Klaus Roeser, Isabell Werth, Dorothee Schneider, Helen Langehanenberg, Sönke Rothenberger

Isabell Werth krönt die Gold-Medaille von Deutschland

Es ist eine Luxussituation, in der die deutsche Dressurmannschaft derzeit ist – und das trotz der Ausfälle von Kristina Bröring-Sprehe mit Desperados und Dorothee Schneiders Olympiapferd Showtime. Es benötigte gar nicht mehr der Besten im Team, Isabell Werth, um die Goldmedaille zu sichern. Die stand schon vorher fest für die Mannschaft von Monica Theodorescu. Doch Isabell Werth krönte mit der zwölfjährigen Oldenburger Stute Weihegold OLD noch die deutsche Leistung. Mit klatschendem Publikum auf der Schlusslinie (“Das hatte ich im Grand Prix noch nie”) ritt Isabell Werth zu unglaublichen 83,743 Prozent mit der Don Schufro-Tochter im Grand Prix und holte damit ein Ergebnis von 237,072 Prozent für Deutschland heraus. Silber ging an die Dänen mit 224,643 Prozent, über Bronze freuten sich die Gastgeber aus Schweden mit 221,143 Prozent. Großbritannien, die sie ebenso wie die Niederlande Hoffnungen auf eine Medaille machten, wurde Vierter mit 219,272 Prozent vor dem Oranje-Team mit 216,628 Prozent.

Isabell Werth & Weihegold OLD

Isabell Werth & Weihegold OLD

Isabell Werth, die mit ihrer Spitzenrunde den Grand Prix auch klar gewinnen konnte, startete zunächst gar nicht so gut in die Aufgabe. Das Halten war nicht optimal, doch das war es dann auch, was es zu kritisieren galt. Fortan sammelte die Ausnahmereiterin Punkte über Punkte mit der zwölfjährigen Rappstute, bekam für Pi und Pa Höchstnoten genauso wie für unglaublich gesetzte und kleine Pirouetten. Platz zwei in der Prüfung ging an Sönke Rothenberger mit dem zehnjährigen Cosmo, während die Dänin Cathrine Dufour mit dem 14-jährigen dänischen Wallach Atterupgaards Cassidy v. Caprimond-Donnerhall zu begeistern wusste. Mit 78,300 Prozent war sie nur knapp hinter Rothenberger und wird in Göteborg in dieser Form ein Wörtchen um die Einzelmedaillen mitreden. Nachdem Patrik Kittel für Schweden vorgelegt hatte, spürte die Dänin den Druck, wie sie anmerkte: “Ich wusste genau, was ich zu machen habe. Aber ich bin umso besser, je mehr ich unter Druck stehe. Ich habe mich damit sehr wohl gefühlt und Cassidy war on fire.” An Isabell Werth, so glaubt sie, wird sie nicht rankommen: “Niemand kann das aktuell. Aber ich weiß, dass ich noch besser als heute sein kann.”

Die deutsche Bundestrainerin Monica Theodorescu war nach der überaus starken Mannschaftsleistung gerührt: “Eins – zwei – vier und sechs – ich glaube, das hatten wir selten. Gewaltig! Spitze! Damit habe ich so dann auch nicht gerechnet und das macht mich stolz und auch ein bisschen sprachlos.” Isabell Werth fügte an: “Im vergangenen Jahr waren wir ja ähnlich gut, da hatten wir das stärkste Team seit Barcelona. Dass es jetzt hier nach den zwei Ausfällen ähnlich ist, war so nicht zu erwarten.” Die Aufgabe, die Werth nun hat: “Die Form von Weihe so zu halten. Das ist das schwierigste. Aber ich werde fokussiert bleiben.”

Fotos: Stefan Lafrentz