Roger-Yves Bost, Pénélope Leprevost, Kevin Staut, Philippe Rozier

Frankreich überlegen zu Gold vor USA – Deutschland gewinnt Bronze im Stechen

Vor dem abschließenden zweiten Umlauf in der Mannschaftswertung der Springreiter bei den Olympischen Spielen ging es eng zu: Deutschland, Brasilien, die Niederlande und USA gingen in den entscheidenden Umlauf mit je null Fehlern, Frankreich mit einem Zeitstrafpunkt. Doch so eng es im Vorfeld war, so klar war dann die Entscheidung.

Frankreich war nach drei Reitern bereits die Goldmedaille sicher. Philippe Rozier und der französische Hengst Rahotep de Toscane v. Quidam de Revel/Laudanum hatten einen Zeitstrafpunkt gesammelt, Kevin Staut mit Reveur de Hurtebise v. Kashmir van’t Schuttershof/Capricieux des Six Censes war fehlerfrei und mit dem Zeitstrafpunkt von Roger-Yves Bost und Sydney Une Prince v. Baloubet du Rouet/Alfa D’Elle stand schon fest: Gold für die Equipe Tricolore. Die Mannschaft von Philippe Guerdat konnte es selbst kaum glauben, musste sie doch in Rio den Ausfall von Simon Delestre verkraften, für den Philippe Rozier nachrückte. Außerdem war kurze Zeit nicht sicher, ob Pénélope Leprevost überhaut würde antreten können, da ihre Stute Flora de Mariposa zunächst leichte Koliksymptome zeigte. Doch dann lief es. “Das war eine harte Woche”, erklärte Kevin Staut im Anschluss. “Aber man kämpft dann noch mehr. Ich bin sehr stolz, Franzose zu sein und Gold gewonnen zu haben.”

Besonders stolz ist auch Philippe Rozier. Der 53-Jährige bringt die zweite Goldmedaille in die Familie. Sein Vater Marcel gehörte 1976 zur Gold-Equipe in Montreal. Erst jetzt, 40 Jahre später, steht Frankreich wieder ganz oben auf dem Podest. Roger-Yves Bost, der die Bronzemedaille als dritter Reiter, perfekt machte, erklärte, dass er keinen Druck verspürt habe: “Nein, ich kannte die Ergebnisse gar nicht – deswegen hatte ich keinen Druck. Ich habe mich auf mich konzentriert.”

Lucy Davies, Kent Farrington, McLain Ward, Beezie Madden

Lucy Davies, Kent Farrington, McLain Ward, Beezie Madden

Nachdem alle drei Reiter durch waren, war ebenso schon klar, dass die USA Silber mit nach Hause nimmt. Ein starker Auftritt der Mannschaft von Robert Ridland, die vor dem zweiten Umlauf bereits wusste, dass sie nur zu dritt reiten würde. Beezie Maddens Cortes ‘C’ hatte sich am Tag zuvor eine Sehnenverletzung zugezogen und konnte deswegen nicht mehr antreten. Auf die Frage, wie man mit diesem Druck umgeht, erklärte McLain Ward: “Wir hatten doch gar keine andere Option. Wir fühlten uns aber als Team sehr stark.”

Christian Ahlmann & Taloubet Z

Christian Ahlmann & Taloubet Z

Nachdem auch die Brasilianer, die ebenso nur noch drei Reiter am Start hatten nach der Disqualifikation von Stephan de Freitas Barcha, Federn ließen und Fünfte wurden, ging es schließlich für Deutschland und Kanada ins Stechen. Kanada, das mit null Fehlerpunkten aus dem zweiten Umlauf kam, hatte sich wieder ins Spiel um das Podest gebracht, hingegen die deutschen Reiter gerieten etwas ins Schlittern. Christian Ahlmann und der KWPN Hengst Taloubet Z v. Galoubet A patzten am Einsprung der Mauer-Kombination. “Das schwierigste war die Zeit”, so der Weltranglistenerste. “Das hat den Parcours zusätzlich schwerer gemacht. Da wurden die Hindernisse noch mal höher und weiter. Aber bei Olympischen Spielen ist das nun mal so. Hier kriegt man nichts geschenkt.”

