Michael Jung & Sam

Michael Jung schreibt ein Märchen: Titelverteidigung mit demselben Pferd

Viele werden sagen: Das war ja zu erwarten. Es kann ja nur einer – Michael Jung. Doch ganz so einfach ist es dann auch nicht, auch wenn man – zugegebenermaßen – kein großes Geld gewonnen hätte, hätte man auf Michael Jung gesetzt. Mit zwei perfekten Runden mit dem Württemberger Wallach Sam FBW v. Stan the Man xx siegte er sogar mit über einem Springfehler Abstand (40,9 Punkte) vor dem Franzosen Astier Nicolas mit dem 13-jährigen französischen Wallach Piaf de B’Neville v. Cap de B’Neville (48,0).

Astier Nicolas & Piaf de B'Neville

Astier Nicolas & Piaf de B’Neville

Der hatte ihm zum Schluss noch den Druck genommen, in dem er im Einzelfinale einen Abwurf und zwei Zeitfehler kassierte und damit die Tür ganz öffnete. Platz drei ging an den US-Amerikaner Phillip Dutton mit Mighty Nice (51,8 Punkte), der ebenso mit einem Abwurf aus der zweiten Runde nach Hause kam. Christopher Burton (AUS), der nach dem Gelände als Führender in den Schlusstag ging, fiel nach je zwei Abwürfen in beiden Umläufen auf Rang fünf zurück, hinter seinen Teamkollegen Sam Griffiths mit Paulank Brockagh.

Silber für Deutschland

Silber für Deutschland

Michael Jung ist mit seiner Titelverteidigung auf dem Pferd, auf dem er schon in London Gold gewann, nun in einer Reihe mit dem Neuseeländer Mark Todd, dem dies 1984 und 1988 mit Charisma gelang, sowie mit dem Niederländer Charles Pahud de Mortanges (1924 und 1928). Ein überglücklicher Michael Jung strahlte: “Das ist ein sehr spezieller Moment für mich. Sam ist so ein fantastisches Pferd. Ich bin unglaublich stolz. Er kann jeden Berg hoch rennen und jedes Hindernis springen.” Bezüglich einer Verabschiedung von Sam wollte Jung noch nichts Konkretes sagen: “Er kommt jetzt erstmal zurück auf seine Koppeln im Schwarzwald. Die vermisst er ganz schön. Das Gras hier schmeckt ihm nicht so gut. Burghley werde ich jetzt nicht mit ihm reiten, wie ursprünglich der Plan war. Er soll jetzt gut über den Winter kommen und dann gucken wir mal, was er mir nächstes Jahr für ein Gefühl gibt.”

Sandra Auffarth & Opgun Louvo

Sandra Auffarth & Opgun Louvo

Zweitbeste deutsche Reiterin war Sandra Auffarth mit Opgun Louvo, die es mit Opgun Louvo wahrlich im Gelände verspielt hat. Der Shogun II-Sohn sprang vom Feinsten, blieb zwei mal fehlerfrei, und rückte von Platz 20 noch auf Rang elf vor. “Es ist einfach Verlass auf Wolle”, erklärte Sandra Auffarth nach dem Springen. “Er war hoch motiviert und es war keine Spur von Müdigkeit da.” Mit einer Nacht Abstand zum Geländeritt erörterte sie: “Vielleicht hätte ich morgens einmal mehr reiten müssen. Er war einfach viel zu frisch. Aber die Pferde waren hier auch sehr ‘an’. Immerhin hat er mir heute gesagt, dass er alles richtig machen will.”

Ingrid Klimke & Hale Bob

Ingrid Klimke & Hale Bob

Auch für Ingrid Klimke ging es noch ein paar Ränge nach dem Gelände nach oben. Hale Bob v. Helikon xx, ein Oldenburger Wallach, ließ allerdings noch eine Stange im zweiten Umlauf fallen, sodass ein Sprung nach noch weiter vorne verhindert wurde. Von Rang 19 ging es für die beiden hoch auf Platz 14. Doch Klimke war insgesamt nur zufrieden mit dem Schlusstag: “Bobby sprang spitze. Wenn er gestern einen Orden verdient hat, dann ist er heute mein Held.”

Interessante Fakten am Rande:

Deutschland ist erst die zweite Nation, die drei Olympische Spiele im Einzel hintereinander mit Gold dekoriert wurde. Das hatte zuvor nur die Niederlande geschafft von 1924 bis 1932.

Astier Nicolas ist der erste französische Reiter, der mit zwei Medaillen von Olympischen Spielen nach Hause fährt.

Phillip Dutton hat bereits drei Olympische Medaillen in der Tasche – aber die erste für die USA. Er hatte zuvor schon Gold mit den australischen Teams in 1996 und 2000 gewonnen.

Fotos: Stefan Lafrentz