Marcus Ehning & Pret A Tout

Otto Becker: “Wir werden weiter kämpfen” – Schweden in Doppelführung

Göteborg jubelt: Nicht nur, dass der Olympiazweite Peder Fredricson mit H&M All In v. Kashmir van Schuttershof-Andiamo Z seine Führung bei der Europameisterschaft in Göteborg in der Einzelwertung behält – nein, nun führt auch das schwedische Team. Mit 8,21 Punkten liegen die Gastgeber auf Goldkurs vor der bis dato führenden Schweiz mit 11,15 Punkten. Platz drei teilen sich aktuell die Belgier und Iren mit jeweils 12,11 Punkten.

In der Einzelwertung hat sich auf den Treppchenplätzen nichts getan: Auf Fredericson folgt Marcus Ehning mit seinem 14-jährigen Selle Francais Wallach Pret A Tout v. Hiram Chambertin-Stew Boy und die Portugiesin Luciana Diniz mit Fit for Fun v. For Pleasure-Fabriano.

Für die deutsche Mannschaft startete an diesem Tag Marcus Ehning als Erster. Er sollte Ruhe in das Team bringen mit einer Nullrunde und erfüllte seine Aufgabe. “Pret A Tout war heute noch entspannter”, berichtete der Älteste in der Equipe. “Vielleicht bin ich im Nachhinein noch etwas zu schnell geritten.” Dass er selbst als Erster ran musste, empfand Ehning nicht als Nachteil: “Ich bin schon zehn Jahre Erster oder Letzter – außerdem konnte ich mir 30 Pferde heute anschauen.” Den Kurs beschrieb Marcus Ehning als sehr fair, doch man müsste dennoch sehr exakt reiten und den Rhythmus finden. “Aber der Kurs lässt einem viele Möglichkeiten, man kann sich seinem Pferd an passen und ist flexibel”, so das Lob an den Parcoursbauer.

Laura Klaphake & Catch Me If You Can

Laura Klaphake & Catch Me If You Can

Noch strahlender als am Vortag kam Laura Klaphake aus dem Parcours. Sie konnte diesmal mit der neunjährigen Oldenburger Stute Catch Me If You Can eine Nullrunde reiten. “Ich hatte so ein tolles Gefühl”, freute sich die 23-Jährige. “Das hatte ich gestern auch schon, aber da habe ich geträumt. Heute habe ich es versucht, besser zu machen und das hat geklappt. ich hatte mir vorher Marcus’ Runde angesehen. Das sah ja aus wie ein E-Springen und war Motivation und Kick für mich. Ich dachte: So willst du das jetzt auch machen. Ich habe den Parcours wirklich sehr genossen – er war sehr schnell zu Ende.”

Maurice Tebbel & Chacco's Son

Maurice Tebbel & Chacco’s Son

Betrübt hingegen kam Maurice Tebbel in die Mixed Zone. Der Emsbürener und der zehnjährige Westfalen Hengst Chacco’s Son v. Chacco-Blue-Lancer III hatten drei Fehler. Der erste passierte am Oxer nach dem Wasser. Zu viel Druck machte Tebbel diesmal am Wasser, wollte in jedem Fall vermeiden, wie am Vortag dort wieder einen Fehler zu haben und kam dann mit zu viel Schwung an den Oxer. Eine weitere Stange viel am Aussprung der Dreifachen und auch am vorletzten Sprung. “So enttäuscht war ich selten”, ließ Tebbel den Kopf hängen. “Ich weiß nicht, ob er mit dem Boden nicht so recht klar kommt. Draußen war er echt locker. Ich hoffe, dass ich morgen wenigstens noch irgendwas für die Mannschaft beitragen kann.”

Philipp Weishaupt & LB Convall

Philipp Weishaupt & LB Convall

Auch Philipp Weishaupt konnte nicht wirklich zufrieden sein. Mit Chancen auf eine Einzelmedaille musste er sich von dieser Vorstellung nach einem Fehler am Einsprung der Zweifachen kurz vor Ende wohl verabschieden. Der zehnjährige Holsteiner Schimmelhengst LB Convall v. Colman-Cascavelle sprang vom Feinsten, es war ein Flüchtigkeitsfehler, jedoch ein teurer. “Ich kann mir keinen Vorwurf machen”, so Weishaupt. “Ich glaube, er hatte auch noch nie mit der Hinterhand am Oxer einen Fehler – das ist Premiere. Dabei hätten wir die Nullrunde echt gebraucht. Ich hoffe, dass wir es morgen besser machen. Auch Ludger, der ja sonst sehr kritisch ist, weiß nicht, woran es lag.”

Der deutsche Bundestrainer Otto Becker zog sein Fazit des Tages zum sechsten Platz mit nur drei Punkten Rückstand auf die Bronzemedaille: “Es fing super an. Marcus sollte heute als Erster Ruhe reinbringen. Laura hat auf gestern eine gute Reaktion gezeigt. Bei Maurice war es so, dass er am Wasser angreifen wollte und dann fehlte ihm vielleicht die Konzentration im Parcours. Aber Kritik wäre hier nicht angebracht. Wir werden ihn jetzt unterstützen, das abzuhaken. Ihm kommt vielleicht morgen entgegen, dass es keinen Wassergraben zu springen gibt und dann zeigt er das auch. Und bei Philipp der Fehler war sehr unglücklich. Er hatte sich kurz vorher auch noch ein Eisen abgezogen, kam aber gerade noch rechtzeitig rein. Mit dem Ergebnis insgesamt von vier Punkten heute bin ich zufrieden. Die Mannschaft hat sich gut präsentiert. Es ist ohnehin ein Erlebnis mit dieser Mannschaft, hier am Start zu sein. Es macht richtig Spaß mit dieser super Truppe.”

Fotos: Stefan Lafrentz