Steve Guerdat & Corbinian

Steve Guerdat verteidigt Titel: “Ich kann es nicht glauben”

Am Anfang der Woche hatte Steve Guerdat gesagt, dass er mit vielen Fragen nach Göteborg gereist ist. Solche, ob der zehnjährige Cornet Obolensky-Sohn Corbinian ein solches Championat über vier Runden wird meistern können. Ob er dem Druck gewachsen ist, ob er es physisch und psychisch verkraftet. Antworten darauf hatte er nicht. Doch nun hat er sie. Mit Corbinian, der bislang noch nicht im Rampenlicht der großen Prüfungen stand, gelang ihm die Titelverteidigung von Las Vegas nun beim Longines FEI Weltcup-Finale in Göteborg. “Da ist wirklich sehr speziell für mich”, strahlte der Schweizer selig. “Ich kann es aber noch gar nicht glauben.” Was ihm wirklich ein großes Anliegen war, erklärte er anschließend: “Ich wollte besser als in Las Vegas reiten. Das war sehr wichtig für mich, denn die Bilder gingen mir immer wieder durch den Kopf. Das war mein Ziel für heute.” Unvergessen die Schlusslinie, auf der Guerdat unpassend zum letzten Hindernis kam und eine nicht ganz elegante Figur abgab.

Steve Guerdat

Steve Guerdat

Ein besonderes Programm hatte Guerdat mit dem Westfalen Wallach absolviert, ein Programm, das für Guerdat spricht und nicht viele andere Reiter so gehen würden, nachdem es oft nicht so perfekt zwischen den beiden lief, wie er sagte. Denn einmal sei Corbinian nicht so gut gewesen, dann wieder seien seine eigenen reiterlichen Fähigkeiten dem Pferd im Weg gewesen. Und deswegen ging der amtierende Olympiasieger kürzlich für drei Wochen nach Spanien zur Oliva Nova-Tour. “Dort spielte ich ein wenig mit ihm in kleineren Klassen rum, zwischen 1,30 m und 1,40 m. Ich habe versucht, dort ein wenig mein Reiten umzustellen. Dann bin ich nach Den Bosch und er fühlte sich drei Tage richtig gut an. Das gab mir das Selbstvertrauen, mit ihm nach Göteborg zu fahren.”

Platz zwei – aufgrund der besseren Zeit im zweiten Umlauf – holte der Niederländer Harrie Smolders mit dem Fuchshengst Emerald N.O.P. “Ich bin so begeistert”, erzählte Smolders. “Es war sein erstes Championat und überhaupt war die ganze Woche so gut, auch für den Sport. Hier hat einfach alles gestimmt.”

Dritter wurde der Deutsche Daniel Deußer mit Cornet d’Amour, mit gleicher Punktzahl wie Smolders, aber mit der langsameren zweiten Runde. “Ich hatte vom ersten Tag an ein super Gefühl”, so Deußer. “Am zweiten Tag hatte ich einen dummen Fehler, weshalb ich heute nur Dritter wurde. Aber was heißt: Nur Dritter? Ich bin sehr glücklich. Der Sport war anspruchsvoll und auf dem Abreiteplatz nach dem Abgehen der zweiten Runde sagte ich zu Steve, dass ich froh bin, wenn ich am Ende noch auf dem Podium stehe – und er sagte: Ich auch.”

Harrie Smolders, Steve Guerdat & Daniel Deußer

Harrie Smolders, Steve Guerdat & Daniel Deußer

Der deutsche Bundestrainer Otto Becker war nicht nur mit dem Abschneiden von Deußer zufrieden, sondern mit all seinen “Leuten”. Platz vier ging an Marcus Ehning, der mit Cornado im ersten Umlauf einen Fehler hatte und sonst einen Podestplatz erreicht hätte. Christian Ahlmann kämpfte sich nach zwei Fehlern in der ersten Wertung mit Taloubet Z noch auf Rang sechs vor, Marco Kutscher wurde mit der erst zehnjährigen Chaccorina v. Chacco-Blue Zwölfter, nachdem er eigentlich zunächst gar nicht mit ihr nach Göteborg reisen wollte, weil er dachte, sie sei noch nicht so weit, und Weltcup-Neuling Niklas Krieg behauptete sich mit Carella auf einem respektablen 24. Platz. “Wie die Pferde hier alle gesprungen sind, macht mich sehr zufrieden”, so Otto Becker.

Fotos: Karl-Heinz Frieler