Prof. Dr. Jens Adolphsen, Hans Melzer, Julia Krajewski, Andreas Dibowski, Ingrid Klimke, Kai Rüder

Die deutschen Buschreiter über ihre Ziele in Tryon und ihre ersten Eindrücke vom Gelände

Nachdem die Vielseitigkeitsreiter heute zum ersten Mal im offiziellen Dressurviereck trainieren durften, kam die deutsch Equipe zu einem Pressegespräch zusammen und plauderte über Eindrücke, Ziele und das Gelände…

Andreas Dibowski, der mit der jungen Corrida den Sprung ins Team geschafft hat, wusste schon vor zwei Jahren, dass er in Tryon an den Start gehen will. Damals war er nämlich schon einmal auf der Anlage. “Da wusste ich, dass ich alles daran legen werde, dabei zu sein”, so Dibo. Während Kai Rüder von einer “besonderen Ehre” sprach, dabei zu sein – zum ersten Mal im Team übrigens – empfindet es auch Ingrid Klimke als “ein Geschenk”, es sei nicht selbstverständlich, jedes Jahr bei einem Championat dabei zu sein. Sie selbst gab die Marschrichtung vor: “Wir sind hier, um anzugreifen, wir haben tolle Paare, und ich selber will erst recht angreifen.”

Bundestrainer Hans Melzer erklärte seine Mannschaftsaufstellung: “Kai startet als erster. Er ist erfahren, kennt seinen Job als Pathfinder und wir wissen, dass er ein Dressur-Ergebnis abliefern kann. Sein Pferd hat außerdem noch nie einen Geländefehler gemacht. Julia ist Zweite – sie hat auch immer schon am ersten Dressurtag gute Ergebnisse abgeliefert. Und als Zweite kann sie unbekümmert angreifen im Gelände. Dibo hat ein jüngeres Pferd – er kann als Dritter erstmal gucken, wie der Kurs läuft und kann sich vielleicht für die eine oder andere Variante entscheiden. Und Ingrid als Schlussreiterin weiß, dass sie eventuell auch mal eine längere Tour reiten muss für das Mannschaftsergebnis – das kennt sie bereits. Sandras Pferd hat erst während der Saison so richtig Fahrt aufgenommen. Sie ist daher die Einzelreiterin, nachdem Michi ausgefallen ist.”

Von dem Gelände zeigte sich der Bundestrainer besonders beeindruckt. Es sei ein großer Aufwand betrieben worden, es gäbe unglaublich viele Alternativen, die ohne Kringel zu reiten wären und immer geradeaus. “Außerdem gibt es eine sehr interessante Wasserkombi, die von A bis G gesprungen wird – so etwas hatten wir auch noch nicht”, so der Coach. Nach 6:45 Minuten allerdings, so Melzer weiter, ginge es eineinhalb Minuten reell bergauf, wie bei der Tour de France den Alpe D’Huez. “In die Zeit zu reiten, wird sicher schwierig”, so Melzer.

Auf die Frage, wieviel Wasser die Strecke abkönne – da ja die Ausläufer von Hurricane Florence zu erwarten seien, meinte der Bundestrainer: “Da habe ich eigentlich keine Bedenken. Man hat das Gefühl, dass die Trasse viel abkann.”

Kai Rüder hat sich das Gelände noch nicht angeguckt. Der Mannschaftsneuling hat sich erstmal auf die Dressur konzentriert – er ist als Erster dran. Der viele Lärm im Umfeld der Anlage sei dabei eine gute Generalprobe gewesen, so Rüder. Und auch er macht sich über das kommende Wetter wenig Gedanken: “Ich komme von der Insel – wir nehmen auch da das Wetter, das da ist. Das könnte ein Heimvorteil sein.”

Ingrid Klimke nahm Stellung zu dem Ausfall von Michael Jung: “Michi ist immer für ein top Ergebnis gut. Aber wir haben starke Reiter und alle haben schon richtig gute Leistungen gebracht. Wir haben auch schon ohne Michi Championate gewonnen. Natürlich – vielleicht wären wir am Ende froh, er wäre dabei gewesen, aber Michis Rocana ist auch shcon mal im Wasser in Burghley nicht angekommen.” Über das kommende Wetter macht sich auch die amtierende Europameisterin keine Gedanken. Sie würden schon einen Plan B oder C haben, denkt Klimke. Der Kurs von Mark Phillips, so die Reiterin, fordere alles ab, Reiter und Pferde müssten aufmerksam sein, aber es sei ein schöner Kurs. Allerdings müsse man sich angesichts der vielen Alternativen gut überlegen, ob wo man lang reiten wolle. Der Kurs biete aber viele Erholungssprünge und bis zum ersten Graben an fünf komme man auch schön ans Galoppieren. Dennoch merkte Klimke an: “Ich freue mich, ein erfahrenes Pferd zu haben.” Fallen, wie oft auf anderen Kursen, sehe sie jetzt im ersten Moment aber nicht.

Auch Julia Krajewski freut sich auf das Cross Country mit Chipmunk: “Das Gelände ist schön und aufwendig gebaut, mit vielen Details. Man muss über die Alternativen nachdenken, die zum Teil nicht viel Zeit kosten.” Ihr Chipmunk sei fit und mit ihrem zweiten Platz im Team habe sie sich auch angefreundet. “Ich denke, er kriegt seine Punkte trotzdem, das hat er in Bramham auch”, so Krajewski. “Außerdem bin ich selbst Trainerin und weiß, dass man so eine Entscheidung eben auch treffen muss.” An ihre zwei vergangenen Championate, die im Gelände endeten, denkt die Reiterin nicht mehr groß nach: “Das habe ich in der Vergangenheit getan, klar, aber ich sage mir: Das hier ist ein Turnier, wie ich jedes andere auch reiten würde und für Chipmunk ist es ja auch nichts anderes. Er weiß es nicht anders. Klar hat man mehr Druck im Team, aber ich empfinde es nicht als mehr Druck als beispielsweise in Aachen.”

Foto: Stefan Lafrentz