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Só Alegria: Von Ottos Einkleidungstipps, Pizza für 18 Euro und besondere Helden

Ja, jetzt hat es mich auch etwas erwischt. Erst Halsschmerzen, dann ein wenig Schnupfen – und dazwischen leichte Übelkeit. Aber zum Glück dürfen wir uns der Schatzkiste des deutschen Mannschaftsarztes Dr. Manni Giensch bedienen, der schon so das ein oder andere Wehwehchen von uns deutschen Journalisten versorgt hat. Da sind wir wirklich bestens aufgehoben.

Gestern war schon ein besonderer Tag mit der Gold-Medaille unserer Dressurreiter. Ein Ritt schöner als der andere. Klar, dass wir wieder die Reise nach Barra ins Deutsche Haus angetreten haben. Nach einer gefühlten Ewigkeit (freitagsabends um acht ist offensichtlich ganz Rio auf den Straßen unterwegs) haben wir es dann gerade noch rechtzeitig zu dem Auftritt unserer Mannschaft geschafft, wobei das große Nebelspektakel ausblieb. Dafür gab es ein Pool-Spektakel, während die vier von Monica Theodorescu gerade auf der Bühne Rede und Antwort standen. Platsch machte es (es geht aber auch eng zu zwischen der Bühne und den gewissen Versorgungsständen). Der dritte Pool-“Unfall” an diesem Tag, hieß es. Doch dann drang durch, wen es diesmal erwischt hatte: Michael Vesper, den DOSB-Chef. Isabell Werth konnte nicht mehr vor lachen. Statt Interview (sie brachte es vor Lachkrämpfen nicht mehr fertig, einen Satz zu Ende zu sprechen) ging man dann schnell zu den Fotos und dann ins Feiern über. Hatten ja auch alle genug gesagt.

Sönke Rothenberger & Robbie Sandersen

Sönke Rothenberger & Robbie Sandersen

Einer, der an diesem Tag auch zum Helden wurde, war Robbie Sanderson. Der Pfleger von Sönke Rothenbergers Pferd Cosmo wurde übelst vom Pferd während der Siegerehrung erwischt, kam doch aber – was ein Glück – nur mit einem Cut am Kopf davon. Am Abend war er dann schon wieder mit im Deutschen Haus und freute sich über Gold und über sein Leben.

Und noch einen stillen Helden gab es: Nico. Nico aus München ist nämlich mit seinem Bruder Julian mit dem Rad nach Rio gekommen. 28.454 Kilometer sind die beiden geradelt. Seit dem 1. Mai 2015. Irre. Da staunte auch Tina Bröring-Sprehes Ehemann Christian nicht schlecht, der vor vier Jahren mit dem Rad nach London zu den Olympischen Spielen aufgebrochen war. Nico und Julian hätten für ihre Leistung auch einen Orden verdient.

Christian Bröring, Markus Hinzke und der Kumpel seines Patenkindes, Nico (der mit dem Rad nach Rio kam)

Christian Bröring, Markus Hinzke und der Kumpel seines Patenkindes, Nico (der mit dem Rad nach Rio gefahren kam)

Die Springreiter sind gestern – wie berichtet – alle frohen Mutes. Wer mal drauf geachtet hat: Sie tauchen nach wie vor alle im Einheitslook auf. Erst hatten sich die Reiter selbst abgesprochen, mittlerweile hat aber Otto Becker das Zepter in die Hand genommen. Der stets so adrett gekleidete Bundescoach (schon manchmal hätten wir ihn zum best dressed man ausgezeichnet – hier allerdings muss er auch die sportlichen Trainingslooks tragen) schickt jeden Morgen ein Foto an seine Truppe mit der Ankleidungsinstruktion. Wenn Otto Lust auf gelb hat, wird das gelbe Shirt angezogen, ansonsten eben grün oder weiß.

Vorgestern haben wir übrigens gedacht, bestellen wir uns mal eine Pizza. Wir hatten keine Lust auf unser Kasernenessen, das mit umgerechnet 15 Euro auch auf Dauer auf die Geldbörse drückt. Pizza bestellen in Rio – da sollten wir günstiger wegkommen und außerdem mal ein anderer Geschmack. Der Volunteer von der Rezeption half uns geduldig bei der Auswahl, erklärte uns jede Geschmacksrichtung, vermittelte am Telefon und klärte ab, dass wenn das Pizza-Taxi da sei, dieser bei uns anrufen würde und nur “Pizza” sagen würde – dann wüssten wir Bescheid, dass wir runter kommen können. An dem Punkt des Gesprächs, wo es darum ging, ob wir Bar oder mit Karte bezahlen wollen, guckten wir uns dann aber doch etwas ungläubig an. 236 Real für vier Pizzen? Das sind umgerechnet ungefähr 18 Euro pro Pizza. Das war ja ein Schnäppchen. Aber ok, geschmeckt hat sie. Und man hätte sie mit zwei Personen essen können.

Mal sehen, was wir heute so für “Schnäppchen” machen an unserem freien Tag. Es geht zu Christo und Co. Só Alegria!