William Fox-Pitt & Chilli Morning

William Fox-Pitt: “Davon habe ich geträumt!”

“Das ist das, worauf ich gehofft und wovon ich geträumt habe”, sagte ein sichtlich zufriedener William Fox-Pitt nach seiner Dressur mit Chilli Morning in Rio bei den Olympischen Spielen. Mit 37,0 Punkten führt er knapp vor dem Australier Chris Burton mit Santano II (37,6). Michael Jung (GER) und Sam behaupten sich nach dem ersten Dressurtag auf Rang drei mit 40,9 Punkten vor Sandra Auffarth und Opgun Louvo (41,6). Für Fox-Pitt ist der Erfolg aber nicht nur ein Erfolg wie andere zuvor, sondern auch ein Beispiel dafür, dass sich kämpfen lohnt. Vor zehn Monaten lag der Brite nach einem schweren Sturz in Le Lion d’Angers im Koma und musste hart daran arbeiten, wieder im Sattel zu sitzen. Seine Ärzte waren sich sicher, dass er nicht in Rio wird starten können – und doch hat er es geschafft. “Gerade noch rechtzeitig”, schmunzelt Fox-Pitt. “Ich bin sehr glücklich, hier zu sein.” Während er jedoch weiß, dass sein Fuchshengst den schweren Kurs in Rio meistern wird, hofft er selbst, seinem Pferd gerecht zu werden. “Ich war lange Zeit mental sehr, sehr müde. Manchmal bin ich jetzt noch ein bisschen dösig, aber ich fühle mich großartig. Ich habe so viele Fitnesseinheiten gemacht wie nie zuvor in meinem Leben.”

Auf die Frage, wie er mit der Reha umgegangen ist, versicherte er glaubwürdig: “Das war eine ganz neue Erfahrung für mich und ich mag Herausforderungen. Mit Rio hatte ich ein echtes Ziel und ich wollte zeigen, dass es geht. Ich glaube, ich bin ein gutes Beispiel dafür, dass man alles erreichen kann.” Mit viel Witz und Augenzwinkern begegnet der Brite heute der schweren Zeit, die er hinter sich gelassen hat. Es hat ihn noch stärker gemacht, daran besteht wohl kein Zweifel. Von Angst ist bei dem Sympathieträger des Sports nichts zu spüren.

Das Gelände schätzt William Fox-Pitt als das schwerste ein, das er je bei Olympischen Spielen gesehen hat – “und das sind einige”, so der 47-Jährige. “Aber so muss es sein. Ich finde, dass wir herausgefordert werden müssen.”

Auch der Zweitplatzierte Chris Burton sagt: “Der Kurs ist unglaublich anspruchsvoll, sehr technisch mit richtig schweren Aufgaben. Es wäre schön, ich hätte ein erfahreneres Pferd dafür.”

Genug Erfahrung bringen die beiden deutschen Paare mit, die auf Rang drei und vier liegen, Michael Jung mit Sam und Sandra Auffarth mit “Wolle”. Hans Melzer, Bundestrainer der deutschen Buschis, zog ein erstes Verhaltenes Fazit, obwohl seine Mannschaft in Führung liegt nach dem ersten Tag vor Australien und Großbritannien: “Beide haben leider ein paar Punkte liegen lassen, aber wir haben ein sehr geschlossenes Mannschaftsergebnis. Allerdings hätten wir uns den Vorsprung deutlicher gewünscht. Bei so einem Championat will natürlich keiner etwas verkehrt machen.” Auf die Frage, ob die Taktik, die beiden Spitzenreiter an den Anfang zu stellen, vielleicht doch verkehrt gewesen sei, erwiderte Melzer: “Nein. Wenn die Leistung heute gestimmt hat, gab es auch Top-Noten von den Richtern, das haben wir bei Fox-Pitt und Burton gesehen. Und in Hinblick auf das Gelände ist es wichtig, dass wir diese Reiter vorne haben. Sie sollen beide die direkten Wege reiten, damit die anderen wissen, was geht.”

Foto: Stefan Lafrentz