Simone Blum & DSP Alice

Nationenpreis Aachen: Die Schweden feiern und die Deutschen altern und haben Spaß

Es war ein kurioser Nationenpreis in der Aachener Soers, bei dem am Ende das Team aus Schweden jubelte, das seit 90 Jahren wieder mal als siegreiche Mannschaft beim CHIO hervorging. Haarscharf war es. Es war ein Zeitstrafpunkt, der den Deutschen den möglichen Sieg nahm. Oder ein Abwurf zu viel. Es fehlte jedenfalls nicht viel. Mit vier Punkten beendeten die Schweden die Teamentscheidung, mit fünf die Deutschen. Eine sensationelle Doppelnull legte Weltmeisterin Simone Blum mit ihrer DSP Stute Alice v. Askari/Landrebell hin. Sie war die Teamleaderin, sie behielt die Nerven, sie kennt diese Situation mittlerweile. Doch das Warten ist nicht so ihrs, wie sie später zugab: “Man altert beim Zugucken ganz schön. Also mir geht hier immer ganz schön das Herz.

Christian Ahlmann & Clintrexo Z

Christian Ahlmann & Clintrexo Z

Christian Ahlmann, der Wiederankömmling im deutschen Team, der erst kurz vor knapp die Athletenvereinbarung unterschrieben hat und damit wieder für Schwarz-Rot-Gold antreten kann (genauso wie Daniel Deußer), und sein Zangersheide Hengst Clintrexo Z v. Clintissimo Z/Rex Z erlaubten sich im ersten Umlauf einen Fehler am letzten Hindernis. Ganz ärgerlich. Es fehlte die letzte Kontrolle. Die war dann in der zweiten Runde da. “Da war es präziser, korrekter – einfach mehr null”, erklärte Ahlmann, der auch unterstrich, sich sehr auf seinen ersten Nationenpreis nach langer Abstinenz gefreut zu haben. “Diese Stimmung wie hier in Aachen, das ist einfach ganz speziell – das gibt es nur einmal im Jahr.”

Daniel Deußer & Calisto Blue

Daniel Deußer & Calisto Blue

Daniel Deußer und der Chacco Blue-Sohn Calisto Blue machten es besser als ihre Vorgänger, aber nicht gut genug. Im ersten Umlauf stand ein Zeitstrafpunkt auf der Uhr. Und der war teuer. Auch sie gingen in der zweiten Runde ohne Fehler aus dem Stadion. “Es macht wieder richtig Spaß”, strahlte Deußer nach dem zweiten Platz. “Diese Stimmung hier – ich würde am liebsten noch mal rein reiten.” Der Sympathieträger bekundete den Schweden Respekt: “Sie waren einfach besser – wir haben es in der ersten Runde verloren.” Auf die Frage, wo er die Zeit verloren habe, antwortete Deußer: “Gute Frage – auf jeden Fall irgendwo zwischen dem Start und dem Ziel. Ob jetzt ein Sprung zu hoch oder zu niedrig war oder eine Wendung zu eng oder zu weit – ich glaube, da könnten wir lange drüber diskutieren.”

Marcus Ehning & Funky Fred

Marcus Ehning & Funky Fred

Als “Schlusswaffe” hatte sich Bundestrainer Otto Becker für Marcus Ehning mit dem Westfalen Hengst Funky Fred v. For Pleasure/Pilot entschieden – doch auch der Routinier machte denselben Fehler wie Christian Ahlmann. In der ersten Runde am letzten Hindernis ging die Stange zu Boden.

Platz sechs war es nach den ersten vier Ritten – und dann kämpfte sich das Team zurück. Drei Nullrunden – damit standen fünf Punkte auf dem Zettel und Marcus Ehning musste nicht noch mal ran. Nun war die Frage: Frankreich, Irland oder Schweden? Alle kamen mit vier Punkten aus dem ersten Umlauf. Während Frankreich am Ende mit acht Punkten Platz drei einnahm und die Iren mit zwölf Punkten Vierte wurden, hatten die Schweden noch den Trumpf Peder Fredricson als Schlussreiter. Doch der Europameister und der KWPN Wallach Christian K v. Namelus R hatten im ersten Umlauf 13 Punkte und waren das Streichergebnis. Dass das Paar etwas kann, hat es schon häufiger bewiesen – und sie zeigten, dass auch nach einer verkorksten Runde mit ihnen zu rechnen ist. Die Zeit lief ihnen zwar fast davon – und beinahe wäre es zum Stechen mit den Deutschen gekommen, doch Fredericson behielt knapp die Null und sicherte seinem Team damit zum ersten Mal nach 90 Jahren den Nationenpreissieg im prestigeträchtigen Aachen. “Ich bin glücklich, so gute Teamkollegen zu haben”, so Peder Fredricson, “die konnten meine Leistung kompensieren. Als Letzter hat man immer etwas mehr Druck, aber letztendlich will man immer null gehen, egal, an welcher Stelle.”

Fotos: Stefan Lafrentz