WEG Tryon

Ich bin dann mal WEG: Break-Even und Entschuldigungen

Die Weltreiterspiele sind nun fast zu Ende. Heute haben wir den Blick auf den Marathon der Fahrer, die auf einer verkürzten Strecke fahren und so den Berg, den die Buschreiter schon fürchteten, nicht mehrere Male erklimmen müssen – was angesichts der Hitze sicher die richtige Entscheidung war. Die Para-Reiter haben ihre Einzelentscheidungen, ebenso die Voltigierer. Es ist also nach wie vor genug los in Woche zwei der Weltreiterspiele.

Dafür ist die Baustelle kleiner geworden. Nicht alles ist fertig. Die Toiletten im Pressezentrum können immer noch nicht genutzt werden – aber wir haben genug erreichbare Alternativen – und der Staub muss nach wie vor in aller Regelmäßigkeit vom Laptop geputzt werden. Dafür sind die Dreckgruben vor der Presse mittlerweile geebnet und geteert und man kann kaum glauben, dass es vor einer Woche noch ganz anders aussah. Mark Bellissimo hat in der Tat etwas zu Stande gebracht. Der Gründer des Tryon International Equestrian Center, der über eine Vielzahl von Unternehmen verfügt, kam gestern für eine Frage-Antwort-Runde zu den Journalisten, erklärte gleich zum Auftakt, dass das Projekt der Weltreiterspiele in 18 Monaten nach der Absage von Bromont eine riesige Herausforderung gewesen sei. Ihm sei es aber wichtig gewesen, dass die Weltreiterspiele zustande kommen. Er wüsste, dass der Start sehr schwierig gewesen sei, mit den Unterkünften für die Pfleger, mit der abgesagten Kür, mit dem Distanzreiten. Sie hätten unglaublich viele Fehler gemacht, für die er sich entschuldigen müsste und die er alle auf sich nehmen würde. Bellissimo machte den Eindruck eines nahbaren Typen, mit dem man reden kann, der die Missgeschicke nicht wegzuwischen und vertuschen versuchte, der keine Ausreden suchte, sondern offensiv zu den Fehlern stand. Der aber gleichzeitig zu verdeutlichen versuchte, nicht nur den Blick auf das Negative zu legen, sondern auch das Positive zu sehen. Natürlich, die Bäder seien nicht fertig geworden und vieles schief gelaufen, aber der Großteil des Sports habe unter Bestbedingungen stattfinden können. Man hätte das Beste getan. Das sei nicht perfekt gewesen, sie seien Menschen, aber sie hätten die Weltreiterspiele am Leben erhalten. Stimmt. Und mit dem Equestrian Center vielen, vielen Menschen der Region einen Job gegeben. Die Menschen vor Ort wissen das zu schätzen.

Zwischen 200 und 250 Millionen US Dollar hat Bellissimo in Tryon in das Equestrian Center investiert. Wieviel genau, das konnte er gar nicht so richtig sagen. Vermutlich interessiert es ihn auch nicht. Geld scheint hier wirklich keine Rolle zu spielen. Das “operating budget” für die Weltreiterspiele selbst belaufe sich nur auf 30 Millionen US Dollar, so Bellissimo. Und da komme man wahrscheinlich auf einen Break-Even. Es ist eine Frage des Rechenschiebers, was man nun wirklich für die Weltreiterspiele einberechnet und was in den Grundetat für das Center zählt. Aber am Ende ist auch das in Tryon egal. Hier wird es weitergehen, hier werden regelmäßig Turniere stattfinden, die Reiterwelt wird hier aller Voraussicht nach eine weiteres Zentrum – Bellissimo spricht von einer “ganzen Stadt” – gebaut bekommen wie der Geschäftsmann schon in Wellington geschaffen hat. Und dort rollt der Rubel bzw. der Dollar.

Dei Frage ist, ob er aber wirklich noch einmal Weltreiterspiele austragen wird. Er bat darum, ihn erstmal Montag und Dienstag schlafen zu lassen. Dann würde er aber sicher einmal mit seinem Team darüber sprechen. Seine Vision: Weltreiterspiele, die zwischen zwei, drei festen Veranstaltern rotieren. Einer davon sollte in Europa sein. Dort aber zeigen sich seit Jahren alle verhalten. Es bleibt also weiter offen, ob wir morgen einen geschichtsträchtiges Ende erleben oder in vier Jahren wieder die Koffer packen können.