Nach Videoanalyse herrscht Klarheit auch im deutschen Team: Totilas hatte ein Problem

Eigentlich wusste es gestern schon jeder – spätestens nach Matthias Raths verhaltener Antwort auf die Frage, ob Totilas noch den Special bestreiten würde – dass das viel erwartete Paar nicht mehr bei der Europameisterschaft zu sehen würde. Doch nun wurde es auch offiziell vom Equipechef Klaus Roeser bestätigt: “Wir wollten die Gelegenheit nutzen, mitzuteilen, dass wir – und das sind in dem Fall Matthias Rath, die Bundestrainerin, der Equipechef und der Mannschaftstierarzt – nach einer Videoanalyse gestern Abend die Entscheidung getroffen haben, Totilas nicht mehr an den Start zu bringen. Von unserem Standort aus war es nicht so klar ersichtlich, aber ja: Hinten links hatte Totilas eine Taktunreinheit. Der Mannschaftstierarzt hat Totilas untersucht und äußerlich lassen sich keine Beeinträchtigungen feststellen. Es ist weder etwas dick, noch heiß, es lässt sich nichts erfühlen. Aber gemeinsam haben wir zum Wohle des Pferdes entschieden, Totilas zurückzuziehen.”

Auf die Frage, ob man das Paar nur für den Grand Prix mit ins Team genommen habe und bereits im Vorfeld klar gewesen wäre, dass Totilas keine drei Prüfungen durchstehen würde, erklärte Roeser: “So kann man denken, ja. Und unser erklärtes Ziel war es, Gold zu gewinnen, wofür man Paare über 80 Prozent braucht. Totilas hat in Hagen gute Runden gezeigt und es gab keinen Grund, ihn nicht mitzunehmen.” Auch im Trainingslager wäre Totilas gut gewesen. “Es war nicht so, dass wir nicht ruhigen Gewissens sagen konnten, dass er mitfährt”, fuhr der Disziplinausschussvorsitzende fort. “Jedes Pferd hat ein Problem. Ich kenne keins, das nicht eins hat. Wir haben gemeinsam nominiert und ich stehe auch zu der Entscheidung.”

Auf die Frage, warum keiner der Beteiligten – auch er nicht – etwas gesagt hätte, nachdem beim Abreiten bereits eine deutliche Taktunreinheit zu sehen gewesen sei, erklärte Roeser: “Ich kann hier nur für mich sprechen – und ich habe das Abreiten nicht gesehen. Ich wollte die Holländer und Engländer sehen. Das fand ich hochspannend. Matthias hat auch nicht gesagt, dass er etwas gespürt habe, was sich falsch angefühlt habe. Dafür kann ich ihm aber keinen Vorwurf machen. Jeder Reiter fühlt anders und jeder hat individuelle Mechanismen. Hier reinzureiten mit dem Mannschaftsgedanken im Hinterkopf, ist eine besondere Situation.”

Eine Prognose Richtung Rio wollte Klaus Roeser noch nicht abgeben: “Soweit können wir jetzt noch nicht denken. Wir haben hier noch drei Teilnehmer am Start und konzentrieren uns darauf. Wir rechnen uns noch Chancen aus, dass wir hier in Aachen erfolgreich abschneiden.”

Auch zum Vet-Check, bei dem Totilas bereits bei den Richtern und Tierärzten zur Diskussion stand, konnte Klaus Roeser nicht viel sagen: “Ich weiß nicht, was da diskutiert wurde. Ich stand auf der anderen Seite des Vet-Check-Teams, Totilas war dazwischen. Aber beim Vet-Check gibt es nun mal nur accepted, Holding Box oder not accepted. Und Totilas bekam das accepted.”

Ob es in der Zukunft Veränderungen hinsichtlich der Nominierung geben würde, wird nach der EM diskutiert. Das würde sicherlich detailliert besprochen, machte Roeser deutlich. “Aufgrund der gemachten Erfahrungen werden wir uns einen neuen Weg überlegen. Aber ich kann jetzt noch nicht sagen, wie der aussehen wird.”