Jula Krajewski & Samourai du Thot

Julia Krajewski akzeptiert Verwaltungsstrafe

Im Oktober informierte der Weltreiterverband FEI die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) über eine positive Medikationskontrolle, die von Julia Krajewskis Pferd Samourai du Thot stammte und am letzten Tag der Vielseitigkeits-Europameisterschaften in Strzegom (POL) vorgenommen worden war. Bei der gefundenen Substanz handelte es sich um eine „Controlled Medication Substance“, nicht um Doping. Nun hat sich die Reiterin dazu entschieden, eine Verwaltungsstrafe der FEI zu akzeptieren.

Die Verwaltungsstrafe zieht eine Geldstrafe in Höhe von 1500 Schweizer Franken sowie Verwaltungskosten in Höhe von 2000 Schweizer Franken nach sich, jedoch keine Wettkampfsperre. Der Fall ist für den Weltreiterverband damit abgeschlossen. Krajewski hatte auch die Möglichkeit, vor das FEI-Tribunal zu ziehen. Dort hätte sie jedoch nur die Chance auf einen Freispruch gehabt, wenn sie hätte nachweisen können, wie die Substanz in ihr Pferd gelangt ist und dass sie daran keine Schuld trägt. Selbst ein Freispruch des Tribunals hätte jedoch nichts an dem Vorhandensein der positiven Wettkampfkontrolle, ihrer Disqualifikation und der damit einhergehenden Rückgabe der Team-Silbermedaille geändert. In den vergangenen Wochen hatte Krajewski weiter recherchiert, wie die Substanz Firocoxib in ihr Pferd gelangt sein könnte. Auch das DOKR stellte umfangreiche Nachforschungen an. So wurden unter anderem Krajewski als auch weitere unmittelbar beteiligte Personen eingehend befragt. Bislang konnte keine Klärung herbeigeführt werden.

Auch eine unabhängige Trainingskontrolle der Nationalen Anti-Doping-Agentur wies nach dem Championat Firocoxib im Pferd nach. Da jedoch eine Behandlung mit dieser Substanz im Behandlungsbuch von Samourai du Thot fehlte, zog dies automatisch eine Vertragsstrafe des Deutschen Olympiade-Komitees für Reiterei (DOKR) gegen Julia Krajewski nach sich. Über ihre Zukunft als Kaderreiterin und Nachwuchsbundestrainerin wird der Exekutivausschuss des DOKR entscheiden. Der Ausschuss setzt sich zusammen aus Mitgliedern des DOKR-Vorstandes.

(fn-press)

Ein umfangreiches Statement gibt die Reiterin selbst bei Facebook ab:

Wie sah meine Recherche aus? 
Ich habe zwei erfahrene Experten aus England, einen Toxikologen und einen Fachanwalt, hinzugezogen, welche mich in meiner Vorgehensweise beraten haben. Wir haben alle Abläufe rund um Sam zwischen dem 3. und dem 20. August nachvollzogen, um uns einen vollständigen Überblick über Trainingsinhalte, Futtermittel sowie Zusatzfuttermittel, seine Aufenthaltsorte und die jeweils zuständigen Personen vor Ort zu verschaffen. In diesem Zusammenhang haben wir diverse Futtermittel auf Firocoxib testen lassen, allesamt negativ. Des Weiteren wurden die Gegebenheiten und die teaminternen Abläufe während des Championats rekonstruiert und überprüft. Die uns zugänglichen Blutproben wurden weiter analysiert, ohne aufschlussreiche Ergebnisse. Und ich habe mit unseren Gastgebern im Trainingslager und mit dem zuständigen FEI-Steward gesprochen. Der Vollständigkeit halber haben wir die Listen der nächtlichen Stallwache angefordert, in die sich jeder eintragen musste, der nach 22:00 Uhr den Stallbereich betreten wollte. Allerdings konnten uns diese Listen seitens des zuständigen Stewards nicht mehr vorgelegt werden. Da der Stallbereich in Strzegom aber ohnehin nicht vollständig umzäunt war, war es ohne weiteres möglich, diesen Bereich unbemerkt zu betreten, und damit ohne sich am Eingang eingetragen zu haben. 
Um Fehler unsererseits auszuschließen, wurden alle Tierarztrechnungen meiner Pferde der vergangenen Jahre kontrolliert. Equioxx oder Previcox, die einzigen beiden Medikamente, in denen Firocoxib enthalten ist, tauchen nirgendwo auf. Eine Kontamination durch Urin (Hund und Mensch) lässt sich mittlerweile auch mit Sicherheit ausschließen. Bestätigen lassen sich weiterhin die Erkenntnisse, dass die Aufnahme der Substanz nur über die Medikamente Previcox oder Equioxx erfolgt sein kann, und zwar zu einem Zeitpunkt zwischen der Dressur und dem Gelände auf der Europameisterschaft. 
Alle Ergebnisse dieser Recherche haben bestätigt, dass ich einen Fehler in meinem eigenen Stallmanagement mit Gewissheit ausschließen kann. Weder ich noch eine der Personen aus unserem direkten Umfeld haben Sam, wissentlich oder unwissentlich, eines dieser Medikamente verabreicht.

Nach Ablauf der durch die FEI gesetzten Frist am 30.11.2017, muss ich mir nun leider eingestehen, mein Ziel „Freispruch“ nicht erreichen zu können. Die Erkenntnisse, welche wir bis hierhin gesammelt haben, reichen für den Gang vor das FEI-Tribunal nicht aus. Deshalb akzeptiere ich die Verwaltungsstrafe. Für die FEI ist der Fall damit abgeschlossen, für mich persönlich aber nicht. Ich muss mir überlegen, was dieser Fall für meine Zukunft bedeutet. Die Ungewissheit darüber, was mit Sam wirklich passiert ist, belastet mich sehr. Das Wohlergehen meiner Pferde ist für mich die oberste Priorität und ich muss alles daransetzen, dass so etwas künftig nicht wieder passieren kann. Daher werde ich mich in den nächsten Monaten damit auseinandersetzen, wie ich einen möglichst umfassenden Schutz zu Hause und auf Turnieren sicherstellen kann.

Ich habe mich in den letzten Wochen auch gefragt, ob und wie ich für mich, aufgrund meiner aktuellen Situation, in diesem Sport eine Zukunft sehe. Ich bin aber zu dem Schluss gekommen, dass ich diesen Sport vor allem deshalb betreibe, weil er mir unheimlich viel Spaß macht und die Leistungen, welche ich mit meinen Pferden gemeinsam erbringe, mir ein unvergleichliches Gefühl von Partnerschaft und Zufriedenheit bereiten. Die Arbeit mit meinen Pferden war in den vergangenen Wochen das einzige, wobei ich den Kopf frei kriegen und wieder Kraft tanken konnte. Den Glauben an Fairness und Kameradschaft in unserem Sport möchte ich mir unter allen Umständen bewahren, und die vielen Reaktionen aus der gesamten Vielseitigkeitsfamilie bestärken mich darin. Für mich und meine Pferde beginnt nun die Winterarbeit und damit die Vorbereitung auf die neue Saison. Dies fällt mir zwar noch nicht leicht, aber ich hoffe, nun ein wenig Ruhe dafür zu finden, um dann gestärkt ins neue Jahr gehen zu können.

Foto: Stefan Lafrentz