Matthias Alexander Rath & Totilas

Große Diskussionen um 75,971 Prozent von Matthias Rath und Totilas

Ist er ungleich, ist er lahm? Die Gemüter gingen hoch nach dem Grand Prix von Matthias Rath und Totilas in der Teamwertung der EM in Aachen. Und die unterschiedlichen Meinungen wurden auch durch die Richterurteile widergespiegelt: Drei Richter (aus Dänemark, den USA und Großbritannien) sahen den Rappen nach dem Ritt auf der eins, die Deutsche Katrina Wüst und der Franzose Jean-Michel Roudier hatten den Reiter aus Hessen auf Rang 11 und 12. Nach dem Ritt jubelte Matthias Rath los, er hatte das Gefühl, eine gute Prüfung gezeigt zu haben. “Wie man auf 72 Prozent kommt, weiß ich nicht”, schüttelte Rath fassungslos den Kopf. “Einmal hat er gezögert beim Rückwärtsrichten und zwei Einer waren etwas kurz hinten – aber dafür eine 5? Was geben die Richter, wenn einer die Wechsel gar nicht springt?”

Schwierig einzuschätzen waren die Pfiffe aus dem Publikum gleich zu Anfang der Prüfung: Gab es sie für den diskutierten Trab, für den es von manchen Richtern nur 4er und 5er gab – oder weil das Live-Scoring bei Rath ausgefallen (oder abgeschaltet?) war? “Ich habe mich darüber gewundert”, so der Reiter, “aber irgendwann habe ich da nicht mehr hingehört.”

Dennoch: Matthias Rath kam mit einem guten Gefühl aus dem großen Springstadion. Auch alle um ihn herum waren zufrieden. “Das sind ja auch nicht alles Amateure”, erklärte Mannschaftszweite der Europameisterschaft von 2011. Sauer auf die Richter war Matthias Alexander Rath allerdings nicht. “Das gehört zu unserem Sport dazu. In erster Linie finde ich es jetzt schade für die Mannschaft. Jetzt muss Kristina alles versuchen.” Ob er im Special wieder antritt, steht für Rath gar nicht zur Diskussion: “Klar. Man gibt ja nicht auf, nur weil sieben das teilweise anders sehen.”

Die deutsche Bundestrainerin Monica Theodorescu zeigte eine verhaltenere Reaktion: “Ich war weit weg. Die Richter sitzen dichter dran und haben vielleicht eher etwas gesehen, was ihnen nicht gefallen hat. Wir reden nun über die, die zu wenig gegeben haben, aber vielleicht müssen sich am Ende auch die rechtfertigen, die 80 Prozent gegeben haben.” Einen Skandal allerdings konnte Theodorescu nicht erkenne. “Das ist Quatsch. Auf so einem Niveau sollte es allerdings nicht solche Unterschiede geben.” Auf die Frage, ob sie sehen konnte, ob Totilas unklar ging, antwortete das Teamoberhaupt: “Nein, dafür war ich zu weit weg, das konnte ich nicht sehen. Für mich war der Ritt gefühlt Richtung 80 Prozent, aber gefühlt – wie gesagt, ich war weit weg. Und auf dem Abreiteplatz war er noch gut.”

Nun wird der Druck auf Kristina Sprehe als Schlussreiterin mit Desperados noch größer. Derzeit in Führung ist Hans Peter Minderhoud mit Glock’s Johnson TN (77,586 Prozent).

Foto: Karl-Heinz Frieler