Andreas Ostholt

Große Enttäuschung bei Andreas Ostholt: “Man fühlt sich sehr alleine!”

Was heute Morgen als Mitteilung verkündet wurde, wusste Andreas Ostholt bereits seit Sonntagabend: Er wird nicht bei den Olympischen Spielen an den Start gehen. Ein Eisen hatte sich “Soey” (So is et) kurz vor dem Trainingslager runter getreten und in Bonn beim Trainingslager war der Westfalen Wallach bei der Ankunft nicht ganz klar. Doch wenige Stunden später unterm Sattel konnte man nichts mehr feststellen. Hans Melzer erklärte: “Wir haben das Pferd auf allen Böden mehrfach getestet und er war da immer ok, auch, wenn er geritten wurde, kam keine Veränderung am Pferd auf. Nur aus dem kalten Zustand war er immer mal auffällig.” Ein Wechsel des Reiters vor der Abreise empfanden die Trainer aber nicht als nötig, obwohl in Rio das Argument geäußert wurde, dass ein Restrisiko bleibe – und deswegen Julia Krajeweski in der Mannschaft starten wird. “Das Pferd hatte keine akute Verletzung, deswegen war es nicht notwendig, einen Nachrücker mitzunehmen”, so Melzer weiter.

Chris Bartle, der Diszplintrainer, habe dann die frühzeitige Entscheidung am Sonntag getroffen, um Ruhe ins Team zu kriegen, erklärte Melzer. Und diese Entscheidung würde er mittragen. “Das Team ist die erste Prämisse. Es war eine harte Entscheidung. Andreas ist viel erfahrener als Julia und wir hätten ihn deswegen gerne im Team gehabt, aber wenn man ein anderes Pferd hat, das 100-prozentig fit ist und das auch ein Ergebnis für die Mannschaft bringen kann, wollten wir einfach den Weg der Risikominimierung gehen. Für den Reiter ist das natürlich eine Katastrophe. Olympische Spiele sind etwas besonderes. Für ihn ist das nur schwer zu verstehen – wofür ich auch Verständnis habe – und man kann darüber auch nicht glücklich sein.”

Andreas Ostholt unterdessen standen die Tränen in den Augen: “Ich wusste das bereits seit Sonntag. Ich war keine drei Stunden hier, da habe ich die Entscheidung mitgeteilt bekommen und musste dann alle, die mit mir gereist sind, aber auch die Zuhause, anlügen und sagen, dass es mir gut geht. Das war keine tolle Woche. Man fühlt sich dann sehr alleine.”

Andreas Ostholt & So is et

Andreas Ostholt & So is et

Das Pferd, so erklärte er, habe sich – und das hätten alle sehen können – in den Tagen in Rio hervorragend unter dem Sattel gezeigt. “Deswegen hatte ich gehofft, dass sich die Mannschaftsführung noch mal umentscheidet”, so der Leiter des Bereichs Reitsport an der Sportschule der Bundeswehr in Warendorf. “Natürlich trage ich die Entscheidung mit und wir haben auch ein super Klima im Team. Das Team kann ja nichts für die Entscheidung. Ich hätte gerne aktiv zu einer Mannschaftsentscheidung beigetragen, werde jetzt aber – soweit es geht – von außen helfen.”

Den Geländekurs stuft Andreas Ostholt, der in diesem Jahr in Badminton Zweiter wurde, als typischen Michelet-Kurs ein, sehr schwer, “aber meine Katze wäre bestimmt durchgeflitzt, Soey hätte es wohl echt gelegen”. “Ich hatte deswegen schon so viele Fotos vom Kurs ins Internet eingestellt, weil ich ja wusste, dass ich nur noch als Tourist unterwegs bin”, erklärte er weiter. “Mein erster Traum war Badminton”, so Ostholt, “mein zweiter Traum ist nun zerstört. Ob sich dieser Traum überhaupt noch mal erfüllen lässt, weiß ich nicht, da ich ja ab nächstem Jahr mehr Traineraufgaben wahrnehme.” Die Entscheidung nicht ganz nachvollziehen konnte der Reiter, das war offensichtlich: “Man muss immer versuchen, beide Seiten zu sehen, aber man muss es auch mal reflektieren. Wenn ich ja selber das Gefühl gehabt hätte, das Pferd ist nicht ok, wäre es was anderes gewesen, aber ich glaube, ich habe berechtigt geglaubt, dass die Entscheidung noch kippen könnte.”

