Michael Jung & fischerTakinou

CHIO Aachen: Michael Jung übernimmt die Führung nach kuriosem Springen

Die Teilprüfung Springen wirbelte das Dressur-Klassement in der Aachener Vielseitigkeit beim CHIO einmal gewaltig durch. Dabei – da waren sich alle einig – war der Springparcours eher am unteren Limit gebaut. Von Platz vier nach der Dressur auf die Spitzenposition ging es für Michael Jung (GER) und fischerTakinou, den Olympiakandidaten Nummer eins des Multi-Champions. Auch mit La Biosthetique Sam FBW machte Jung keinen Springfehler, riskierte aber drei Zeitfehler und liegt damit auf Rang neun. “Das war so nicht gewollt”, schüttelte Vater und Coach Joachim Jung etwas den Kopf, der die Zeitstrafpunkte von Sam gerne vermieden hätte. “Aber Michael hat sein System im Kopf, er wollte hier sein Konzept nicht umstellen und letztlich nimmt er mir immer den Wind aus den Segeln, indem er dann beim Championat gewinnt. Er ist ja auch nicht absichtlich langsam geritten, sondern hat schon Rio im Kopf. In Wiesbaden hat er Takinou selber lernen lassen, in Strzgom ist er hingegen ganz konzentriert geritten und hier hat er so einen Mittelweg gewählt.”

Nach der Dressur noch war Michael Jung morgens etwas angefressen von den Richtern: “Für mich wird die Richterei immer schlechter und ist nicht immer nachvollziehbar. So macht das keinen Spaß, da lohnt sich die ganze Mühe nicht.” Bei fast allen Ritten waren die Platzierungen der Richter höchst unterschiedlich, von vielen Seiten wurde das Richten kritisiert. Der deutsche Bundestrainer Hans Melzer hingegen blieb gelassen: “Das ist wie beim Fußball – die Schiedsrichterentscheidung zählt. Da sollte man sich gar nicht mit auseinander setzen.”

Nach der Dressur noch hochzufrieden war die Deutsche Bettina Hoy, die mit Seigneur Medicott, einem zehnjährigen Wallach, mit 31,0 Punkten die Führung hatte und mit dem zwölfjährigen Designer Platz drei belegte (36,7). Tränen vor Rührung standen Hoy in den Augen. “So toll ist Designer noch nie gegangen”, freute sich die Deutsche wie verrückt. “Es war ein wahnsinnig tolles Gefühl, zumal ihm das körperlich alles nicht so leicht fällt in der Dressur.” Doch wie bei vielen anderen, die vorne platziert waren, fielen die Stangen. Zwei Abwürfe mit Seigneur Medicott (nun Platz drei), 17 Punkte mit Designer. Auch Jonelle Price (NZL), die mit Faerie Dianimo auf dem zweiten Platz lag nach der Dressur, rutschte nach zwei Abwürfen auf Rang sieben zurück. Ingrid Klimke und Horseware Hale Bob belegen nach einem Abwurf Rand sieben, mit Mannschaftspferd Escada rangiert sie ohne Abwurf auf Position fünf, zwei Abwürfe hatte Mannschaftsreiter Dirk Schrade mit Hop and Skip (Dirk Schrade: “Das ist die Premiere in seinem Leben – er hatte noch nie zwei Fehler im Parcours!”) und Andreas Ostholt kassiert mit So is et auf der Schlusslinie gleich drei Fehler.

Bundestrainer Hans Melzer hatte eine Erklärung für die unerwartet vielen Fehler: “Man darf den Platz nicht unterschätzen. Der Platz hat seine eigenen Gesetze. Aber morgen ist auch noch ein Tag.”

Fehlerfrei hingegen blieb Weltmeisterin Sandra Auffarth (GER), die mit Opgun Louvo mit 38,1 Punkten Zweite vor dem Gelände ist.

Die eigentliche Spitzenposition hält Julia Krajewski mit Samourai du Thot. Sie überzeugte mit 37,2 Punkten in der Dressur bei ihrer Aachen-Premiere, hatte keinen Fehler im Springen, verzichtet aber auf das Gelände. “Er sollte hier nur Atmosphäre schnuppern”, so Krajewski. “Mir war wichtig, dass er so geht wie Zuhause und das hat er gezeigt. Ich bin hochzufrieden.”

In der Mannschaftswertung hält Australien mit 139,8 Punkten die Führung. Dann wir des eng auf den Plätzen zwei bis vier: Neuseeland mit 142,2 Punkten liegt auf Position zwei vor Großbritannien mit 142,5 Punkten und Deutschland mit 142,9 Punkten.

Foto: Stefan Lafrentz