Meredith Michaels-Beerbaum & Fibonacci

Meredith Michaels-Beerbaum & Fibonacci

So wie sich die Nullrunden über die ersten beiden Tage zogen, so ging es dann mit vier Fehlern weiter im deutschen Team. Meredith Michaels-Beerbaum und Fibonacci v. For Feeling/Corland patzten am letzten Hindernis. “Ich bin sehr enttäuscht”, teilte die zunächst nur als Reserve mitgereiste Reiterin im Anschluss an ihren Ritt mit. “Damit hatte ich nicht gerechnet. Man braucht auch ein bisschen Glück. Vielleicht hatte ich mich zu sicher gefühlt.”

Daniel Deußer & First Class

Daniel Deußer & First Class

Auch Daniel Deußer hatte mit First Class v. Balou du Rouet einen Fehler, in der Mitte der dreifachen Kombination. Mit dem Schlussreiter Ludger Beerbaum auf Casello v. Casall schließlich entschied sich, ob die Deutschen ins Stechen gehen würden oder Kanada Bronze gewinnt. Ludger Beerbaum hatte am Tag zuvor angekündigt, dass er heute noch eine Rolle für seine Mannschaft spielen könnte und er glaube, dass er noch zum Teamergebnis würde beitragen können. Und genau so kam es. Als Einziger blieb er an diesem Tag fehlerfrei und rettete seiner Mannschaft damit die Möglichkeit auf Bronze.

Ludger Beerbaum & Casello

Ludger Beerbaum & Casello

Ins Stechen ging es also für Kanada und Deutschland um Bronze. Anders als bei normalen Nationenpreisen müssen bei Olympischen Spielen dann noch mal alle Reiter ran. Doch zumindest der jeweils vierte Reiter war nicht mehr gefragt. Nachdem Kanada zwei Abwürfe hatten und Ahlmann, Michaels-Beerbaum und Deußer alle Stangen oben ließen, war die Medaillenvergabe beendet – Bronze für Deutschland.

Bundestrainer Otto Becker war überglücklich: “Es war unheimlich eng und knapp – wie erwartet. Wir haben uns die Medaille verdient. Alle haben das ganze Jahr darauf hingearbeitet.” Auch DOKR-Geschäftsführer und Chef de Mission, Dr. Dennis Peiler, strahlte: “Alle haben unfassbar gekämpft. Das war ein ganz besonderer Teamgeist, den wir hier hatten. Der hat den Ausschlag gegeben. Von uns wurden drei bis fünf Medaillen vom DOSB erwartet und wir haben nun sechs geholt. Damit haben wir alle Erwartungen übertroffen.”

Christian Ahlmann, Ludger Beerbaum, Meredith Michaels-Beerbaum, Daniel Deußer

Christian Ahlmann, Ludger Beerbaum, Meredith Michaels-Beerbaum, Daniel Deußer

In der Einzelwertung, in der es nun bei null losgeht, sieht Christian Ahlmann gleich mehrere Kandidaten vorne: “Da können einige auftrumpfen. Und es gibt auch einige, die schwerst im Vorteil sind, weil sie heute morgen quasi Trainingsrunden drehen konnten, weil es für sie nicht mehr ums Team ging.” Hinzu kamen für Kanada und Deutschland die zusätzlichen Stechrunden. Auch das könnte ein Nachteil sein. “Vor allem war es richtig warm heute”, so Daniel Deußer. “First Class hat genauso geschwitzt wie ich. Ich habe vor dem Stechen kaum mehr einen Sprung gemacht. Ich kann nicht sagen, dass er müde war, aber man muss morgen schauen, wie es aussieht. Wir werden nicht mehr mit den Pferden arbeiten, sie etwas im Schatten bewegen, vielleicht in der Halle, aber mehr nicht. Ich denke aber, dass First Class genug Substanz hat und hoffe, dass er am Freitag noch mal in guter Form ist.”

Fotos: Stefan Lafrentz