Sönke Rothenberger, Dorothee Schneider, Isabell Werth, Jessica von Bredow-Werndl

Ich bin dann mal WEG: Starker Wein und chlorhaltiges Wasser

Wir konnten heute das Main Press Center beziehen. Fertig ist es nicht, aber hier lässt es sich arbeiten. Es gibt genug Plätze, das Internet ist schnell. Ok, die Stühle waren noch alle in Folie und es staubt an allen Ecken und Enden (man wünschte sich, der Rechner wäre in Folie) – aber es lässt sich gut arbeiten. Mal abgesehen von der Lautstärke, denn es wird nach wie vor überall gehämmert und verputzt. An Toiletten wurde nicht (oder noch nicht?) gedacht, aber wir gehen natürlich zwischendurch gerne ein paar Schritte, um eins der Toilettenhäuschen außerhalb aufzusuchen. Ansonsten wird weiter viel über Florence, den drohenden Hurricane diskutiert. Trifft er uns, trifft er uns nicht, erleben wir “nur” Ausläufer – und wenn ja, wie stark sind sie? Die einen sind besorgt, die anderen ziemlich cool. Wir alle hoffen, dass wir verschont bleiben.

Auch die deutschen Dressurreiter hoffen das. Sie kamen heute nach dem Vet-Check zu einem ersten Pressegespräch zusammen. “Es ist beeindruckend, wie sich die Baustelle von Tag zu Tag weiterentwickelt”, so Isabell Werth. “Sowas habe ich noch nicht gesehen.” Jessica von Bredow-Werndl erzählte, dass sie sich schon bei ihrem Vater bedankt habe, dass es in Aubenhausen in den letzten Jahren so viele Baustellen gegeben habe: “Meine Pferde haben vor Baumaschinen keine Angst.” Doch auch Sönke Rothenberger und Dorothee Schneider sowie Isabell Werth bestätigten, dass sich ihre Pferde superwohl fühlen würden. “Das war bisher alles super unproblematisch”, so Bundestrainerin Monica Theodorecu. Anders als bei der Quarantäne, in der sich die Pferde ungefähr 48 Stunden befanden, länger als nötig, wie Werth erzählte, die als einzige Reiterin die Betreuung der Pferde vor Ort mitübernehmen konnte. “Das war amerikanisch-kompliziert”, so die Weltranglisten-Eins. “Es war sehr warm und sehr anstrengend für die Pferde. Aber sie haben es top überstanden. Zugenommen haben wir auch nicht – wir haben alles ausgeschwitzt.”

Inwiefern die hohe Luftfeuchtigkeit und die Temperaturen in den nächsten Tagen einen Einfluss auf die Leistungen haben könnten, lässt sich noch nicht einschätzen. Während Monica Theodorescu glaubt, dass der heiße Sommer in Deutschland ein Vorteil sei und die Pferde wenig Probleme haben dürften, glaubt Werth schon daran, dass es die Pferde schlauchen wird. Vor starken Regenfällen fürchten sich aber alle.

Ansonsten haben alle nur kleinere Probleme zu händeln. So sind Jessica von Bredow-Werndl und Sönke Rothenberger derzeit regelmäßig im Walmart, um genug Wasser für ihre Pferde zu organisieren. Die verschmähen nämlich das auf dem Veranstaltungsgelände. Kann ich nachvollziehen. Das schmeckt und riecht nämlich wie ein Schwimmbecken – offensichtlich befinden sich Mengen an Chlor in dem Wasser, das wohl auch für uns aus der Leitung kommt. Gar nicht appetitlich. “Wir sind Dauerkunden im Walmart”, erklärte Monica Theodorescu lachend. “Wir sind wohl nicht mehr weit entfernt von einer Bonuskarte.” Ansonsten haben die deutschen Reiter auch schon Erfahrungen mit dem örtlichen Wein gemacht. Ein deutscher Abend wurde schon von der FN für alle Aktiven vor Ort organisiert, auf einem Weingut. “Der Wein ist kräftig, man muss aufpassen”, so die Bundestrainerin.

Bestens motiviert zeigte Sönke Rothenberger, der Jüngste im Team, der den Wein gut weggesteckt hat. Mit seinem Cosmo will er angreifen. Er will Weltmeister werden. “Natürlich wünsche ich mir das. Cosmo kann jeden schlagen, das hat er schon bewiesen”, so der Mannschaftsolympiasieger. Gleichzeitig weiß er, dass auch immer etwas schief gehen kann. “Deswegen muss man mit beiden Füßen auf dem Boden bleiben.”

Foto: Stefan Lafrentz