Isabell Werth & Weihegold OLD

Wiesbadener Pfingstturnier: Gefühlte 80 Prozent bei Isabell Werth und Weihegold OLD

Der Grand Prix zum Special ist in Wiesbaden bekanntermaßen stärker besetzt als der zur Kür – muss man doch für die Flutlichprüfung am Sonntagabend schon ein geeignetes Pferd haben. In der klassischen Tour jedenfalls wurde den Zuschauern quasi eine komplette Mannschaft aus dem deutschen A-Kader geboten, angeführt von Isabell Werth (GER) mit der Oldenburger Stute Weihegold OLD. Mit 79,480 Prozent waren die beiden unangefochten an der Spitze. Enger ging es um die weiteren Plätze zu: Hubertus Schmidt und der Trakehner Hengst Imperio zeigten eine tolle Runde, für die es 75,220 Prozent gab, während Anabel Balkenhol und Dablino FRH mit vielen Höhepunkten mit 75,120 Prozent ebenso auf dem zweiten Platz hätten landen können. Platz vier ging an Fabienne Lütkemeier und den Fuchswallach D’Agostino (74,180 Prozent).

Isabell Werth ritt ihre Don Schufro-Tochter noch nicht voll auf Angriff, bestätigte hinterher auch, dass es vor allem derzeit um die Feinabstimmung das Zusammenwachsen gehe. “Sie soll für die weiteren Turniere lernen”, erklärte die Rheinbergerin. “Ich bin insgesamt sehr zufrieden mit gefühlten 80 Prozent. Es ist kein Geheimnis, dass der Wechsel zwischen den Pirouetten nachgesprungen war. Da hätte der Jockey besser aufpassen müssen. Aber insgesamt hat es mich schon sehr begeistert, mit welcher Leichtigkeit und Souveränität sie das gemeistert hat.”

Balve ist nun das nächste Ziel mit der Stute, dann hofft Werth auf einen Einsatz in Aachen. Der ein Jahr jüngere Emilio, der eine weitere Alternative für Rio wäre, nachdem Bella Rose und Don Johnson verletzungsbedingt ausfallen, könnte hingegen noch einen weiteren Turniereinsatz bekommen, eventuell in Wattens. “Er hat ja noch nicht so die Turniererfahrung”, so Werth über ihren zweiten Rio-Kandidaten. Dass sie nach den Ausfällen noch über zwei weitere Pferde verfügt, die 80 Prozent und mehr gehen können, stimmt die Reiterin ziemlich glücklich: “Es macht riesig Spaß, die beiden weiterzuentwickeln. Wer am Ende die Nummer eins ist, werden die beiden schon selbst zeigen.”

Isabell Werth

Isabell Werth

Der Unterschied zwischen den beiden Pferden, kann Isabell Werth schnell benennen: die Abgeklärtheit. Während Weihegold schon alles unglaublich konzentriert und technisch ausgereicht absolviert, ist Emilio eher der Typ, der noch alles wahrnimmt auf einem Turnier. “Dann geht sein Temperament manchmal mit ihm durch”, lacht die amtierende Mannschaftsweltmeisterin. “Aber er will keine Fehler machen. Wenn er einen macht, ist er meist aufgeregter als ich es bin.” Allerdings, so Werth weiter, hätten beide Pferde keine Schwächen. “Ich warte jetzt in Ruhe die Entwicklung der beiden ab. Ich habe keine Notwendigkeit, das jetzt zu entscheiden. Dass sich beide so schnell ihren Aufgaben gewidmet haben, war so nicht zu erwarten. Es ist fast so als würden sie sagen: Lass die beiden doch zu Hause, wir machen das schon.”

Dennoch, das gab Werth auch in Wiesbaden zu, sei sie zunächst in einem Loch gewesen, als klar wurde, dass Bella Rose und Don Johnson für Rio ausfallen. “Jeder weiß, dass ich zu Bella eine ganz besondere Beziehung habe und ich wollte jetzt eigentlich euphorisch mit ihr durchstarten. Als sich die Situation so offenbart hat, war das schon schwierig zunächst. Aber ich habe sowas nicht zum ersten Mal erlebt. Nach gefühlten 100 Jahren im Sport kenne ich das alles.”

Fotos: Karl-Heinz Frieler