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Só Alegria: Von morgendlichen Appellen, Schüssen und überfluteten Toiletten

Jetzt – ein paar Tage in Rio in unseren Appartements – hat nun jeder das Know-How, wie man einen Boiler bedient (wer weiß, wozu man das noch mal braucht). Das Warm-Wasser läuft. So manch einer hat sich schon fast unter der Dusche verbrüht. Allerdings gibt es auch eine neue Erkenntnis: Paralleles Duschen innerhalb eines Appartements ist nicht möglich. Die Erfahrung machte ich heute morgen, als ich mich fragte, warum nun das Wasser aus der Dusche nur tröpfelnd kam. Da meine Zimmernachbarn aber offensichtlich schon am Haare auswaschen waren, konnte ich dann auch bald loslegen.

Eins sollte man hier im Deodoro Media Village in jedem Fall haben: einen von Natur aus tiefen Schlaf. Denn sonst wird man von allerhand geweckt. Ein Kollege konnte fast die ganze Nacht nicht zur Ruhe kommen, weil die Zimmernachbarin die Klimaanlage an hatte, die so aktiv ist, dass sie sogar sein Bett vibrieren ließ. Während mein Zimmer direkt zur unter mir liegenden Bar (ok, es sind nur ein paar Stühle und ein Getränkeausschank) ausgerichtet ist, habe ich das Vergnügen, die Gespräche der Bar-Besucher mitverfolgen zu können. Zunächst dachte ich, ich müsste vielleicht mein Fenster schließen – doch das war bereits zu. Wiederum andere haben ihr Zimmer zur Straße ausgerichtet, in der die Busse parken. Und die lassen gerne permanent den Motor laufen. Wir im ersten Häuserblock dürfen auch noch den morgendlichen Appell der Soldaten miterleben. Der geht um halb sechs Uhr morgens los. Dann wird sich versammelt und laut “Braaaasil” geschrien. Gut, wenn man ein Frühaufsteher ist…

Die Soldaten begleiten uns auch im Pressezentrum immer wieder mit Geräuschen. Seit zwei Tagen hören wir immer mal wieder Maschinengewehrschüsse. Unsere Hoffnung: Hier wird bloß geübt. Als ich allerdings gestern Abend gegen neun erneut Schüsse, vielleicht fünf an der Zahl, in meinem Zimmer mitbekam, fragte ich mich: Was für eine Übung kann das wohl sein? Aber wir bleiben weiterhin entspannt.

Weniger entspannt waren wir gestern Abend, als wir mit Taxis einen Supermarkt angesteuert haben. Google Maps hatte 2,9 km ausgegeben, die Fahrt nahm aber kein Ende. Die Taxifahrer sprechen natürlich kein Englisch. Und dann lag der Supermarkt auch in keiner allzu vertrauenserweckenden Gegend. Als wir aber von Einheimischen Tipps bekamen, welche Mango besonders gut ist und welche nicht (mit Händen und Füßen wurde uns das erklärt), war die Angst schnell verflogen. Für die nächsten zwei Wochen haben wir uns mit Obst, Zucker und Brainfood wie Nüssen eingedeckt und all diesen Dingen, die man sonst in unserem spärlich ausgestatteten Laden im Village nicht bekommt und die wichtig sind, um bei Laune zu bleiben.

Reichlich Obst im Supermarkt

Reichlich Obst im Supermarkt

Allerdings – noch wissen wir nicht, nach welchem Schema hier vorgegangen wird – mussten schon manche ihre Einkäufe an der Kontrolle vor dem Stadionbereich zurück lassen. Während ich mit meinen Bananen passieren durfte, musste die österreichische Kollegin ihre Papaya abgeben. Wenn sie den Kontrolleur richtig verstanden hat, dann darf nur original verpackte Ware mit in den Olympiabereich.

Unser Frühstück

Unser Frühstück

Und das Abendessen für 15 Euro

Und das Abendessen für 15 Euro

 

 

 

 

 

 

Das Essen ist hier ohnehin so ein Thema. Das Frühstück – spärlich – aber immerhin in den 250 Dollar pro Nacht inklusive. Für das Abendessen im Village müssen wir zahlen, das kostet umgerechnet 15 Euro und sieht alles andere als appetitlich aus. Schmecken tut es aber immerhin, ausnahmslos. Kann man sich bei dem Anblick zwar kaum vorstellen, ist aber so. Und was anderes bleibt uns auch nicht übrig: Es gibt keine Alternativen. Keine Restaurants, kein nichts.

Ebenso wenig begeistert uns der Anblick unserer Toiletten im Pressezentrum (jaja, da ist wieder das Toilettenthema, das hatten wir ja schon mal in der Normandie). Ein kleiner Toilettenwagen steht in unmittelbarer Nähe, allerdings ist es dort drin genauso eng wie der Wagen von außen aussieht. Noch habe ich keinen Trick gefunden (versuche aber auch, mit einmal pro Tag auszukommen), wie man wieder gescheit heraus kommt. Irgendwie ist immer die Schüssel oder die Tür im Weg. Die Tür übrigens lässt sich nicht verschließen. Es gibt zwar einen Schieberegler, aber keinen Schlitz an der rechten Seite dafür. Und natürlich fällt die Tür immer herein, sodass man irgendwie versuchen muss, diese während der Toilettenutzung zuzuhalten. Und dann hatten wir am zweiten Tag auch noch das Problem, dass die Toiletten unter Wasser standen. Mit jeder Spülung lief unten Wasser heraus. Auch verwunderlich: Toilettenpapier zieht man draußen auf dem Gang – und muss das dann mitnehmen. Scheint, eine Never Ending Story zu sein…

Überflutete Toiletten

Überflutete Toiletten

Das Toilettenpapier am Gang

Das Toilettenpapier am Gang

 

Ansonsten schwitzen wir mittlerweile ganz schön. Die Temperaturen steigen derzeit auf über 30 Grad, gefühlt sind wir weit drüber, die Sonne brennt extrem und Sonnenbrand ist vorprogrammiert. Dafür allerdings sind die Klimaanlagen im Bus auf so kalt gestellt, dass man – wenn man wie vorgestern im Stau steht – eine Daunenjacke und Handschuhe bräuchte.

Nun aber geht es raus in die Sonne. Die Vielseitigkeitsdressur hat begonnen. Los geht’s!