Julia Krajewski, Sandra Auffarth, Michael Jung, Ingrid Klimke

Versöhnliches Ende: Deutschland gewinnt Silber hinter Australien

Was war es für ein Auf und Ab in der Teamentscheidung der Vielseitigkeit in Rio. Knapp zwölf Punkte hinter der Bronzemedaille lag das deutsche Team vor dem abschließenden Springen und damit war klar: Man müsste auf die Fehler der anderen hoffen. Und so kam es dann auch. Während sich die Deutschen ihrer Stärke im Springen bewusst waren und alle drei Teamreiter fehlerfrei ins Ziel kamen, wackelte die Konkurrenz. Australien, die als Führende aus dem Gelände kamen – allerdings nur mit drei Reitern – mussten mit Stuart Tinney und Pluto Mio mit 17 Strafpunkten den ersten Rückschlag in Kauf nehmen. Sam Griffiths und Paulank Brockagh hielten die Aussies dann zwar in der Spur mit einer fehlerfreien Runde und dann war Zittern angesagt mit dem im Einzel Führenden Chris Burton mit Santano II. Zu dem Zeitpunkt hatten die Deutschen bereits Bronze in der Tasche. Würde er zwei Fehler machen, wäre es noch Silber für das Team von Hans Melzer. Und genau diese zwei Abwürfe passierten Chris Burton. “Manchmal macht man alles richtig”, so der Australier, der vor dem Einzelspringen noch auf dem Bronzerang liegt, “und doch passieren Fehler. Aber ich bin nicht enttäuscht. Das ist der erste große Vier-Sterne-Wettkampf für dieses Pferd. Natürlich hatten wir einen großen Druck als Schlussreiter. Nun werde ich meinen Job noch mal machen und gucken, was passiert.”

Zurück mit der Mannschaft fielen auch die Neuseeländer. Sie waren als Zweite in die Mannschaftsentscheidung gestartet (ebenso mit drei Reitern), mussten die acht Punkte von Jonelle Price mit Faerie Dianimo und unglaubliche 16 Strafpunkte von Mark Todd mit Leonidas hinzuaddieren. Einzig Clarke Johnstone und Balmoral Sensation blieben für die Mannschaft noch fehlerfrei. Dennoch nur Platz vier.

Von Platz drei hoch auf den Goldrang ging es für die Franzosen, die am Ende mit dem Streichergebnis von Mathie Lemoine und Bart L mit acht Punkten nur auf einen Zeitstrafpunkt kamen. Damit sind die Franzosen, die 2004 schon einmal ganz oben standen, die neuen Olympiasieger und haben die Deutschen nach London abgelöst.

Die Stimmung im deutschen Team war nach dem schlechten Geländetag jedoch entsprechend gelöst, nachdem man eigentlich nicht mehr so recht an eine Medaille geglaubt hatte. Bundestrainer Hans Melzer erzählte: “Unglaublich. Nachdem Michael null war, musste ich weggehen – ich konnte mir den Krimi nicht angucken, habe immer nur hinten ‘Ah’ und ‘Oh’ gehört – ich wollte auch keine Fehler runtergucken.”

Michael Jung, der nun im Einzel nach den Fehlern von Burton ganz vorne liegt, jedoch keinen Springfehler vor dem Franzosen Astier Nicolas mi Piaf de B’Neville, erzählte kurz vor dem Parcoursabgehen: “Im Moment bin ich noch sehr locker. Sam hat sich einfach gut angefühlt und dieser Erfolg jetzt beflügelt. Hoffen wir, dass jetzt noch mal alle unsere Pferde so springen wie eben.”

Foto: Stefan Lafrentz