Jula Krajewski & Samourai du Thot

Jula Krajewski & Samourai du Thot

Viel Mitgefühl für ihren Mannschaftskollegen hatte Julia Krajewski, die nun als Ersatzreiterin mit Samourai du Thot einspringen wird: “Ich habe es Andreas sehr gewünscht. Das ist eine ganz schwierige Situation. Für ihn persönlich ist das ganz schwer, aber auch für mich nicht einfach. Aber ich bin ja selber Trainer und denke, dass unsere schon das Richtige entscheiden. Allerdings musste ich schlucken, als wir das mitgeteilt bekommen haben, ich habe es mir nicht gewünscht, zu reiten und habe mich drei Wochen auf die Reserverolle eingestellt und auch darauf gefreut.” Gleichzeitig aber freut sich die Championatsdebütantin natürlich über ihre Chance: “Ich musste einmal tief durchatmen, aber morgen muss ich einen Strich darunter setzen und hoffe, dass ich nicht nur mitgezogen werde vom Team.”

Ingrid Klimke & Horseware Hale Bob

Ingrid Klimke & Horseware Hale Bob

Viel gesprochen hat Krajewski in den letzten Tagen mit Ingrid Klimke, die sich über ihre Rolle als vierte Reiterin freut, aber auch weiß, dass das kein Freifahrtschein ist: “Wer weiß, ob es nicht am Ende auch auf mich ankommt.” Den Kurs stuft die Erfahrene als sehr schwer ein, als einen reellen Vier-Sterne-Kurs, der sie ein bisschen an Sydney erinnern würde. “Es ist unheimlich Kondition gefragt, es geht bergauf-bergab und man muss gucken, wo man Zeit rausholen kann. Am ersten Berg sollte man es sicher noch nicht übertreiben. Überhaupt gibt es unheimlich viele Sachen, die auf Linie zu reiten sind, die man ganz genau anreiten muss”, so Klimke. Vor allem Sorgen macht ihr ein Frosch, der steht im letzten Wasserkomplex. “Der ist richtig blöd”, erzählt die 48-Jährige. “Der kommt auch erst nach neun Minuten und steht da für mich überflüssig im Wasser. Der kann zur richtigen Klippe werden, ist grün und hebt sich damit nicht mal richtig vom Wasser ab.”

Michael Jung & Sam

Michael Jung & Sam

Auch Michael Jung, amtierender Mannschafts- und Einzelolympiasieger, stuft das Gelände als sehr schwer ein: “Im Gelände wird sicher was gedreht. Es wird sehr anstrengend und ist ein schwerer Kurs. Aber die Sprünge sehen toll aus und der Boden ist sehr gut. Ich versuche es einfach, locker anzugehen. Ich weiß aber auch, dass viel passieren kann. Dass ich die zweiten Olympischen Spiele mit demselben Pferd reite, ist ein besonderes Gefühl und ich freue mich drauf. Sam ist in richtig guter Form.”

Sandra Auffarth nimmt es ebenso nicht zu locker: “Da sind schon ein paar gute Aufgaben drin, ein paar Sachen, bei denen man sich wirklich konzentrieren muss. Ganz am Anfang sind zwei Ecken, die echt frech gebaut sind und am Ende kommt ein Tisch auf ein Gatter, das ist eine nicht so tolle Linie. Aber Wolle ist ja sehr erfahren und ich denke, dass wir das meistern können.”

Sandra Auffarth & Opgun Louvo

Sandra Auffarth & Opgun Louvo

Die Startzeiten stehen nun auch fest. Erste deutsche Reiterin ist Sandra Auffarth morgen um 11:20 Uhr Ortszeit (16:20 Uhr in Deutschland), um 14:58 Uhr (19:58 Uhr) folgt Michael Jung. Am Sonntag ist Julia Krajewski dritte deutsche Starterin um 11:44 Uhr (16:44 Uhr), Ingrid Klimke folgt dann um 15:22 Uhr (20:22 Uhr).

Fotos: Stefan Lafrentz