Isabell Werth & Charlotte Dujardin

Isabell Werth ganz “easy” und mit viel “Wow” zum zweiten Gold

Isabell Werth spielt derzeit in einer anderen Liga. Sie scheint unangreifbar, keiner kann ihr was. Genauso fühlt sie sich auch. “Sicher”, sagte sie. Weil sie weiß, dass sie ein Pferd unter dem Hintern hat, das alles kann. Da ändern auch Fehler in den Zweierwechseln nichts. Wenn man eine 9,8 auf Übergänge bekommt, 10er für Piaffen… dann darf auch der Trab nicht ganz so gut sein. Mit 86,246 Prozent zeigte die Weltranglisten-Erste aus Deutschland mit der 14-jährigen Westfalen Stute Bella Rose v. Belissimo, wer das Sagen hat – und machte ihrer Mäzenin und Freundin Madeleine Winter-Schulze, die nach einem Sturz im Stall mit einem Oberschenkelhalsbruch operiert im Krankenhaus in Spartanburg liegt, ein besonderes Geschenk.

Isabell Werth & Bella Rose

Isabell Werth & Bella Rose

“Sie will sich einfach präsentieren”, erklärte die nun zweifache Goldmedaillengewinnerin von Tryon bei den Weltreiterspielen nach dem Special voller Emotionen. “Sie hat so viel Power. Schon beim ersten starken Trab dachte ich: Wow. Und dann die Traversalen, die Piaffen – das geht nicht besser.” Das sah man an den Prozenten. Besser ging es nicht – und das, obwohl das Niveau bei einem Championat wohl nie höher war. Neue Pferde, die überraschten, und eine große Zukunft haben. Sei es Patrik Kittels Well Done de la Roche CMF, eine Schweizer Stute, die mit 79,726 Prozent auf Rang fünf eingeordnet wurde. Oder Edward Gals zehnjähriger Hengst Glock’s Zonik N.O.P. v. Blue Hors Zack/Romanov, der mit 77,751 Prozent Siebter wurde. Auch die Schwedin Juliette Ramel kam nach dem Grand Prix mit Buriel K.H., einem KWPN Wallach v. Osmium, ein weiteres Mal zu einem starken Ergebnis von 77,280 Prozent. Das machte richtig Spaß.

Charlotte Dujardin & Mount St John Freestyle

Charlotte Dujardin & Mount St John Freestyle

Tränen flossen dann auch bei Charlotte Dujardin (GBR). Die hatte man zwar im Vorfeld bereits mit der erst neunjährigen Hannoveraner Stute v. Fidermark/Donnerhalb mit als Geheimfavoritin genannt, doch wie sich ein so junges Pferd am Ende präsentiert, weiß niemand. Und die Stute präsentierte sich fantastisch. Sie zeigte, welch Potenzial in ihr steckt, begann mit einem gewaltigen Trab die Prüfung und ließ nie nach. 81,489 Prozent – und Bronze. “Ich hatte heute nichts zu verlieren”, freute sich die Britin. “Ich dachte, ich reite rein und sehe was passiert – und sie hat die Herausforderung angenommen.” Das hatte man dann doch nicht erwartet. Stark. Und die Ansage an Isabell Werth machte die Britin bereits: “Nächstes Jahr, wenn mein Pferd mehr Kraft hat, dann hole ich das Preisgeld.”

Laura Graves

Laura Graves

Sie kam sogar ganz in die Nähe von Laura Graves aus den USA mit Verdades. Der 16-jährige KWPN Wallach v. Florett As/Goya wurde mit 81,717 Prozent an zweiter Stelle gesehen. Das ging auch in Ordnung, machten die beiden doch einige Fehler, in den Wechseln, aber auch in der Schritttour. Das war teuer. “Bei mir ist immer die Herausforderung, ob er sich irgendwo erschreckt”, erzählte Graves. “Aber ich bin so begeistert. Er will sich so zeigen. Schon im Warm-Up, wenn das Stadion noch geschlossen ist, zieht er zum Stadion – er will unbedingt da rein.”

Sönke Rothenberger & Cosmo

Sönke Rothenberger & Cosmo

 

 

 

 

 

 

Sönke Rothenberger musste auf dem unliebsamen vierten Platz mit Cosmo Platz nehmen. 81,277 Prozent – da fehlte nicht viel, die beiden sind in einer einzigartigen Form, der elfjährige KWPN Wallach v. van Gogh strotzt vor Kraft und das Seitenbild der beiden ist gewaltig – doch führen Fehler in den Piaffen und beiden Wechseltouren unmittelbar zu viel Punktabzug. Sonst würden die beiden ganz oben mitmischen, zweifellos.

Dorothee Schneider

Dorothee Schneider

Dorothee Schneider wird mit dem zwölfjährigen Sammy Davis Jr. v. San Remo als dritte deutsche Reiterin die Kür bestreiten – sie wurde mit 75,608 Prozent Elfte. “Ich hatte heute ein viel besseres Gefühl als vor zwei Tagen”, so die Mannschaftsweltmeisterin. “Er war frischer, ich hatte eine tolle Verbindung zu ihm. Ok, der Schritt ist nicht so ergiebig und als er nach der ersten Pirouette einmal hinter mich kam, kamen zwei Einer vor den Einern – das sollte natürlich nicht sein. Aber ich bin sehr happy, dass ich jetzt noch mal tanzen darf.”

Jessica von Bredow-Werndl & TSF Dalera BB

Jessica von Bredow-Werndl & TSF Dalera BB

Auch Jessica von Bredow-Werndl, die nicht mehr in der Kür antreten darf, freute sich über ihren Ritt mit TSF Dalera BB. Die elfjährige Trakehner Stute v. Easy Games erhielt 73,875 Prozent und wurde 16. “Ich gehe hier mit einem lachenden und einem weinenden Auge”, so die Deutsche. “Sie hatte einfach keine Kraft mehr, aber sie ist auch erst elf. Wir haben kein technisches Problem und kein Problem mit den Einer. Sie hat hier ihr letztes Hemd gegeben, aber sie braucht einfach noch mehr Zeit und mehr Kraft. Vielleicht hat irgendjemand da oben gesagt, dass es noch zu früh ist für sie mit der Kür. Aber wir haben geliefert, als wir liefern mussten. Natürlich ist es schade, dass wir jetzt nicht noch mal reiten können, aber ich glaube nicht, dass es ihr letztes Championat war.”

Fotos: Stefan Lafrentz