FEI World Equestrian Games

Ich bin dann mal WEG: Top-Bedingungen in einer großen Baustelle

Nach zwei Tagen im leichten Urlaubsmodus fängt für uns nun das Erlebnis Weltreiterspiele an. Während wir bislang noch nicht das Tryon International Equestrian Center betreten durften, haben wir heute unsere Akkreditierung abholen können und sind derzeit in einem provisorischen Pressezentrum untergebracht. Provisorisch? Ja, das große Pressezentrum ist noch nicht fertig. Davon hatten wir ja schon gehört – so richtig glauben wollten wir es noch nicht. Wird am Ende ja doch immer viel geredet. Aber nein, nebenan wird noch richtig gezimmert. Treppen aus Holz werden angebracht, Fenster eingesetzt, da passiert noch richtig was. Ob wir morgen einziehen können, ist noch nicht ganz klar. Schlecht wäre es nicht, denn in dem “Legends Club”, in dem wir aktuell sitzen, ist es doch recht beengt. Morgen werden sicher noch einige Kollegen zu uns stoßen – und dann gerät der eigentliche VIP-Bereich für uns an die Grenzen. Allerdings sitzen wir hier – abgesehen von der räumlichen Knappheit – in einem wunderschönen Gebäude, aus massivem Holz gebaut, in echter Wohlfühlatmosphäre. Das Essen, was wir draußen bekommen, sollte wohl auch eher den Club-Mitgliedern dienen, wird uns heute aber noch angeboten. Wenn wir dann umziehen, werden wir vermutlich eher das bekommen, was Ingrid Klimke gestern als “nicht Sportler gerecht” bezeichnete. Die deutsche Buschreiterin, ihren Teamkollegen Kai Rüder und Chef d’Equipe Dr. Jens Adolphsen haben wir nämlich gestern bereits beim Treppentraining getroffen. Wie wir haben sich die drei auch zum Chimney Rock aufgemacht und sind dort hunderte von Treppen hochgewandert, um den Ausblick auf den Lake Lure zu genießen, jenen See, in dem die berühmte Hebefigur von Dirty Dancing gedreht haben. Das hat sich gelohnt, obwohl wir mächtig Wasser lassen mussten. Puh, was für eine schweißtreibende Angelegenheit bei tropisch-schwülen Bedingungen. Die Buschtruppe allerdings – durchtrainierter als wir – war am Ende noch nasser. Die kamen nämlich Mitten in den Starkregen, als wir uns die abtrainierten Kalorien bereits wieder durch einen Burger auffüllten. Da waren wir immerhin in der Gesellschaft der britischen Dressurmannschaft, die auch ihren Energiehaushalt wieder auffüllen musste.

Hauptstadion

Bauarbeiten am Pressezentrum und Stadion

Ingrid Klimke erzählte uns, dass sie nicht glaube, dass noch alles fertig werde in Tryon – und dass es furchtbar laut sei, weil so unglaublich viel gebaut würde. Und ja, sie hat recht. Ein Gewusel, Bagger hier, Schippen dort, matschige Wege, Container, die rumstehen… Es ist ein befremdliches Szenario für ein Turnier, das morgen seine Eröffnungsfeier haben soll. Ok, das Hauptstadion wird fertig sein, da werden gerade die letzten Stühle eingebaut. Und das, was da ist, ist beeindruckend. Die Holzbauweise, die vielen Hütten, die Reitplätze eingerahmt von Holzzäunen… – das hat richtig was. Aber leider steht und liegt noch so viel rum, ist noch so viel unaufgeräumt, wird noch so viel gehämmert und Erde umgewälzt, dass es schade ist, dass die Organisatoren nicht mehr Zeit hatten. Eingesprungen für Kanada, hatte man in Tryon 19 Monate Zeit, um das Mammutevent auf die Beine zu stellen. Fast nicht möglich. Erst recht nicht, wenn es den ganzen Winter und das Frühjahr über regnet. Aber: Die Amerikaner behalten die Ruhe. Sie arbeiten hart, aktuell wohl 24 Stunden, um vielleicht doch noch das Unmögliche möglich zu machen. Wir werden es sehen. Die Reiter jedenfalls schwärmen alle von den tollen Stallungen, top Böden und besten Bedingungen für die Pferde. Das ist das Wichtigste. Wie das die Fahrer sehen werden, steht aktuell in den Sternen…

Das Fahrstadion

Das Fahrstadion – eine große Baustelle

Das größte Projekt scheint derzeit das Fahrstadion. Hier sieht es noch aus als würde in einer Woche keine Kutsche über den Boden kommen. Hier stehen die Bagger, die die Erde von A nach B bewegen. Lassen wir uns überraschen. Nur sollten wir selbst wohl noch mal Shoppen gehen: Gummistiefel könnten wir die nächsten Tage wohl noch gebrauchen. Die hatte ich nicht mit im Gepäck. Bei 28-36 Grad? Hielt ich für unnötig. Da wusste ich aber auch nicht, dass die Wege hier noch nicht befestigt sind und möglicherweise Hurricane Florence auf uns zukommt. Wir können alle nur beten, dass der nicht kommt. Denn dann helfen uns auch keine Gummistiefel mehr.

Fotos: Lafrentz