist der erste Titelgewinn für Deutschland seit 1994 mit Franke Sloothaak in Den Haag. Wer hätte damit gerechnet? “Ich bin so dankbar, das ist unglaublich”, freute sich Blum. “Aber ob ich die erste Frau in der Geschichte der Weltreiterspiele bin oder nicht – das ist egal, wir sind doch gleich. Aber Alice war so großartig die ganze Woche. Ich glaube, sie wusste, dass sie gewinnen kann und sie wollte hier die Herzen der ganzen Welt erobern.” Die letzten Tage sei sie nicht nervös gewesen, erklärte sie. “Aber heute war ich es dann doch leicht”, lachte die studierte Lehrerin. “Aber ich konnte mich im Kurs gut konzentrieren.”

Simone Blum & DSP Alice

Simone Blum & DSP Alice

Eine Liebeserklärung machte Simone Blum an ihren zukünftigen Mann, Hans Günther Goskowitz, der in vier Wochen “Blum” heißen wird, wie sie verkündete, der der beste Mann der Welt sei und ohne den sie hier nicht stehen würde: “Er hat Alice entdeckt.”

Auch Bundestrainer Otto Becker strahlte: “Sie hat das echt gut zu Ende gebracht, das ist mehr als verdient. Ich hatte schon im Trainingslager ein gutes Gefühl, eigentlich bei allen, aber sowas muss man dann auch erst mal so machen. Sie hatte nicht einmal einen Wackler diese Woche. Das ist sensationell.”

Steve Guerdat & Bianca

Steve Guerdat & Bianca

Nach der verpatzten Mannschaftsmedaille endete auch für die Schweizer Springreiter die WM versöhnlich. Mit Martin Fuchs und dem zwölfjährigen Westfalen Wallach Clooney v. Cornet Obolensky auf Silber sowie Steve Guerdat und Bianca v. Balou du Rouet auf Bronze gab es zum ersten Mal in der Geschichte der WM Einzelmedaillen für die Schweiz. Und dann noch gleich zwei. Und dass ausgerechnet diese beiden Herren nebeneinander auf dem Podest standen, war noch mehr besonders, wie Guerdat betonte: “Jeder weiß, dass ich der Sohn von Philippe Guerdat bin. Aber die Familie Fuchs ist für mich wie eine zweite Familie. Sie behandeln mich wie ihren dritten Sohn. Wir wohnen nebeneinander, sprechen jeden Tag miteinander – es ist etwas ganz besonderes deswegen für mich.” Stolz machte ihn vor allem die Leistung seiner Stute Bianca. “Ich wollte ihr so sehr eine Medaille geben, denn sie hat es so verdient”, erzählte der Olympiasieger von London. “Sie liebt Springen so sehr. Wenn sie einen Sprung sieht, sie zieht nicht nur hin und will drüber springen – sie fliegt darüber. Ich kann das Gefühl nicht beschreiben. Es ist für mich eine Ehre, mein Leben mit einem Tier wie diesem zu teilen.”

Martin Fuchs & Clooney

Martin Fuchs & Clooney

Martin Fuchs, dem bereits die Tränen auf dem Podest in den Augen standen und dann noch mal, als sein Kumpel Steve Guerdat bei der Pressekonferenz so rührend über die Familie Fuchs sprach, war überglücklich: “Ich reite eins der besten Pferde der Welt – wie Simone und Steve. Ich hatte die ganze Woche schon ein sehr gutes Gefühl. Und ich wusste, dass ich einen Zeitfehler haben kann, um noch vor Steve zu bleiben. So kam es dann auch. Dann habe ich mir meinen Freund Max Kühner angeschaut, der leider Fehler machte – und dann kam Simone. Sie war wirklich meilenweit davon entfernt, nur eine Stange zu berühren und deswegen ist sie zurecht Weltmeisterin.”

Auf die Frage, ob sie einen Pferdewechsel vermisst hätten, der in der Normandie zum letzten Mal durchgeführt wurde, gab Steve Guerdat lachend zu: “Tatsächlich – ja. Es wäre toll gewesen, mit diesen Pferden eine Runde zu gehen. Aber ich kann damit leben, dass es abgeschafft wurde. Es geht immerhin um die Partnerschaft mit einem Pferd und deswegen ist es letztlich richtig, wie es jetzt ist.”

Unglücklich war am Ende des Tages sicherlich Max Kühner. Der Österreicher, der auf dem Silberrang bis zum Schluss lag, hatte zwei Abwürfe mit dem elfjährigen Holsteiner Hengst Chardonnay v. Clarimo/Corrado und fiel auf Rang sechs zurück. McLain Ward verpasste als US-Amerikaner eine Einzelmedaille in seiner Heimat mit Clinta auf Rang vier, der Kolumbianer Carlos Enrique Lopez Lizarazo und Admara überraschten an fünfter Stelle.

Fotos: Stefan Lafrentz