Philipp Weishaupt & LB Convall

Philipp Weishaupt sprachlos nach unerwartetem Sieg im Rolex Grand Prix von Aachen

Was für ein kurioser Großer Preis von Aachen. Da musste auch Parcoursbauer Frank Rothenberger zugeben: “Das habe ich in 35 Jahren noch nicht erlebt!” Es siegte Philipp Weishaupt (GER) nach zwei Zeitstrafpunkten in Runde eins und einer fehlerfreien Runde im zweiten Umlauf ohne Stechen.

Kein einziger Reiter hatte im ersten Umlauf die “null” auf der Ergebnisliste stehen. Vorne lagen Martin Fuchs (SUI) mit seinem Olympiapferd Clooney und Gerco Schröder (NED) mit Glock’s Cognac Champblanc N.O.P. mit je einem Zeitstrafpunkt – dann folgte Philipp Weishaupt mit dem erst neunjährigen Holsteiner Hengst LB Convall. Was würde passieren? Würde es zu einem 4er-Stechen kommen? Oder zu einem unter denen, die nur den einen Zeitstrafpunkt hatten? Gar kein Stechen? Der zweite Umlauf war nach dem ersten “brutal schweren”, wie Philipp Weishaupt ihn nannte, deutlich leichter. Es kam zu einigen fehlerfreien Ritten. Der Angestellte im Stall von Ludger Beerbaum schaffte es, erneut die Stangen oben zu lassen und musste nun warten, was Fuchs und Schröder machen. Bei Fuchs sah alles gut aus, sein Schimmelwallach sprang sicher. Doch auf dem Weg zum letzten Hindernis rannte ihm Clooney auf einmal weg. Der Sohn von Cornet Obolensky hatte den Ausgang gesehen und wollte wohl “nach Hause”. Was für ein Drama. Und Gerco Schröder machte einen Fehler auf der langen Schlusslinie. Damit war klar: Philipp Weishaupt hat es geschafft, und das als erster Reiter im ersten Umlauf mit dem wirklich noch grünen LB Convall v. Colman/Cascavelle.

“Ich habe nicht ganz kapiert, was jetzt passiert ist”, so Weishaupt. “Das ist was ganz Besonderes. Ich bin sprachlos. Seit ich denken kann, ist das mein ganz, ganz großer Traum, hier einmal zu gewinnen und jetzt habe ich das mit dem erst neunjährigen Pferd geschafft – das ist unglaublich. Darauf kann ich jetzt alle Jahre zurückblicken. Es können nicht so viel sagen, dass sie den Großen Preis von Aachen gewonnen haben.”

Den Holsteiner Hengst reitet Weishaupt seit etwa zehn Monaten, hat ihn von Hans Liebherr aus der Schweiz zur Verfügung gestellt bekommen. Warum, kam die Frage auf. “Ich bin eigentlich ein ganz netter Kerl”, scherzte der Deutsche. “Aber vielleicht spielte es auch mit rein, dass wir in derselben Stadt geboren sind”.

Zum ersten Mal ritt Weishaupt den Hengst in einem Drei-Sterne-Grand Prix in Mannheim in diesem Jahr, dann in Nörten-Hardenberg. Beide Male war er gut unterwegs. Schließlich folgten die Deutschen Meisterschaften in Balve und zwei Wochen vor Aachen Calgary. “Ich muss Calgary Danke sagen, dass ich dort reiten durfte”, so Weishaupt. “Das war die perfekte Vorbereitung. Das Pferd ist vorher noch nicht auf so einem großen Grasplatz gegangen.”

Zweiter mit einem Abwurf im ersten Umlauf wurde der Vorjahressieger des Großen Preises, Scott Brash (GBR) mit Ursula XII. Platz drei ging an Sergio Alvarez Moya (ESP) mit Carlo, der 2010 schon einmal mit Action-Breaker Dritter war.

Foto: Karl-Heinz Frieler