Gregory Wathelet, Jeroen Dubbeldam & Simon Delestre

Jeroen Dubbeldam macht seine Medaillensammlung perfekt

2000, da feierte Jeroen Dubbeldam seinen Olympiasieg in Sydney mit De Sjem, 2014 war es der Weltmeistertitel nach dem Pferdewechsel in Caen… es fehlte nur noch EM-Gold in der Sammlung des Niederländers, was die Einzelmedaillen betrifft. “Ich war deswegen richtig heiß darauf”, so Dubbeldam. Heute steht er nach fünf fehlerfreien Runden mit SFN Zenith N.O.P., seinem WM-Pferd, da und hält auch dieses Gold in den Händen. Kein anderer Reiter schaffte in Aachen diese Leistung.

Als Zweiter war Dubbeldam ins Finale gegangen, hinter dem Spanier Sergio Alvarez Moya. Doch als der einen Fehler am Einsprung der Dreifachen im ersten Umlauf hatte, war der Niederländer da, wo er dann auch blieb. Dabei standen die Vorzeichen beim ersten Umlauf für Dubbeldam zunächst nicht so gut. Der elfjährige KWPN Wallach scheute im Einritt, hatte offensichtlich den Lautstärkepegel nach der Nullrunde von Meredith Michaels-Beerbaum im Nationenpreis am Freitag noch im Kopf. Doch mit etwas Geduld klappte es und souverän – als wäre nichts gewesen – zogen die beiden ihre Runde. Ebenso im zweiten Umlauf gab es kein Wackeln, jeder Sprung wurde sicher überwunden. “Ein Traum wird wahr”, freute sich Jeroen Dubbeldam. “Es war heute nicht ganz so einfach. Aachen ist die beste Show der Welt. Das Publikum ist sehr enthusiastisch. Das liebe ich, aber es kann dadurch auch mal schwierig für das Pferd werden. Wir haben das letzte Woche bei Edward Gal gesehen. Ich kann nun sein Problem sehr genau nachvollziehen. Ich werde deswegen nicht in Zukunft darum bitten, dass das Publikum leise bleibt, aber wir müssen natürlich eine Balance zwischen dem Enthusiasmus und Horsemanship finden.” Dass Zenith ein weiteres Mal in dieser Top-Form sein würde, ein Jahr später, daran hatte Dubbeldam auch nicht zu glauben gewagt. Häufig sei das zweite Jahr viel schwieriger, erzählte er. “Das ist einfach unglaublich – mehr Worte habe ich dafür auch nicht.”

Jeroen Dubbeldam & Zenith

Jeroen Dubbeldam & Zenith

Silber holte der Belgier Gregory Wathelet mit seinem unglaublich springenden Holsteiner Hengst Conrad de Hus v. Con Air, der nach einem Fehler am Freitag heute zwei Mal null ging. Die Enttäuschung von Wathelet über das vorzeitige EM-Aus mit der Mannschaft und der damit verpassten Rio-Qualifikation war nun gewichen. “Conrad hat sich die letzten zwei Monate unglaublich verbessert. Ich hatte schon ein sehr gutes Gefühl, als ich hierher gekommen bin, aber es muss dann auch alles zusammen passen. Conrad hat diese Woche wirklich für mich gekämpft.”

Nach einem verhängnisvollen zweiten Mannschaftsumlauf für Frankreich lief es heute im Einzelfinale deutlich besser für die Reiter der Equipe Tricolore. Nach den Spitzenplätzen an den ersten Tagen von Penelope Leprevost, aber einem Fehler am Freitag und einem heute im ersten Umlauf mit Flora de Mariposa war es am Ende Rang vier für die beiden. Noch besser lief es für Simon Delestre und den französischen Hengst Ryan des Hayettes, der heute nur einen Zeitfehler hatte und sich damit auf den Bronzerang schob, von Rang 15 vor dem Finale. “Ich wusste, dass ich mit einer Doppelnull in die Reichweite der Medaillen kommen könnte, aber das konnte ich so nicht erwarten”, strahlte der Franzose. “Für uns als Mannschaft war es hier ein wenig enttäuschend, aber für mich selbst fantastisch.”

Ludger Beerbaum & Chiara

Ludger Beerbaum & Chiara

Für die deutschen Reiter verlief das Einzelfinale eher mäßig. Als bestes Paar wurde Christian Ahlmann mit Taloubet Z Siebter. Die beiden hatten einen Fehler am Einsprung der Dreifachen im ersten Umlauf, blieben dann aber wieder fehlerfrei. “Hätte mir vor einem halben Jahr jemand erzählt, dass Taloubet wieder in so eine Form kommt, hätte ich das niemals geglaubt. Das Gefühl war wirklich super, aber am Ende bin ich natürlich etwas enttäuscht.” Meredith Michaels-Beerbaum und Fibonacci wurden hinter Ahlmann Achte, die ebenso nach einem Fehler in der Dreifachen dann einen guten zweiten Umlauf hatten. “Ich habe in dieser Woche viel Vertrauen in das Pferd gewonnen”, so die Amazone. Hingegen Ludger Beerbaum verpasste seine große Chance einer Einzelmedaille. Nicht einen Springfehler war er von Gold entfernt vor dem Finale, doch im ersten Umlauf hatte er einen Wasserfehler mit Chiara, im zweiten Umlauf viel die Stange am ersten Hindernis. “Ich hätte heute noch vier Runden reiten können und wäre nicht fehlerfrei gewesen”, so Beerbaum. Kein schönes Ende nahm auch die EM für Daniel Deußer, der mit Cornet d’Amour nicht nur zwei Fehler im ersten Umlauf hatte, sondern dann auch noch disqualifiziert wurde. Er war im Umlauf einmal aus dem Steigbügel gerutscht und hatte dabei einmal die Flanke des Schimmels ungünstig gestreift, sodass sie blutig war.

Otto Becker zog sein Fazit: “Wir sind nicht unzufrieden, aber das ganze zieht sich wie ein roter Faden durch die Saison. Das habe ich schon zehn Mal gesagt, dass mehr drin gewesen wäre. Aber unsere guten Runden lassen uns auf nächstes Jahr hoffen.”

Fotos: Karl-Heinz Frieler