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C’est la vie – Normandie… Zu viel Licht, zu viel an nichts, zu viel Chaos

Die World Equestrian Games haben begonnen – doch die Lücken, die sich in der Organisation auftun, sind derzeit noch riesig. Und offensichtlich betreffen sie nicht nur die Medienschaffenden, sondern auch die Reiter. Der Equipe-Chef der deutschen Dressurreiter, Klaus Roeser, erzählte schon früh am Morgen vom „großen Chaos“: „Die Musik war heute morgen im Training viel zu laut. Wir mussten die Verantwortlichen erst überzeugen, dass sie leiser gemacht werden muss.“ Doch damit war es noch nicht genug: „Auf einmal waren die Scheinwerfer bei den Kameras an. Das waren sie alle Tage bei den Proben nicht. Das kann zu einem echten Problem werden, wenn die Pferde reinkommen. Sowas muss doch nicht sein. Immerhin haben wir es hinbekommen, dass sie dann aus blieben.“ Verständnis fand er allerdings auch für die Veranstalter: „Bei so einem großen Event passiert sowas, aber mein Job ist es nun mal hier, mich für die Reiter einzusetzen. Da muss man dann eben auch mal ein bisschen ärgerlich gucken dürfen.“

Ärgerlich, das guckten auch wir, als wir nach dem Ritt von Fabienne Lütkemeier kurz nach acht Uhr höflich-konsequent in die Mixed Zone in eine Nische des Stadion-Betons gebeten wurden, in der noch lange nichts von Fabienne zu sehen war – die nämlich musste erstmal Flash-Interviews fürs Fernsehen geben. Und wir konnten von dort auch nichts sehen – außer Beton und Werbewänden. In einer verbotenen Zone standen wir vorher nicht, sondern vielmehr im Gang runter von der Pressetribüne hin zu Mixed Zone. Aber hier hat alles seine Ordnung. Da soll noch mal einer über die Organisiertheit der Deutschen schimpfen…

Hingegen nicht so ganz hält man es mit der Organisation von Shuttle-Bussen. Die – so hat man den Eindruck – fahren, wann sie wollen, nur nicht nach Plan. Immerhin war der heute morgen um 6:45 Uhr pünktlich (bei der Start der Dressurprüfungen um 8 Uhr wäre einer um 7:30 Uhr aber auch ausreichend gewesen, doch fahren die Medienshuttle nur stündlich). Pünktlich, ja, das fuhren wir ab, doch meinte es der Busfahrer mit uns wohl zu gut. Er drehte nämlich eine extra Schleife über die Orne – und so kamen wir wieder an unserem Ausgangspunkt vorbei. Die Orientierung fehlte dem Fahrer offensichtlich…aber gut, es war auch noch stockfinster draußen. Auf der Fahrt zum Stade D’Ornano setzte er dann immer mal wieder den Blinker, um kurzerhand doch eine andere Richtung einzuschlagen. Leider konnte wir ihm die Richtung nicht vorgeben, denn englisch versteht hier keiner (und keiner der Frühaufsteher war der französischen Sprache mächtig genug).

Während wir dann also um sieben Uhr in der Pressestelle aufkreuzten, schlief offensichtlich noch ein ganzer Teil der Presse-Betreuung. Die Versorgung mit Kaffee und Obst nämlich klappte erst ab 9:30 Uhr. Naja, immerhin gibt es ja auch noch einen Kiosk im Stadion, in dem ein kleiner Becher Kaffee 3 Euro kostet. Aber was tut man nicht für ein wenig Koffein am Morgen… Doch auch für die noch zu erwartenden vielen Besucher wird die gastronomische Versorgung sicherlich noch spannend. Denn eigentlich gibt es hier am Stadion… nichts! Man wolle die Gastronomie im Umkreis fördern, heißt es. Doch mal eben so vorbeigehen dafür, ist nicht. Und die Village mit der großen Ausstellung ist ca. 20 Fußminuten entfernt. Bergab oder -rauf. Aber man könnte es ja auch mit dem Shuttle versuchen… (allerdings sind die Haltepunkte auch alle so gewählt, dass man auch bei ihnen noch mal unnötig lange laufen muss).

Doch wollen wir nicht zu pessimistisch sein und ich zitiere dann noch mal gerne Klaus Roeser: „Irgendwie läuft es dann ja doch immer.“ Und auch die deutsche Pressechefin Susanne Hennig sei an dieser Stelle mit ihrem Optimismus erwähnt: „Eins läuft hier wenigstens richtig toll: Das Internet!“ Stimmt – und das ist ja immerhin auch schon mal etwas.