Isabell Werth & Weihegold OLD

Isabell Werth auch mit weniger noch gut genug

1991 in Donaueschingen hatte Isabell Werth bereits die erste Medaillenvergabe in einem Grand Prix Special bei der EM mit Gold beendet. Zwischenzeitlich wurde der Special als Entscheidung bei Europameisterschaften aus dem Programm genommen. Nach Wiederaufnahme folgten weitere Titel für Werth – und nun ein weiterer. Mit der zwölfjährigen Oldenburger Stute Weihegold OLD v. Don Schufro-Sandro Hit ritt sie zu 83,613 Prozent und Gold. “Weihegold ist in der besten Form, die sie je hatte. Die erste Piaffe hätte besser sein können, da bin ich etwas vorsichtig rein, weil ich nicht zu viel riskieren wollte. Ich dachte, dass ich lieber ein bisschen weniger mache, dass ich bloß keinen Fehler riskiere – und es war ja noch gut genug.”

Sönke Rothenberger & Cosmo

Sönke Rothenberger & Cosmo

Doch es war eng – und die größte Konkurrenz kommt aus den eigenen Reihen. Sönke Rothenberger und der erst zehnjährige KWPN Wallach Cosmo v. van Gogh-Frühling sind Werth und Weihegold dicht auf den Fersen. Mit 82,479 Prozent fehlte nicht viel – und die Chefrichterin Francis Verbeek van Roy hatte die beiden sogar vorne. Ein kleiner Fehler im Galoppwechsel im Übergang nach dem starken Galopp war die einzige Kritik in dem Special der beiden. “Es ist so ein bisschen wie das Balancieren mit Tellern auf diesem Niveau”, erklärte Rothenberger glücklich über Silber. “Ich muss es noch schaffen, alles oben zu halten. Das ist das, was Isabell so gut kann.”  Wenn ihm das gelingt, weiß auch er, dass er ganz vorne stehen kann: “Ich weiß, dass mein Pferd jeden schlagen kann. Da hatte ich vom ersten Tag keine Zweifel dran. Aber es ist natürlich was anderes, das alles auch in dem Moment auf den punkt zu bringen.”

Catherine Dufour & Atterupgaards Cassidy

Catherine Dufour & Atterupgaards Cassidy

Die Bronzemedaille ging an die Dänin Cathrine Dufour mit dem 14-jährigen dänischen Wallach Atterupgaards Cassidy. Mit dem Caprimond-Donnerhall-Sohn hat sich die junge Reiterin von den Junioren über U25 nun an die Weltspitze vorgearbeitet. 79,762 Prozent waren der Lohn für eine erneut gelungene Prüfung. “Er war heute etwas entspannter und deswegen konnte ich auch mehr riskieren.”

Die deutsche Bundestrainerin Monica Theodorescu jubelte über Gold und Silber: “Ja, besser geht’s nicht. Weihe war bis auf die erste Piaffe wirklich sehr gut. Sie ist heute auch wirklich losgelassen durch den Körper getrabt, auch wenn der Trab nicht ihr Highlight ist. Cosmo hat hingegen einen überragenden Trab und Galopp, dafür hat die Stute mehr Qualität in den versammelten Lektionen. Das Ergebnis so, wie es ist, ist sicherlich nicht falsch. Sönke hat seinen besten Special bisher geritten. Das war richtig gut und er ist sehr präzise geritten. Das Pferd ist ein Flugzeug. Man merkt, dass das jetzt zwischen den beiden zusammen wächst.”

Weniger gut lief es für die beiden weiteren deutschen Teilnehmer. Dorothee Schneider war mit Sammy Davis Jr v. San Remo-Wenckstern wieder Erste im Grand Prix Special für Schwarz-Rot-Gold, doch in der ersten Pirouette und in der Schluss-Piaff fiel der elfjährige bayerische Wallach aus. Mit 73,249 Prozent wurden die beiden Zwölfte. “Das muss einfach noch konstanter werden”, so Schneider. “Wir sind in Lichtgeschwindigkeit in die deutsche Mannschaft genommen und das gilt es, zu genießen. Er hat alle Möglichkeiten, das kann jeder sehen.” Direkt nach ihrem Ritt  sagte Schneider: “Ich fahre zufrieden nach Hause.” Doch ihre Heimfahrt muss sie nun noch verschieben. Nach ihrem Ritt dachte jeder, dass Helen Langehanenberg besser abschneiden wird – und nur drei einer Nation können die Kür reiten. Aber auch Helen Langehanenberg erlebte einen schweren Aussetzer mit ihrem 15-jährigen Hannoveraner Hengst Damsey FRH v. Dressage Royal-Ritual. Der Hengst hielt sich in der ersten Piaffe fest, kickte aus – dafür gab es nur eine 3 – und auch der Übergang in die Passage war dadurch komplett kaputt und wurde mit einer 2 bewertet. Das war es. 70,756 Prozent waren Platz 21. “Wir hatten wohl eine große Baustelle”, nahm es die Reiterin gelassen. “Ich hatte ihn irgendwie schon in der Siegerehrung bei der Mannschaftswertung verloren. Da wurde er total spannig und immer heißer und heißer und ich dachte, er geht mir los. Und im gestern dachte ich dann: Eieiei, was ist das denn? Er war einfach nicht optimal. In der Schritttour heute habe ich ihn schon nicht vor mich gebracht und dann passierte es.” Bundestrainerin Monica Theodorescu: “Damsey hatte wohl entschieden, dass das Turnier für ihn beendet ist.”

In der morgigen Grand Prix Kür werden also für Deutschland ab 14.30 Uhr Isabell Werth, Sönke Rothenberger und Dorothee Schneider reiten. Um die Medaillen werden sich vermutlich Werth, Rothenberger, Dufuor und die Schwedin Therese Nilshagen streiten – sie wurde mit Dante Weltino OLD, einem zehnjährigen Oldenburger Hengst v. Danono-Welt Hit II Vierte.

Fotos: Stefan Lafrentz