Jessica von Bredow-Werndl & Dalera BB

Jessica von Bredow-Werndl geflasht und mit Gänsehaut im Sattel

Bei Jessica von Bredow-Werndl ist es nicht untypisch, dass sie einem mit einem Lächeln begegnet. An diesem Freitag beim Frankfurter Festhallen Turnier war es aber doch etwas größer als üblich. Die Reiterin aus dem bayerischen Aubenhausen konnte schon am Morgen mit Zaire-E, einer KWPN Stute, mit 77,220 Prozent deutlich den Grand Prix vor Hubertus Schmidt mit Imperio (73,600 Prozent) und Fabienne Lütkemeier mit D’Agostino (73,360 Prozent gewinnen), und setzte dann mit TSF Dalera BB in der Einlaufprüfung zum Louisdor-Preis noch einen drauf. Mit 77,093 Prozent begeisterte sie hier die Fachwelt und siegte ebenso überlegen vor Ingrid Klimke mit dem Hannoveraner Hengst Franziskus, der 74,233 Prozent erhielt. Klimke und die Rheinländer Stute SAP Geraldine wurden zudem mit 73,372 Prozent Dritte.

Jessica von Bredow-Werndl & Zaire

Jessica von Bredow-Werndl & Zaire

Jessica von Bredow-Werndl war völlig aus dem Häuschen: “Zaire hat mich heute total geflasht, weil es beim Abreiten in dem Zelt mit dem Regen wirklich nicht einfach war. Aber sie hat sich voll auf mich eingelassen und wollte wirklich alles richtig machen. Wer sie kennt, weiß ja, dass sie sehr sensibel ist und das durchaus mal umswitchen kann.” Die 77,220 Prozent waren ein persönlicher Rekord für das Paar – und der internationale erste Grand Prix-Sieg seit 2015. “Es fühlt sich jetzt erst danach an, dass sie auch das zeigen kann, zu was sie im Stande ist”, erklärte die Reiterin.

Mindestens so beeindruckt war von Bredow-Werndl von ihrer Nachwuchs-Stute Dalera BB. Die Trakehner Stute v. Easy Game hat nämlich noch gar nicht viel Erfahrung, meisterte die Prüfung in der schwierigen Festhalle jedoch mit Leichtigkeit. “Ich hatte mehrfach Gänsehaut während des Rittes”, so die Siegerin. “Sie hat so eine Ruhe und Überlegenheit ausgestrahlt – das fühlt sich so bedeutend an. Ihre Pi-Pa-Tour ist schon wie eine eigene Gangart bei ihr. Und wenn sie erstmal noch richtig Kraft bekommt. Sie steht ja erst am Anfang. Sie hat wirklich keine Schwächen, hat zudem noch Nerven und ist schön.”

Aber das Leben von Jessica von Bredow-Werndl dreht sich nicht mehr nur noch um die Pferde. Seit vier Monaten ist da auch Moritz, ihr kleiner Sohn. “Morgens wacht man nicht mehr auf und denkt: Wie mache ich das mit dem Weltcup? – sondern ich frage mich: Wie mache ich das mit Moritz?”, lacht die Amazone.

Dennoch spielen die Pferde eine große Rolle in den Gedanken der 31-Jährigen. Drei Eisen hat die junge Mutter in der Hand, für nächstes Jahr, für die Weltreiterspiele. Unee BB sei ihr Backup, ihre sichere Bank, der vermutlich das Weltcup-Finale bestreiten soll, während die beiden Stuten eher für die Sommersaison angedacht werden. Zwei, drei Mal verpasste die Aubenhausenerin nur ganz knapp die Mannschaftsnominierung, 2015 gehörte sie zum deutschen EM-Team – und im nächsten Jahr möchte sie unbedingt wieder dabei sein. Da passte die Whats-App-Nachricht von Bruder Benni Werndl, der erkältungsbedingt von Zuhause zugucken musste und den Erfolg im morgendlichen Grand Prix entsprechend kommentierte: “Wurde auch mal wieder Zeit, dass du gewinnst!”

Fotos: Karl-Heinz Frieler