Christian Kukuk & Limonchello NT

Großer Preis Frankfurt: Christian Kukuk macht das Rennen

Was war das für ein Großer Preis von Hessen in der Frankfurter Festhalle: Es brauchte 17 Reiter, bis die erste Nullrunde stand. 13 Reiter schieden aus oder gaben auf. Das ist eine ganze Menge bei insgesamt 51 Teilnehmern im Feld. Doch so wurde die Spannung immer größer nach dem ersten fehlerfreien Ritt von Holger Hetzel (GER) und dem zwölfjährigen Holsteiner Wallach Legioner, ob es denn noch zu einem Stechen um die Mercedes A-Klasse kommen würde oder nicht. Mit Markus Renzel und dem zehnjährigen OS Wallach Cato v. Chequille war dann klar, dass es zu einem weiteren Schlagabtausch kommen würde. Hinzu gesellten sich noch der Italiener Luca Maria Moneta mit der neunjährigen estnischen Stute Herold N v. Heartbreaker/Haydn und Christian Kukuk mit dem neunjährigen westfälischen Hengst Limonchello NT.

Und dann wurde es Ernst… Holger Hetzel legte mit dem Limbus-Sohn eine gute Runde vor, doch Markus Renzel und der großrahmige dunkelbraune Cato unterboten die Zeit dennoch direkt. Dann kam der schnelle Italiener Moneta und wollte es wirklich wissen – doch die Stange am letzten Hindernis fiel und die Zeit hätte trotzdem nicht gereicht. Und schließlich noch Christian Kukuk, der 26-jährige Bereiter von Ludger Beerbaum, der nach einem dreifachen Schulterbruch, den er sich in diesem Jahr in Aachen zuzog, erst seit kurzem wieder im Sattel sitzt. Zurückhaltung war trotz des schweren Sturzes jedenfalls nicht zu merken – Kukuk riskierte alles, ritt stark – und ganz nach vorne. “Das schnelle Reiten ist normal nicht meine allergroße Stärke”, so Kukuk. “Wenn mal alles passt, kann aber auch mir sowas mal passieren. Der Chef war superhappy. Er hat Zuhause mit seiner Familie geguckt und sich alle tierisch gefreut.” Sechsjährig kam Limonchello NT zu Kukuk, der nur lobende Worte fand: “Wir verstehen uns echt gut. Mir macht es unheimlich viel Spaß, ihn zu reiten. Ich wusste nicht, dass er so schnell gehen kann, aber heute haben wir gezeigt, dass das doch funktionieren kann. Er ist superlieb, fast schüchtern als Hengst, er ist unheimlich schön zu reiten und hat immer die oberste Stange im Visier.” Als einen der größten Erfolge bezeichnete Kukuk den Sieg im Großen Preis, in einem der bedeutendsten Großen Preise von Deutschland, wie er sagte. “Das ist das Beste, was mir bisher passiert ist”, so der 26-Jährige.

Auch Markus Renzel freute sich riesig über seinen zweiten Platz: “Mir ist ein großer Stein vom Herzen gefallen. In sechs Großen Preisen hatte mein Pferd sechs Mal einen Fehler. Dann wird man ein bisschen nervös. Ich war schon super happy, als ich im Großen Preis null war und war super erleichtert. Mein Pferd hat im Stechen schön mitgemacht und trotz seiner Größe bewiesen, dass er nicht so langsam ist.”

Holger Hetzel, der als Erster ins Stechen musste, war nicht weniger zufrieden: “Ich war schon letzte Woche in Salzburg im Großen Preis platziert. Das Springen heute war sehr schwer und technisch. Wenn dann nur vier Mann im Stechen sind, nimmt man mehr Risiko, aber für mich als erster Starter war die Frage ‘Innen oder Außen’ und ich bin dennoch sehr zufrieden mit meinem dritten Platz.”

Paul Schockemöhle, Turnierleiter, zog ein Fazit zum Großen Preis: “Ich glaube, das war ein fairer Parcours. Viele Fehler passierten am letzten Sprung – und da immer die erste Stange, ich glaube, weil der Sprung zum Ausgang ging. Grundsätzlich war der Parcours in den Distanzen fair. Dass dann mal nur vier Nuller sind, passiert.” Auch zum kritisierten Zeitplan nahm Schockemöhle augenzwinkernd Stellung: “Im nächsten Jahr möchten wir das Turnier straffen. Isabell Werth hat im Grunde recht. Ich habe ihr aber gesagt, dass wir nächstes Jahr um drei Uhr morgens anfangen – dann bist du sicher nicht da, denn so konnte auch in diesem Jahr mein Pferd den Burg-Pokal gewinnen. Nein, aber wir werden was streichen müssen und das werden wir auch.”

Foto: sportfotos-lafrentz.de