Hans-Peter Minderhoud & Glock's Flirt

Nutzt Hans-Peter Minderhoud seine Chance in Göteborg?

Der Niederländer Hans-Peter Minderhoud war schon Teilnehmer bei fünf Weltcup-Finals. Nun, beim Reem Acra FEI Weltcup-Finale in Göteborg könnte seine große Stunde schlagen. Nicht nur – aber doch auch durch die Absage von Isabell Werth, Edward Gal und Charlotte Dujardin – gehört er zu den Mitfavoriten im Scandinavium in Göteborg. Im Grand Prix zeigte er, dass er die Form von ‘s-Hertogenbosch, wo er mit dem 15-jährigen Schweizer Wallach Glock’s Flirt die Qualifikation gewinnen konnte, noch immer hält. Mit 76,871 Prozent gewann er den Grand Prix knapp vor dem schwedischen Duo aus Tinne Vilhelmson-Silfven mit Don Auriello (76,500 Prozent) und Patrik Kittel mit dem mittlerweile 17-jährigen Watermill Scandic (76,400 Prozent).

Hans-Peter Minderhoud erklärte seine Ambitionen für Sonntag: “Wenn ich eine Chance habe, dann hier. Flirt war super konzentriert und ich konnte ihn so reiten, wie ich ihn reiten wollte. Ich werde es auf jeden Fall versuchen. Er weiß, was er zu tun hat.” Und weil der Florestan I-Sohn auch nicht guckig ist, spielt die häufig Probleme bereitende Halle für ihn keine Rolle: “Wenn man drinnen ist, fühlt sie sich klein an, obwohl sie groß ist. Aber für Flirt ist es kein Problem. Wobei der Unterschied von der sehr kalten Abreitehalle in die warme Arena schon gewaltig ist. Er dachte sich wohl kurz: Wo bin ich jetzt?”

1529 Frie Pokal -Dressurweltcup

Schon sehr früh an den Start in der ersten Gruppe musste Tinne Vilhelmson Silfvén gehen. Doch die frühe Position war kein Nachteil. Nur knapp landete sie hinter Minderhoud und ohne die Fehler auf der ersten Mittellinie hätte sie auch den Sieg haben können. “Ich habe nicht so begonnen, wie ich wollte”, machte die Schwedin deutlich. “Er stand nicht still und dann ist er mir auch davon galoppiert. Ich war kurz etwas nervös. Aber dann sind wir doch in die Prüfung gekommen.”

Sehr zufrieden nach seinem Grand Prix war Patrik Kittel: “Scandic ist wirklich in einer super Form. Er ist jetzt wie ein Professor und weiß genau, wann was kommt. Das ist ein unglaublich tolles Gefühl.”

Jessica von Bredow-Werndl & Unee BB

Jessica von Bredow-Werndl & Unee BB

Zu den Mit-Favoriten am Sonntag gehört auch die Deutsche Jessica von Bredow-Werndl mit dem 15-jährigen KWPN Hengst Unee BB v. Gribaldi. Mit 75,257 Prozent wurde sie Vierte – doch wäre mehr drin gewesen. Bundestrainerin Monica Theodorescu analysierte: “Beim ersten Halten stand er nicht ganz geschlossen, dann zackelte er einmal im Schritt an, die Links-Pirouette war nicht richtig gesetzt, da lief er ihr ein bisschen in die Hand und in den Zick-Zack-Traversalen war auch ein kleiner Schlenker. Aber sonst war Jessis Pferd in einer super Verfassung, richtig gut in der Anlehnung, was in Neumünster noch nicht der Fall war.” Und auch die Reiterin selbst konnte sich über das grundsätzliche Gefühl mit Unee BB freuen: “Er war an und wollte unbedingt. Ich glaube, so ein gutes Gefühl hatte ich noch nicht. Das war cool. Aber er war übermotiviert und wollte es manchmal selbst in die Hand nehmen. Er hat dann nicht richtig zugehört, das ist schade. Vor allem, weil der Grand Prix doch eine Visitenkarte für die Kür ist.” Doch die Reiterin aus Bayern lässt sich nicht aus der Rolle bringen: “Am Sonntag ist noch alles möglich.”

Fabienne Lütkemeier & D'Agostino

Fabienne Lütkemeier & D’Agostino

Dann möchte auch Fabienne Lütkemeier (GER) noch mal ihre Chance mit dem 16-jährigen De Niro-Sohn D’Agostino nutzen. Mit 73,471 Prozent wurde sie Siebte, hätte selber aber vom Gefühl her “so zwei Prozent mehr gehabt”. “Daggi hatte heute richtig Bock, zog los. Ich bin wirklich happy mit der Prüfung. In der Links-Pirouette hatten wir einen kleinen Schlenker, aber das hatten wir auch schon schlechter.” Übrigens war Lütkemeier schon einmal in Göteborg, als ihre Mutter Gina Capellmann-Lütkemeier 2003 hier ihr Weltcup-Finale mit Amando ritt. Schön frisch und auf Angriff reiten, das ist Lütkemeiers Maxime für die Kür.

Fotos: Karl-Heinz Frieler