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Só Alegria: Schwein gehabt

Nach fast 15 Stunden Flug mit einmal umsteigen in Lissabon und Ankunft in Rio de Janeiro um fünf Uhr morgens bei ungefähr zwei Stunden Schlaf und einem sich anschließenden nervenaufreibenden Organisationstag (Zimmer, Internet – dafür zahlt man hier, wenn man ein sicheres, schnelles Internet möchte 175 Dollar, erstes Orientieren in Richtung Sportstätten etc.) kann ich nun nach einmaligem Schlafen die ersten Eindrücke wiedergeben.

Doch von Anfang an: Der Flug bereitete keine Probleme. Besonders nett – es waren unglaublich viele Sportler, vor allem aus den Ostländern, mit dabei und man kam (sonst sind wir ja doch auch eher für uns beim Reitsport) mal dazu, wovon die Reiter immer aus dem Olympischen Dorf berichten: Man überlegte anhand der Staturen der Sportler, ob man einen Ringer hinter sich sitzen hat oder grad ein Basketballer den Weg kreuzt. In Rio gelandet – ziemlich müde natürlich – hieß es dann ‘Anstehen’. Früh morgens schienen die ganzen Transatlantikflüge gleichzeitig anzukommen und so durfte man sich nach dem langen Sitzen ganz besonders lange die Beine vertreten. An der Akkreditierung im Flughafen ging es dann etwas schneller. Dann das erste Chaos beim Transport zu unserem Hotel (wenn man es so nennen möchte): Ein Kuddelmuddel und Durcheinander von zig akkreditierten Personen, die sich auf einem engen Wartestreifen umeinander schoben und verzweifelten nach dem richtigen Bus Ausschau hielten (Auskunft konnte einem keiner so richtig geben), und Busse, die beim Einparken nicht so richtig Rücksicht nahmen auf die Personen, die am Rand standen. Aber: Richtig lange mussten wir nicht warten und waren dann bald auf der Olympic Lane unterwegs, die einem ein staufreies Fahren ermöglichte. Einzig: Wegen eines Schweins mussten wir einmal eine Vollbremsung machten. Das marschierte fröhlich vor uns her und kreuzte dann irgendwann gemütlich die Straße.

Ein Schwein kreuzte den Weg

Ein Schwein kreuzte den Weg

Angekommen in unserer Unterkunft mussten wir erstmal feststellen, dass die Rezeption in einem Zelt untergebracht ist, ebenso der Frühstücksraum, der einer schlechten Kantine gleicht. Aber ok, wir waren nicht so blauäugig, zu glauben, dass wir in Rio deutschen Standard vorfinden. Ohnehin war uns auch vorher klar, dass wir in kein echtes Hotel ziehen, sondern in Räumlichkeiten, die für die Pan-Amerikanischen Spiele gebaut wurden und sonst wohl leer stehen. Die Mädels von der Rezeption waren alle sehr freundlich und jeder wurde persönlich zusammen mit einem Koffer-Boy zu seinem Appartement gebracht. Da allerdings gab es die erste böse Überraschung: Mir wurde gesagt, ich möge meinen Koffer doch erstmal im Aufenthaltsraum stehen lassen (wir wussten, dass ein Appartement aus drei Schlafzimmern besteht und sich die jeweils eine Küche und einen Aufenthaltsraum teilen), weil meine Zimmernachbarin eventuell noch schlafen würde. Was? Eine Zimmernachbarin? Davon wusste ich nichts. Zumal 250 Dollar pro Nacht ein Einzelzimmer doch mehr als rechtfertigen sollten! Doch das vermeintlich kleine Probleme gestaltete sich als ein großes. Man sagte mir, es könnte nun Stunden dauern. Die Fotografen allerdings hatten ein anderes Problem: Kein Wasser im Appartement! Eine Toilettenspülung, dann war Schluss. Von anderen hörte man: nur kaltes Wasser! Das bestätigten unterdessen alle, doch mittlerweile wissen wir: Entweder ist der Boiler falsch eingestellt oder das Gaskabel gar nicht mit diesem verbunden. Also das Problem sollte heute Abend gelöst sein. Die Fotografen wurden inzwischen erfinderisch: Sie haben den Wasserkocher in Betrieb genommen und mischen das eisige Duschwasser mit dem heiß gekochten Wasser. Geschickt!

