Isabell Werth, Dorothee Schneider, Sönke Rothenberger, Tina Bröring-Sprehe

Souverän zu Gold: Deutsches Dressurteam ist Olympiasieger

Keine Medaille war für die deutschen Reiter so sicher wie die für die Dressurmannschaft – und doch mussten alle wachsam sein. Nach dem Grand Prix waren es dann doch nur zwei Prozent, die die Deutschen von den Briten trennten und so war klar, dass man sich nicht wirklich was würde erlauben können, sollte die Mannschaft aus Großbritannien Top-Leistungen abrufen. Doch die Deutschen hielten dem Druck stand. Mit 81,936 Prozent siegte Schwarz-Rot-Gold vor den Briten mit 78,595 Prozent, die ihre zweite olympische Medaille in der Dressur nach London gewannen. USA sicherte sich mit 76,667 Prozent Bronze.

Isabell Werth & Weihegold OLD

Isabell Werth & Weihegold OLD

Für Isabell Werth war es die sechste Goldmedaille (ihre erste gewann sie vor 20 Jahren in Atlanta) – womit sie nun die erfolgreichste Reiterin in der olympischen Geschichte ist. Doch darüber machte sie sich keine Gedanken: “Ich bin in erster Linie stolz darauf, wie meine Stute heute war, nicht, dass ich nun in der Statistik ganz oben stehe. Und ich bin stolz, mit diesem Team gewonnen zu haben. Ich kann mich an keine Mannschaft erinnern, die mit vier Pferden in der Lage ist, je 80 Prozent zu holen.” Dennoch war die Freude bei der deutschen Mannschaft ein wenig betrübt. Isabell Werth erzählte, dass sie gerade eben von dem Autounfall des Kanuslalom-Trainers Stefan Henze erfahren hätten, der lebensbedrohlich verletzt wurde. Stolz aber waren alle vier Teamreiter – keine Frage.

Sönke Rothenberger & Cosmo

Sönke Rothenberger & Cosmo

Streichergebnis bei den Deutschen war der Championatsdebütant Sönke Rothenberger, wobei 76,261 Prozent in jeder anderen Mannschaft willkommen gewesen wären. Trotz einigen Fehlern in der Galopptour überzeugte der 21-Jährige komplett bei seiner Olympiapremiere mit dem KWPN Wallach Cosmo v. Van Gogh. “Spätestens ab heute weiß die Welt, was für ein tolles Pferd Cosmo ist”, freute sich Rothenberger. “Ich hätte heute gerne ein Schippchen drauf gelegt, aber ich glaube, wir haben gezeigt, dass wir es verdient haben, hier zu sein. Wie er abgehoben ist am Anfang…” Auch Sönke Rothenberger hatte Grund zur Sorge: Sein Pfleger wurde beim Reinführen in die Siegerehrung von Cosmo am Kopf getroffen. Doch der Reiter gab kurze Zeit später bereits erste Entwarnung: “Robby ist im Krankenhaus zum Check, aber es sieht wohl alles gut aus.”

Dorothee Schneider & Showtime

Dorothee Schneider & Showtime

Zweite deutsche Starterin im Special war Dorothee Schneider mit dem Hannoveraner Wallach Showtime v. Sandro Hit. Die beiden zeigten einen Special vom Allerfeinsten und ließen nur Punkte in der zweiten Pirouette liegen – mit 82,619 Prozent wuchsen sie über sich hinaus und belegten in der Prüfung den dritten Platz. Der Reiterin standen die Tränen in den Augen: “Es ist ganz toll, was das Pferd hier mit mir zusammen geleistet hat. Grandios.” Der Druck allerdings sei immens gewesen, gab sie zu: “Wer keinen Druck bei dieser Entscheidung für die Mannschaft empfindet, der lügt.” Draußen sei Showtime – wie schon im Grand Prix – nicht abgelenkt gewesen, und sei dann auch im Viereck völlig bei ihr gewesen. “Wenn so viel Talent des Pferdes zusammen kommt und vielleicht noch gutes Reiten und dann sowas dabei raus kommt in so einer schweren Prüfung”, so Schneider, “dann ergreift mich das auch. Wenn das nicht so wäre, wäre ich nicht ich.”

Als Showtime in der Pirouette stockte, “hatte ich kurz Adrenalin”, schmunzelte Schneider, “aber ansonsten war das ein wahnsinniges Feeling, vor allem auf der Schlusslinie.” Dass die Reiterin nun um eine Einzelmedaille mitreiten kann, macht sie selbst sprachlos: “Ich wusste, dass das Pferd toll ist, wir haben so eine Symbiose, aber dass er sich jetzt noch mal im Special steigert… Ich wollte mich eigentlich nur für die Kür qualifizieren. Nun lassen wir die Kür entspannt auf uns zukommen. Ich freue mich darauf. Sie liegt ihm.”

Kristina Bröring-Sprehe & Desperados

Kristina Bröring-Sprehe & Desperados

Tina Bröring-Sprehe und der Hannoveraner Hengst Desperados v. De Niro mit 81,401 Prozent auf dem vierten Rang im Special. Keine Fehler hatten die beiden, aber es mangelte etwas an der letzten Durchlässigkeit, wie die Reiterin selbst anmerkte. “Er hatte so viel Fahrt drauf, da war die Rückführung etwas schwierig. Er hat sich hochgeschaukelt.” Woran das gelegen hatte, wusste Bröring-Sprehe selbst nicht so richtig. Auch sie hatte allerdings Druck verspürt: “Wenn man so dicht an Gold dran ist, will man nicht versagen.” Ihre Ausrichtung für die Kür am Montag ist klar: “Ich will mich verbessern!”

Als deutsche Schlussreiterin war Isabell Werth mit Weihegold OLD dran. Die Oldenburger Don Schufro-Tochter lieferte eine perfekte Vorstellung ab und wurde mit 83,711 Prozent an die Spitze der Prüfung gesetzt. Charlotte Dujardin und Valegro, die einen Aussetzer in der Trabtraversale hatten und Fehler in den Zweierwechseln, wurden trotz der groben Schnitzer mit 83,025 Prozent noch knapp geschlagene Zweite. Dujardins Trainer Carl Hester merkte scherzend, was morgen nun ansteht vor der Kür: “Wir bringen Charlotte zu dem Christus, dort sollen ihr die Sünden vergeben werden.” Werth hingegen ist sich jetzt schon sicher: “Ich glaube nicht, dass die beiden am Montag Fehler machen. Aber wir sind alle so dicht zusammen – das wird richtig spannend. Wenn Weihegold noch mal in der gleichen Klasse wie heute geht, ist es fast nicht auszudenken, was passiert.”

Fotos: Stefan Lafrentz