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Ich bin dann mal WEG: Wann geht’s nach Hause?

Ok, jetzt bin ich ein paar Stunden also in North Carolina, beziehungsweise wohnhaft in South Carolina, und stelle mir die Frage: Wann geht’s wieder zurück? Ich weiß nicht, ob es am zunehmenden Alter liegt (ok, darüber würden manche eher lachen, aber so ein paar Championate habe ich ja jetzt auch schon mitgemacht) oder ob die Schmerzgrenze, die man im Ausland manchmal überwinden muss, sinkt – oder ob beides miteinander einher geht.

Im Gegensatz zu vielen Prognosen verlief das Einreisen ins Land völlig unproblematisch: Die Passkontrolleure waren extrem offen und freundlich (obwohl ich bei der Eingangsfrage, ob ich Fake News oder Real News produzieren würde, schnell überlegen musste, was wohl die richtige Antwort ist) und das Gepäck war fast schneller da als wir überhaupt am Ausgabeband ankamen.

Die Dame an der Ausgabe zum Mietwagen hingegen hatte nicht ganz so viel Lust auf ihre Arbeit – so war unser Eindruck – aber nach einigem Hin und Her konnten meine Fotografenkollegen Stefan Lafrantz, Tomas Holcbecher und ich dann doch unser Gepäck mit Hängen und Würgen in dem Limousinen-Mietwagen unterbringen. Der Mann an der Ausfahrtsschranke meinte es noch gut und sah wohl, dass wir fast am Verdursten waren. Er drückte uns drei Flaschen Wasser in die Hand. Meine Frage, wie hoch denn das “Speed Limit” sei, hatte er jedoch anders verstanden, als sie gemeint war: Er schaute irritiert und suchend auf das Armaturenbrett und dachte, dort die Lösung auf meine Frage zu finden. Als wir ergänzten “on the road” waren die Aussagen jedoch auch eher ungenau. Egal. Auf der Straße kamen wir besser zurecht als dann in unserem Hotel in Spartanburg – oder wie immer man es auch nennen mag. “Newly renovated rooms” heißt es draußen. Ok, der Begriff “Newly” ist sicher dehnfähig – und wir vermuten, dass das Auswechseln des Türschlosses mit dem aussagekräfigen Straßenschild gemeint sein könnte. Der Rest im Zimmer hat schon mal bessere Zeiten gehabt. Aber ja, wir werden uns – wie schon so häufiger – an die Umstände gewöhnen, und auch an die Umgebung, die noch etwas befremdlich auf uns wirkt. Oder eher auf mich. Ich bin nämlich zum ersten Mal hier in den Staaten und die alle paar Kilometer aneinander gereihten McDonalds, Burger King und Kentucky Fried Chicken sind jetzt nicht das, was ich mir für zwei Wochen täglich als Abendessen vorgestellt habe.

Ebenso gewöhnen müssen wir uns wohl auch an die erdrückende Luft. Die verspürte man schon beim ersten Tritt aus dem Flughafen: Man läuft gegen eine Wand. Zumindest fühlt es sich so an. Tief einatmen fällt schwer, beziehungsweise kommt da nicht viel an Frischluft nach. Aber ja, Gewöhnungssache.

Im Flieger hatten wir übrigens schon viel Begleitung: Die FN-Presseriege war mit am Start, ebenso Japan-Dressurcoach Christoph Koschel, die belgischen Buschreiter, die schwedische Vielseitigkeitsamazone Sara Algotsson-Ostholt und Faye Füllgräbe, Freundin von Olympiasieger Michael Jung. Der ist dieses Jahr gar nicht im Championatsteam, weil fischerRocana FST kurzfristig ausfiel. Und Faye? Was macht die dann auf dem Weg nach Tryon? Michis Stallkollegen, den Polen Pawel Spisak, als Groom assistieren. Weil sie ja dachte, eh vor Ort zu sein. Nun ja, nun reist Michael Jung selbst am Dienstag nach, um im Gelände Hilfestellung zu geben. Auch das – ein ungewohntes Bild. Der Schlafplatz von Faye war bei der Anreise übrigens auch noch nicht klar. Pawel hatte am Tag vorher gemeldet “Wir haben ein Problem”. Offensichtlich waren die Camper für die Grooms noch nicht rechtzeitig da. Die Pferdebox wäre immerhin eine Alternative – die ich im Grunde wohl selbst auch bevorzugen würde zu meinem Zimmer.

Wir haben noch ein paar Tage “Zeit”, um uns an Land, Leute und Zimmer zu gewöhnen, um dann auch in Tryon selbst einen Blick auf die Baustellen zu werfen. Mittlerweile tauchen überall Videos und Bilder auf, wo man Erdmassen nachts unter Flutlicht in Bewegung sieht und Massen an Brettern und allerhand Krempel in der Gegend rumliegen – als Überreste oder Baumaterial, man weiß nicht so richtig, für was. Geben wir den Jungs noch ein paar Tage – und uns auch. Wobei ich die Worte einer Kollegin, die im Voraus schrieb, es sei wohl besser, diesmal alles von Zuhause zu beobachten, aktuell unterschreiben würde.