Ohne Zimmer machte ich mich dann erstmal auf den Weg zum Main Press Centre, das ist das große Pressezentrum, in dem hunderte von Journalisten arbeiten, die nicht nur eine Sportart begleiten. Die Anmeldung für das Internet und das Informationssystem ging zügig voran, aber dann wurden auch hier die ersten Probleme deutlich, die andere noch mehr betreffen werden in den nächsten Tagen als uns: Im Restaurant gibt es viel zu wenige Kassen. Wir mussten bei quasi keinem Betrieb schon lange warten. Ebenso gibt es nur einen Geldautomaten und wer etwas Real ziehen wollte, brauchte sicherlich eine Stunde. Wie gut, dass man eigentlich kein Geld in Rio bei sich tragen soll.

Beim Weg vom Main Press Centre zum Equestrian Centre hieß es dann wieder Warten. Der Busfahrer, der da stand und uns nach Deodoro zum Stadion fahren sollte, deutete an, dass er jetzt erstmal eine Schleife fährt. Dass er dann gar nicht wieder kommen würde, wussten wir zu dem Zeitpunkt nicht. Eine Stunde später also sollte der nächste da sein, der aber – nachdem er die ankommenden Personen rausgelassen hatte – auch sofort wieder die Türen schloss. Auf heftigen Protest unsererseits bei einem Volunteer, klärte der die Angelegenheit, doch unser Busfahrer war wohl nicht so begeistert, uns fahren zu müssen (der Fahrplan steht aber eigentlich fest). Er hatte wohl mit einem Päuschen gerechnet.

Das Stadion

Das Stadion

Bei der Inspektion des Stadions waren wir dann allerdings begeistert: Das macht einen guten Eindruck und auch in der Pressestelle klappte alles mit Internet und Co. Allerdings wurden wir darauf hingewiesen, über Nacht nichts in den Schließfächern zu lassen: Es gäbe hier kein Sicherheitspersonal. Ja, die Diebstahlwarnungen begegnen uns überall und ob wir überhaupt etwas in unseren Zimmern lassen können, wissen wir bis dato auch nicht. Ansonsten aber fühlen wir uns auf dem Militärgelände wirklich sicher. Von den 60.000 hier stationierten Soldaten steht die Hälfte – so der Eindruck – auf der Straße, die meisten mit Gewehren. Das ist zwar auch ein beklemmendes Gefühl, aber lässt zumindest keine Terror-Angst aufkommen.

So werden wir hier überall "bewacht"

So werden wir hier überall “bewacht”

Am späten Nachmittag zurück bekam ich dann eine positive Nachricht: Ich habe ein eigenes Zimmer. Zusammen teile ich mir das Appartement nun mit schwedischen Kollegen. Nach dem ersten Niederlassen und Auspacken allerdings erkannte ich mein nächstes Problem: Kein Bad auf dem Zimmer. Ok, damit kann man sich arrangieren, aber als ich sah, dass das Bad gegenüber von meinem Zimmer bereits von den Kollegen belegt war und ich meins über den Gang um die Ecke fand, war der Schreck doch etwas groß: miniklein, keine Ablagemöglichkeit, dreckig. Ich überlegte schon, wieviele Wege ich dann wohl täglich brauche, um alles wie Zahnbürste und Co mit mir zu schleppen und wieder zurück zu bringen… Dann allerdings klopfte es an meine Tür: Die letzten Zimmernachbarn kamen an und die schwedische Kollegin meinte, wir müssten Zimmer tauschen. Bitte was? Ich hatte gerade meine Koffer komplett ausgeräumt und alles verstaut und wollte eigentlich nur noch schlafen. Ja, sie würde sich das Zimmer teilen und bei mir gäbe es zwei Einzelbetten, in dem anderen Zimmer nur ein großes. Genervt und platt machte ich mich auf den Weg, das andere Zimmer zu inspizieren, doch mit dem Blick in dieses war mein Tag gerettet: ein wesentlich größeres Zimmer, ein großes Bett und das beste – das einzige Zimmer im Appartement mit eigenem Bad, zumal einem in der in der Größe und Ausstattung dessen, was mir schon vor der Nase weggenommen war. Schwein gehabt!