Steve Guerdat & Corbinian

Göteborg: Guerdat sucht nach Antworten auf seine Fragen, Ahlmann nutzt seine letzte Option

Einmal ganz schön durchgemischt wurde das Ranking im Longines FEI World Cup Jumping in Göteborg mit der zweiten Wertungsprüfung. Einen wirklich anspruchsvollen Parcours hatte Santiago Varela aus Spanien den Finalisten hingestellt, der einem Championat würdig und trotzdem fair aufgebaut war. Nach zwei Wertungen liegt nun der Titelverteidiger Steve Guerdat aus der Schweiz vorne, zwei Punkte hinter ihm (und damit keinen Springfehler entfernt) Marcus Ehning aus Deutschland, mit drei Punkten dahinter Harrie Smolders (NED) und Daniel Deußer (GER).

Steve Guerdat, der mit Corbinian einen zehnjährigen Cornet Obolensky-Sohn gesattelt hatte, erzählte: “Ich bin mit einer Menge Fragen zum Weltcup-Finale gefahren, auf die ich keine Antworten hatte. Ich wusste nicht, wie Corbinian sich hier schlagen würde. Wir waren noch nicht so oft platziert, auch wenn wir schon einige größere Turniere bestritten haben. Das war nicht der Fall, weil er nicht die Qualität hat, sondern weil ich sie nicht abrufen konnte. Wir sind immer noch am Zusammenwachsen.” Auf die Frage, ob er wusste, wie er abschneiden muss, um die Führung zu haben, sagte Guerdat: “Ich bin nicht so gut im Rechnen, ich war schlecht in der Schule. Ich habe eher versucht, aus sportlicher Sicht vorne zu sein als aus mathematischer.”

Christian Ahlmann & Taloubet Z

Christian Ahlmann & Taloubet Z

Der Sieg in der zweiten Wertungsprüfung ging an den Deutschen Christian Ahlmann, der damit auf Wiedergutmachungstour ist nach den zwei Fehlern im Zeitspringen mit Colorit. Diesmal setzte er auf seinen 16-jährigen Routinier Taloubet Z und arbeitete sich nun auf Rang zehn vor. “Der Plan war ein bisschen anders gestern”, schmunzelte Ahlmann, der die Weltcup-Saison dominiert hatte und als Führender nach Göteborg kam. “Ich hatte zwei Pferde mitgebracht, weil ich Taloubet schonen wollte und habe das Risiko genommen. Es war kein großes Risiko, weil er in den letzten Wochen wirklich sehr gut war, aber es war nicht unser Tag. Wir hatten einen schlechten Start. Aber das hier ist ein Championat und wir haben noch einen Tag.” Für das Stechen war seine Zielrichtung klar: “Ich wollte schnell sein, denn Taloubet ist schnell. Er ist einfach unglaublich. Ich hatte außerdem keine andere Option, weil ich Plätze nach vorne gut machen wollte. Ich habe versucht, meine Kollegen unter Druck zu setzen.”

Das gelang. Denis Lynch und All Star wurden mit fast fünf Sekunden Rückstand Zweite. “All Star ist nicht sehr schnell”, so der Ire. “Ich habe einfach versucht, die Stangen oben zu halten.” Platz drei in der zweiten Wertung ging an den Niederländer Harrie Smolders mit Emerald N.O.P.: “In der ersten Runde sprang er fast zu gut. Ich bin einmal fast gestürzt, aber konnte mich zum Glück oben halten. Wir warten nun auf Montag.”

Übrigens sortierten die drei Erstplatzierten des Tages ihre Pferde in Auto-Kategorien ein. Weil Christian Ahlmann anmerkte, dass man einen Ferrari wie Taloubet benötigte, um beständig vorne zu bleiben, wurden auch Denis Lynch und Harrie Smolders aufgefordert, ihre Pferde in Autos zu beschreiben. Denis Lynch erklärte, dass All Star ein Landrover ist… und Harrie Smolders über Emerald: “Der ist ein Aston Martin!”

Die weiteren deutschen Platzierungen: Marco Kutscher sortiert sich aktuell auf Rang neun ein, Niklas Krieg auf Rang 14.

Fotos: Karl-Heinz Frieler