Marcus Ehning & Pret A Tout

Marcus Ehnings Sieg für die Ewigkeit

Der Rolex Grand Prix in Aachen ist für die meisten Springreiter sowas wie Wimbledon im Tennis. Ihn einmal zu gewinnen, davon träumen alle. Nicht nur, weil man damit in den Rolex Grand Slam rutscht und die Chance auf eine Million Euro Bonus hat – wer drei der Major-Turniere (Aachen, Spruce Meadows, Genf, ‘s-Hertogenbosch) in Folge gewinnt – nicht nur, weil man als Sieger 330.000 Euro kassiert, sondern vor allem wegen des Prestige. In der Soers will jeder gerne einmal vorne stehen. Hier ist der Sieg deutlich mehr als das, was man am Montag mehr auf dem Konto hat. Ein Aachen-Grand Prix-Sieger bleibt man ein Leben lang.

Marcus Ehning kennt dieses Gefühl. 2006 hat er es schon einmal geschafft. Damals mit Noltes Küchengirl. In diesem Jahr gelang es ihm erneut. Mit dem Selle Francais Wallach Pret A Tout v. Hiram Chambertin/Stew Boy sprang er schon in Nationenpreis zwei tolle Runden (wenn auch mit einem Fehler im ersten Umlauf), doch im Großen Preis wirkte der Fuchs noch souveräner. Keine Mühe hatte er, als Nuller unter die besten 18 in den zweiten Umlauf zu ziehen und dort ein weiteres Mal fehlerfrei zu bleiben. Doppelnull – das schafften auch der Ire Darragh Kenny mit der Oldenburger Stute Babalou v. Balou du Rouet, Pedro Veniss (BRA) mit dem französischen Hengst Quabri de L’Isle v. Kannan, Steve Guerdat (SUI) mit der Balou du Rouet-Tochter Bianca sowie Luciana Diniz mit der Hannoveraner Stute Fit for Fun.

Luciana Diniz & Fit For Fun

Luciana Diniz & Fit For Fun

Kenny musste als erster ran, hatte aber gleich Fehler an den ersten dreien und war damit raus um das Podest. Dann Pedro Veniss. Er entschied sich für einen sicheren Null-Fehler-Ritt und kam in 41,62 Sekunden ins Ziel. Dann bereits Ehning. Der Deutsche spielte seine ganze Cleverness und Erfahrung aus, wendete zügig und eng und kam in 38,34 Sekunden ins Ziel. Damit setzte er die verbleibenden zwei gehörig unter Druck. Steve Guerdat und die übermotivierte Bianca hätten es drin, aber auch er kam mit drei Fehlern ins Ziel. Dann Luciana Diniz und Fit for Fun. Die Portugiesin war in den vergangenen zwei Jahren bereits Zweite im Großen Preis – sollte es nun endlich klappen? “Marcus war wie ein Vorbild für mich vor mir – ich dachte, dass ich das auch so hinkriegen könnte”, so die Reiterin. Doch zu weit wählte sie die Wege – schnell war klar, das reichte nicht. 40,96 Sekunden – zum dritten Mal Rang zwei. Dennoch war Diniz glücklich.

Maurice Tebbel & Chacco's Son

Maurice Tebbel & Chacco’s Son

Tolle Platzierungen erreichten auch die Deutschen Philipp Weishaupt mit dem Holsteiner Hengst LB Convall v. Colman/Cascavelle mit Rang neun – sie hatten im vergangenen Jahr in Spruce Meadows gewonnen – sowie Maurice Tebbel mit dem Westfalen Hengst Chacco’s Son v. Chacco-Blue/Falkenhof’s Lancer, die Elfte wurden.

Glücklich und emotional zeigte sich Grand Slam-Sieger Ehning: “Ich kann das noch gar nicht glauben. Das ist eine Sache, die für immer bleibt und ich hoffe, ich kann noch den Kindern meiner Kinder davon erzählen.”

Ob er nun nach Calgary fährt, um die Chance auf zunächst 500.000 Euro Bonus und dann vielleicht eine Millionen Euro zu wahren – das wusste Marcus Ehning noch nicht. “Meine Priorität lag auf den Weltreiterspielen”, so der Reiter aus Borken. “Calgary hatte ich gar nicht im Plan. Aber ich weiß auch noch nicht, welches Pferd nach Tryon gehen wird und insofern werde ich in Ruhe darüber nachdenken.” In Frage kommen für Ehning Cornado, Comme il Faut und Funky Fred – neben Pret A Tout. Eine wahrlich gute Ausgangslage. Für beide Turniere. Eine Woche vor den Weltreiterspielen ist Calgary. Von dort hätte es Ehning nicht so weit wie von Borken.

Fotos: Lafrentz