Isabell Werth & QC Flamboyant OlD

Fußball-Atmosphäre in der Festhalle beim Nürnberger Burg-Pokal: Werth gewinnt zum vierten Mal

Eins weiß man nach diesem Finale des Nürnberger Burg-Pokal in der Festhalle Frankfurt ganz sicher: Das Publikum – die Festhalle war ausverkauft – ist dressurbegeistert und weiß seine Meinung zu äußern. Es war nicht nur einmal, dass es lautstarke Pfiffe gab, als die Richterergebnisse aufleuchteten. Am lautesten allerdings waren sie, als Hubertus Schmidt und Escolar nach tosendem Applaus nur auf den zweiten Platz hinter Isabell Werth und QC Flamboyant OLD gesetzt wurden. Der Westfalen Hengst unter Hubertus Schmidt hatte sich in Bestform präsentiert, wurde auch von den Richtern an der langen Seite vorne gesehen, doch die drei Richter an der Kopfseite hatten Werth mit dem fünfjährigen Bundeschampion vorne. Mit 77,780 Prozent siegte Werth mit dem neunjährigen Oldenburger Wallach v. Fidertanz/De Niro (Z.: Werner Meyer) zum vierten Mal bei insgesamt acht Finalteilnahmen.

Hubertus Schmidt & Escolar

Hubertus Schmidt & Escolar

77,195 Prozent gingen an Schmidt und den Estobar NRW/Fürst Piccolo-Sohn aus der Zucht von Sabine Ludwichowski. Er war der Sieger der Herzen und auch Werth selbst musste zugeben: “Ich glaube, alle hätten auch gut damit leben können, wenn das Ergebnis anders rum gewesen wäre. Das Publikum hat ja seine Meinung gezeigt. Es war ein bisschen Fußball hier. Aber ich finde das gut.”

Chefrichterin Katrina Wüst erklärte im Anschluss: “Es gab eine Diskrepanz zwischen den Richtern an der langen und der kurzen Seite. Was die Richter an der langen Seite vielleicht nicht gesehen haben, ist, dass Escolar nicht nur nach dem starken Galopp, sondern auch schon nach dem Mittelgalopp einmal umgesprungen ist.”

Hubertus Schmidt, der den zweifachen Bundeschampion seit seinem vierten Lebensjahr im Stall hat, war dennoch glücklich: “Er ist ja noch sehr grün. Das war unser fünftes Turnier dieses Jahr. Und ich war heute in der Rückführung im starken Galopp nicht ganz so geschickt – das geht auf meine Kappe.”

Isabell Werth hingegen hatte mit einem von der Atmosphäre beeindruckten “Flambi” gut zu tun: “Er war heute doch etwas schüchtern in der Vorwärtstendenz. An der langen Seite hat er mit dem Richtertisch kokettiert, aber insgesamt haben wir beide wohl einen ganz guten Job gemacht. Er hat sehr viel Kraft, aber doch noch ein kleines Herzchen.”

Matthias Bouten & Quantum Vis MW

Matthias Bouten & Quantum Vis MW

Ganz glücklich mit seinem dritten (und vierten Platz) war Matthias Bouten. Den Hannoveraner Hengst Quantum Vis MW v. Quaterback/Gloster (Z. u. B.: Maja Wieczorek) ritt er zu 76,341 Prozent und auf Platz drei, den Hannoveraner Hengst Bodyguard v. Burlington/Pik L (Z:: ZG Frieling) zu 74,146 Prozent und auf den vierten Rang. “Besser geht es fast nicht”, strahlte der ehemalige Bereiter von Isabell Werth. “Bodyguard ist über sich hinaus gewachsen, denn auf den ersten Blick ist er nicht der spektakulärste – und Quantum, der noch nicht ganz so in sich ruht, hat einfach überragende Grundgangarten.”

Auch, wenn in diesem Jahr die Rangierung stark in der Kritik stand, war das Finale erneut ein echtes Highlight. Isabell Werth: “Der Nürnberger Burg-Pokal ist zu einer echten Marke geworden. Im Ausland gucken alle darauf, was für Pferde die Deutschen zu bieten haben.”

Fotos: Karl-Heinz Frieler