MIMSafe NewEra System Table

Task Force Sicherheit: Deformierbare Tische und Ecken im Test

Im Zuge der 2014 eingerichteten Task Force Vielseitigkeit (siehe Bericht von gestern) bei der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) beschäftigte sich eine Arbeitsgruppe mit dem Geländeaufbau – auch, um eine internationale Vorreiterfunktion in Bezug auf flexible Hindernisse einzunehmen. Neben der Analyse von deformierbaren Hindernissen stehen in dieser Gruppe auch die Analyse relevanter Sturzformulare, die Videoanalyse von (Beinahe-)Stürzen der 4*-Prüfungen, von Fotostrecken und vom Anschlagen an Hindernissen auf dem Programm.

Aufgrund von Unfällen wurde in den letzten Jahren der Ruf nach “abwerfbaren” oder besser “deformierbaren” Hindernissen immer lauter – vor allem, um Rotationsstürze zu vermeiden. Dennoch, und davor warnte Rüdiger Schwarz, Mitglied im FEI Eventing Committee und internationaler Parcoursbauer: “Deformierbare Hindernisse sind nicht für alle Typen von Sprüngen sicher. Zum Beispiel geht ein Pferd bei einem Wassereinsprung mit einem festen Baum sicherlich respektvoller um und der Reiter fängt nicht an, nachlässig zu reiten. Bei anderen Hindernissen muss man aber darüber nachdenken, ob sie deformierbar nicht mehr Sicherheit bieten. Allerdings muss man immer aufpassen, dass man nicht neue Gefahren schafft.”

Folgende Punkte sollten Sicherheitshindernisse daher erfüllen:

  • Bei geschlossenen Hochweit-Kompaktsprüngen (z.B. Tische) einer bestimmten Tiefe muss ein Aufsetzen des Pferdes möglich sein.
  • Herunterfallende Teile dürfen sich nur wenig horizontal bewegen und müssen eng am Sprung nach unten fallen.
  • Fallende oder sich verschiebende Teile/Stangen dürfen nicht in die Flug- bzw. Landekurve des Pferdes geraten.
  • Die ursprüngliche Höhe des Hindernisses darf nicht wesentlich überschritten werden.
  • Das Auslösen sollte insbesondere in Hinderniskombinationen keine lauten Geräusche verursachen, um die Pferde nicht zu irritieren.
  • Müssen für alle Teilnehmer gleich aussehen und sich gleich verhalten.
  • Sollten schnell und unkompliziert wieder aufbaubar sein.
  • Sollten auch für Veranstalter kleinerer nationaler Prüfungen finanzierbar sein.

Bisher bekannte und getestete Sicherheitssysteme sind das Reverse und Frangible Pin-System, das seit ca. vier Jahren weltweit gebräuchlich ist. Nachteil an der Konstruktion mit Metall-Pin und Spannseil ist die relativ lange Rückbauzeit, die benötigt wird und zu längeren Unterbrechungen in der Prüfung führt. Ebenso bekannt ist das MIM-System, das vom Schweden Mats Björnetun entwickelt wurde und nach dem Prinzip eines aufklappbaren Schaniers funktioniert, das durch einen Spezialclip zusammengehalten wird. Diese Hindernisse sind beim Auslösen sehr schnell, in ca. zehn Sekunden, rückbaubar.

Mittlerweile wurden jedoch Lösungen für Kompaktsprünge entwickelt – zum einen das MIM NewEra System (von Björnetun), das für Tische und Ecken weiterentwickelt wurde. Noch ist dieses nicht FEI zertifiziert, hat aber gute Aussichten auf eine Zertifizierung.

MIMSafe NewEra System Table

MIMSafe NewEra System

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Rüdiger Schwarz und Hans Melzer demonstrieren das Auslösen des Tisches

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Der ausgelöste Tisch

Die Ecke mit MIM-System

Die Ecke mit MIM-System

Ein paar starke Hände werden benötigt, um die Ecke wieder aufzurichten

Ein paar starke Hände werden benötigt, um die Ecke wieder aufzurichten

Zum anderen wurde das “Warendorfer Sicherheitsmodell” entwickelt, von der FN gemeinsam mit den Bundestrainern und Ingenieuren. Hierbei handelt es sich noch um einen Prototypen in der Testphase. Die Funktionsweise bei dem Tisch basiert auf einem Rollensystem. Auf Druck bewegt sich die Tischplatte minimal (4-5 cm) vorwärts (der MIM-Tisch etwa 40 cm) und senkt sich dabei unmittelbar ab. Mit dem Rollensystem ist der Druckpunkt des Auslösens – im Gegensatz zum MIM-System – stufenlos einstellbar. Somit wäre auch ein Einsatz bei Ponyprüfungen möglich. “Außerdem können wir hiermit testen”, so Rüdiger Schwarz, “ob wir bei Tischen nicht vielleicht einen ganz anderen Druckpunkt benötigen als bei Baumstämmen.”

Warendorfer Sicherheitsmodell

Warendorfer Sicherheitsmodell

Das Rollensystem lässt sich beim ausgelösten Tisch gut erkennen

Wenn der Tisch ausgelöst ist, kann man das Rollensystem gut erkennen

Dass sich auch in dem Bereich der festen Hindernisse viele Gedanken gemacht werden, ist eine positive Entwicklung. Doch noch müssen viele Fragen geklärt werden, auch für den kurz vor der Zertifizierung stehenden MIM-Tisch und die MIM-Ecke: Reichen die Systeme beim Auslösen bis in die Landephase? Verschwinden die Tische und Ecken schnell genug unterm Pferd? Was passiert, wenn die Pferde aufspringen? Dass dies alles nicht so einfach zum Testen ist, liegt auf der Hand, doch die Vorreiterrolle der deutschen FN ist ein wichtiger Schritt.