Isabell Werth & Bella Rose

Glück und Pech liegen dicht beisammen: Werth gewinnt Grand Prix, Deutschland in Führung

Die Enttäuschung war groß, als Helen Langehanenberg als erste Teamreiterin im Nationenpreis von Aachen das Viereck verließ. 71,239 Prozent – zu wenig für ihre eigenen Erwartungen, zu wenig, um sich Hoffnungen auf einen Teamplatz für die Euro zu machen. Da hatte Sönke Rothenberger im Grand Prix der I-Tour zu gut vorgelegt und da hatten ihre Teamreiter am selben Tag zu gut nachgelegt. Doch Isabell Werth, die die Prüfung erwartungsgemäß mit ihrer Top-Stute Bella Rose als Schlussreiterin für Deutschland gewann, erklärte: “Helen hat das noch super gemeistert. Der Hengst hatte heute einfach nicht die richtige Einstellung und sie hat noch Schadensbegrenzung betrieben.” Auch Bundestrainerin Monica Theodorescu nahm ihre Teamreiterin in Schutz: “Helen hatte leider Pech. Aber das gehört zu unserem Sport dazu. Nach Höhen kommen auch immer wieder Tiefen. Das haben wir alle schon erlebt. Aber Helen kennt den Hengst gut und ist mental stark genug, das zu verarbeiten.”

Helen Langehanenberg & Damsey FRH

Helen Langehanenberg & Damsey FRH

Am Samstag im Special werden die beiden es noch mal besser machen können. Derzeit für die deutsche Mannschaft mit 242,392 Punkten vor Dänemark mit 228,174 Punkten und den USA mit 225,392 Punkten.

Der Grand Prix wurde klar von Werth und der Westfalen Stute Bella Rose gewonnen – 82,783 Prozent gab es und in der Pi-Pa-Tour hagelte es 10er. “Das war eine tolle Prüfung, sie war hochgradig konzentriert”, lobte Werth ihre Stute. “Die Fehler in den Einerwechseln waren unnötig wie ein Kropf.” Doch die Fehler fielen nicht wirklich ins Gewicht – das erklärte auch Theodorescu, die die Pi-Pa-Tour “irre” fand.

Dorothee Schneider & Showtime FRH

Dorothee Schneider & Showtime FRH

Zweite im Grand Prix wurde Dorothee Schneider mit einem fulminant auftretenden Showtime FRH – 80,609 Prozent gab es für eine nahezu perfekte Vorstellung.

Platz drei ging an die Britin Charlotte Dujardin auf ihrem “Leihpferd” Erlentanz. Der Trakehner Wallach v. Latimer ist quasi durch einen unglücklichen Zustand in ihren Beritt bekommen – ihr Schüler Sonnar Murray-Brown, der “Erly” sonst reitet, hatte sich im März das Bein gebrochen. Dujardin übernahm auf seine Anfrage. “Es ist so eine Freude, ihn zu reiten, er macht so viel Spaß”, freute sich Dujardin, die zum letzten Mal zur Euro 2015 in Aachen am Start war und nun mit 79,152 Prozent zu ihrer eigenen Überraschung Dritte wurde. “Unsere persönliche Bestleistung in einem Fünf-Sterne-GP – das ist schon toll. Er lernt so schnell. Und er hat vor nichts Angst – das macht meinen Job sehr leicht. Am Anfang war er noch etwas schüchtern, aber er gibt mehr und mehr und will sich nun zeigen.”

Jessica von Bredow-Werndl & TSF Dalera BB

Jessica von Bredow-Werndl & TSF Dalera BB

Aus dem Häuschen war auch Jessica von Bredow-Werndl, die mit ihrer Trakehner Stute TSF Dalera BB mit 79,00 Prozent Vierte wurde. “Wir sind noch mit angezogener Handbremse gesartet und dadurch hatten wir ein paar Fehler”, so die Reiterin aus Bayern. “In der Zick-Zack-Traversale hatten wir eine Kleinigkeit, beim Angaloppieren war meine Hilfe etwas zu sanft und beim Rückwärtsrichten hat sie auch von alleine zu viel mitgedacht – aber sie ist einfach eine Maschine. Wir sind immer noch am Anfang einer sicherlich tollen Reise – und das Ziel ist Olympia.”

Fotos: Frieler