Harrie Smolders - Peder Fredricson - Cian O'Connor

All In: Peder Fredricson schreibt schwedisches EM-Märchen

Was war das für eine Anspannung, als der Schwede Peder Fredricson als letzter Reiter in der Finalrunde bei der Europapmeisterschaft in Göteborg einritt. Mit seinem Olympiapferd H&M All In v. Kashmir van Schuttershof-Andiamo konnte sich der Zweite von Rio einen Abwurf und einen Zeitfehler erlauben. Was für eine komfortable Situation. Cian O’Connor hatte es möglich gemacht, der am fünften Hindernis, einem Steilsprung, bereits einen Fehler mit dem BWP Hengst Good Luck v. Canturo-Furioso II hatte. Zu dem Zeitpunkt war bereits klar, dass Cian O’Connor nach Mannschaftsgold im schlechtesten Falle auch noch EM-Einzelbronze gewinnt und der Niederländer Harrie Smolders Silber mit dem Zangersheide Hengst Don VHP Z v. Diamant de Semilly-Voltaire. Der Niederländer war als einziger an diesem Tag Doppelnull geblieben.

Peder Fredricson & All In

Peder Fredricson & All In

Nun, für Peder Fredricson war die Ausgangslage also gut. Das Publikum fieberte hörbar mit und als am Einsprung der Dreifachen, die Stange fiel, war der Druck auf den Schweden auf einmal mächtiger denn je. Noch ein Fehler – und er wäre nicht mal mehr auf dem Podest. Aber den machte er nicht und ganz Göteborg jubelte seinem Star zu.

“Der Druck war schon da, als ich hier ankam”, so der neue Europameister, im Übrigen der zweite schwedische erst nach Rolf-Göran Bengtsson in Madrid 2011. “Jeder, der mir über den Weg lief in dieser Woche, hat mir fiel Glück gewünscht und dass ich gewinne. Und ich wollte es so sehr für dieses Pferd. Ich dachte immer nur: Mach keinen blöden Fehler. Als die Stange fiel, versuchte ich, nicht noch einen Fehler zu machen.” Fredericson, der seit einiger Zeit mit einem Mentalcoach arbeitet, erklärte: “Diesen Druck genießt man nicht, aber man muss lernen, damit klar zu kommen. Man muss fokussiert bleiben und nicht an andere Dinge denken.” Auf die Frage, wie er nun nach Olympiasilber nun zu der Goldmedaille steht, sagte Fredericson: “Ich war schon etwas verärgert darüber, dass ich in Rio im Stechen zu langsam war. Silber war toll, aber ich habe mich geärgert und daher sehr daran gearbeitet, schneller zu werden. Ja, ich muss sagen, dass ich mit der Farbe der Medaille jetzt glücklicher bin.”

Harrie Smolders & Don VHP Z

Harrie Smolders & Don VHP Z

Harrie Smolders war mit seiner Silbermedaille auch sehr zufrieden, vor allem nach dem Start, den er hatte. Mit 4,52 Punkten kam er aus dem Zeitspringen. Hinzu kam nur ein Zeitstrafpunkt in der ersten der beiden Teamrunden. “Nach Tag eins dachte ich, dass es unmöglich wird, eine Medaille zu gewinnen. Aber Don wird stärker, je schwerer die Prüfungen werden. Die kleinste Prüfung war die schwierigste für ihn diese Woche.”

Bronzemedaillengewinner Cian O’Connor erklärte, dass seine Einzelmedaille nur “on top ist: “Wir haben 16 Jahre kein Mannschaftsgold gewonnen – das war also schon sehr speziell. Meine Gratulation gilt dem Parcourschef Louis Konickx, der es geschafft hat, die besten Pferde auf das Podest zu bekommen: Mein Pferd war in jedem Großen Preis in dieser Saison platziert, Harries hat so viele Nullrunden wie kein anderes Pferd in dieser Saison und All In ist das beste Pferd der Welt.”

Marcus Ehning & Pret A Tout

Marcus Ehning & Pret A Tout

Und wie lief es für die beiden deutschen Reiter? Marcus Ehning konnte mit dem 14-jährigen Selle Francais Pret A Tout v. Hiram Chambertin-Stew Boy noch eine Nullrunde zeigen und wurde Sechster, Philipp Weishaupts Holsteiner Hengst LB Convall v. Colman-Cascavelle hingegen hatte eine Verweigerung vor dem zweiten Hindernis, hinzu kamen Fehler an den Hindernissen 6 und 8 sowie vier Zeitstrafpunkten – er wurde Zwölfter. Ehning erklärte: “Mit einem Fehler weniger hätte ich sicherlich Bronze gewonnen. Aber Pret A Tout hat sich super präsentiert und es ist ein versöhnlicher Abschluss. Klar, wenn man so nah dran war, ist es ärgerlich und beide Fehler waren überflüssig. Ich weiß nun aber, dass er ein Championatspferd ist und bis zur WM können wir uns noch steigern.”

Philipp Weishaupt & LB Convall

Philipp Weishaupt & LB Convall

Philipp Weishaupt erklärte seinen schlechten Abschluss: “Convall hat einen eigenen Charakter und den hat er zum falschen Zeitpunkt gezeigt. Er guckte zum Ausgang und dann war der Rhythmus verloren. Aber selbst wenn ich null geritten wäre, wäre ich nur Vierter gewesen. Das Leben geht weiter!”

Bundestrainer Otto Becker zog sein Fazit: “Wir haben leider keine Medaille, aber wir haben super Runden gesehen und können auf neue Paare für die Zukunft bauen. Ich würde die Aufstellung genau so wieder vornehmen. Es ging hier darum, neue Paare aufzubauen und wir haben drei für die Zukunft.”

Fotos: Stefan Lafrentz