Nick Skelton & Big Star

Kein Fragezeichen mehr hinter Nick Skeltons Big Star: Olympiagold!

Big Star, dieser 13-jährige KWPN Hengst v. Quick Star/Nimmerdor, der schon vor vier Jahren als das Weltpferd schlechthin gehandelt wurde und dem man bereits in London den Olympiasieg zugetraut hatte, hat es nun – im zweiten Anlauf – mit dem Briten Nick Skelton zum Olympiasieg geschafft. In einem Stechen mit sechs Teilnehmern setzte sich das Spitzenpaar gegen die Konkurrenz durch. Silber ging an den Schweden Peder Fredericson mit dem sBs Wallach All in v. Kashmir van Schuttershof/Andiamo, der etwas langsamer war als Skelton, Bronze an den Kanadier Eric Lamaze mit der Hannoveraner Stute Fine Lady v. Forsyth/Drosseklang II, bei denen eine Stange am vorletzten Hindernis fiel.

Ganz besonders emotional war der Sieg für den 58-Jährigen, der der älteste Olympiasieger aller Zeiten in einer Reitsportdisziplin ist, auch aufgrund der Vorgeschichte seines sprunggewaltigen Big Star: Der hatte 2013 noch den Großen Preis von Aachen mit ihm gewonnen, sich dann aber beim Nationenpreisturnier in Dublin am linken Vorderbein verletzt, eine Sehnengeschichte. Viele Monate fiel der schicke Hengst aus. 2014 versuchte man ein Comeback. Das währte zwei Monate, dann folgte eine erneute Verletzung. 2015 startete das Paar nur im Oktober in Vilamoura. Dann baute Skelton, der 2012 in London Mannschaftsgold gewann und mit Big Star damals nach einem Fehler Fünfter im Einzel wurde, den Quick Star-Sohn behutsam weiter auf. Aber keiner wusste so richtig, wo Big Star wirklich leistungstechnisch stand. “Es war ein langer Weg mit harter, harter Arbeit. Viele Leute haben sehr viel Zeit in diesen Prozess gesteckt”, erklärte Skelton, dem bei der Siegerehrung die Tränen in den Augen standen. “Drei Jahre lang hat er niemals an einem Wettbewerb wie diesem hier teilgenommen. Ich bin nie gegen die Zeit mit ihm geritten.”

Die Geduld hat sich ausgezahlt. Aber auch Skelton selbst hatte schon schwere Momente in seiner Karriere. Er hatte den Reitsport sogar schon mal an den Nagel gehängt, in 2001. Im Jahr zuvor hatte er sich den Hals gebrochen, den ersten Wirbel, bei einem Turnier in England. Sydney verpasste er wegen diesem Unfall, nachdem er monatelang eine Metallstütze im Hals tragen musste. Die Ärzte rieten ihm davon ab, weiter zu reiten. Doch 2002 war es ein deutscher Arzt, der ihm erzählte, dass die Wirbel so gut verheilt seien, dass er wieder in den Sattel steigen könnte. Nun ist Nick Skelton nach sieben olympischen Teilnahmen Olympiasieger. Es ist eine besondere Geschichte.

Peder Fredricson & All In

Peder Fredricson & All In

Der Schwede Peder Fredericson konnte mit Einzelsilber nun seine zweite olympische Medaille gewinnen – 2004 stand er mit der Mannschaft ebenso auf der Silberposition. 1992 saß Fredericson auch schon bei Olympischen Spielen im Sattel, allerdings als Vielseitigkeitsreiter. Danach switchte er zu den Springreitern. Was für viele eine Überraschung war, wunderte den Reiter selbst nicht: “Ich wusste, dass ich auf einem sehr guten Pferd sitze. Ich habe es nicht erwartet, aber gehofft, die Olympischen Spiele so zu beenden.”

Eric Lamaze & Fine Lady

Eric Lamaze & Fine Lady

Für den Kanadier Eric Lamaze war die Bronzemedaille das zweite olympische Edelmetall nach Gold in Hongkong. Nur sechs Reiter haben es insgesamt geschafft, zwei Einzelmedaillen zu gewinnen – er gehört nun dazu. Besonders stolz war der 48-Jährige auf seine Hannoveraner Stute: “Sie hat alles gegeben, ihr ganzes Herz reingesteckt.”

Etwas enttäuscht waren die beiden deutschen Reiter Christian Ahlmann und Daniel Deußer. Christian Ahlmann und Taloubet Z v. Galoubet A/Polydor hatten einen Fehler im zweiten Umlauf am Aussprung der Zweifachen. “Damit war nicht zu rechnen”, erläuterte er nach seinem Ritt. “Ich hatte ein traumhaftes Gefühl auf ihm. Er hat sich ein klein bisschen verkantet im letzten Moment, das letzte Glück war heute nicht da. Das ist schade und ich muss es erstmal sacken lassen. Aber wir hatten schon wirklich schlechte Olympische Spiele – und das war dieses Mal überhaupt nicht der Fall. Ich bin stolz auf Taloubet, wie er sich hier mit 16 Jahren gezeigt hat. Ich werde sehr viele positive Dinge mit nach Hause nehmen.”

Christian Ahlmann & Taloubet Z

Christian Ahlmann & Taloubet Z

Auch Daniel Deußer war enttäuscht nach einem Fehler bereits am zweiten Hindernis mit First Class v. Balou du Rouet, aber nicht gänzlich unzufrieden: “Mein Pferd sprang super und mit einer Leichtigkeit hat er den Parcours beendet.” Der Deutsche versuchte, eine Erklärung zu finden: “Der Oxer war schon relativ breit. Ich bin draußen nicht mehr breit gesprungen – vielleicht hat das gefehlt. Es ist eine Enttäuschung. Ich habe es erst richtig realisiert über dem letzten Sprung. Dennoch bin ich mit dem Ergebnis insgesamt zufrieden. Wenn ich mit diesen Olympischen Spielen unzufrieden wäre, müsste ich wohl aufhören. Ich denke, dass ich in vier Jahren noch motivierter bin.”

Daniel Deußer & First Class

Daniel Deußer & First Class

Auf einem geteilten neunten Platz rangierten sich die beiden verbliebenen deutschen Reiter am Ende ein. Bundestrainer Otto Becker lobte seine Jungs: “Beide sind vom Feinsten geritten. Umso ärgerlicher sind die Fehler. Aber sie brauchen sich nicht zu verstecken. Auch Meredith hat hier super Runden gedreht. Ihr Ausscheiden war unglücklich.” Dass Ludger Beerbaum nun seinen Rücktritt von der Nationalmannschaft bekannt gegeben hat, bedauerte der Bundescoach: “Das ist schon ein Stück weit traurig. Es spielt ein bisschen Wehmut mit. Umso schöner ist es, dass es so gekommen ist, wie es ist, dass Ludger hier noch eine Medaille gewinnen konnte.”

Fotos: Stefan Lafrentz