Isabell Werth & Emilio

Deutschland – und Werth – finden zurück an die Spitze

Jeder stellte sich die Frage an diesem Tag: Würde Emilio nach dem Verweigern in den Piaffen am Donnerstag heute wieder seinen Job tun? Isabell Werth war schon gestern Abend zuversichtlich. Nach dem Wechseln des Gebisses fühlte sich der Westfalen Wallach wieder wohl, sie hatte ein gutes Gefühl. Und sie konnte sich darauf verlassen. Mit 79,129 Prozent gewann die Weltranglisten-Erste den Grand Prix Special der O-Tour. “Wir haben sehr viel nachgedacht seit Donnerstag”, so die Reiterin. “Aber ich muss sagen, dass ich nicht sensibel genug war, in das Pferd richtig reinzuhören. Das tut mir wirklich sehr leid für Emilio. Ich habe zu viel Konzentration auf Bella Rose gelegt und ihm nicht genug zugehört. Er war dann geradezu beleidigt und ich fühle mich echt schuldig deswegen. Aber ich glaube, er ist jetzt wieder glücklich mit mir. Wir konnten einen sicheren Test ohne große Fehler zeigen.” Wieder hatten die beiden Fehler in den Wechseln, aber sonst passte es bei den beiden.

Helen Langehanenberg & Damsey FRH

Helen Langehanenberg & Damsey FRH

Rang zwei – allerdings knapp dahinter: Helen Langehanenberg mit Damsey FRH, ihrem Hannoveraner Hengst v. Dressage Royal-Ritual, der mit 79,021 Prozent zurecht für seine Leistung hoch benotet wurde. Zwei Richter hatten die beiden sogar vorne. Langehanenberg hat kurz nach ihrer Geburt beim ersten Turnier ihre Wettkampfqualitäten einmal mehr unter Beweis gestellt und gezeigt, dass sie für Tryon bereit ist. “Ich dachte, Donnerstag wäre schon mein bester Tag – aber das stimmte nicht”, lachte die zweifache Mutter. “Damsey hat sich sehr frisch angefühlt, obwohl es heute sehr heiß war. Er hat mir ein ganz sicheres Gefühl gewesen und es fühlte sich alles sehr leicht an.”

Platz drei in der Prüfung ging an die US-Amazone Kasey Perry-Glass mit dem Diamont Hit-Sohn Goerklintgaards Dublet (78,787 Prozent). Doch wo bleibt die Grand Prix-Siegerin Laura Graves mit dem KWPN Wallach Verdades? Mit 74,085 Prozent weit hinten – Rang elf. Der 16-jährige hatte eine TV-Kamera wohl erst im letzten Moment entdeckt und sich erschreckt. Jedes Mal hatte die US-Reiterin Probleme, ihn durch die Ecke zu bewegen.

So kam es am Ende dann auch dazu, dass die Deutschen den Sieg im Nationenpreis perfekt machten und die Führung zurückholten. Mit 464,351 Prozent siegte die Mannschaft von Monica Theodorescu vor USA mit 459,371 Prozent und Dänemark mit 444,106 Prozent.

Dorothee Schneider & Sammy Davis Jr.

Dorothee Schneider & Sammy Davis Jr.

Mit am deutschen Mannschaftserfolg beteiligt waren Dorothee Schneider und Sammy Davis Jr., die mit 76,404 Prozent an sechster Stelle direkt vor Jessica von Bredow-Werndl und TSF Dalera BB mit 76,255 Prozent lagen. Erneut hatte die Trakehner Stute v. Easy Game das Nachsehen gegen die Mannschaftskameraden und Jessica von Bredow-Werndl ärgerte sich, nicht noch mal in der Kür zeigen zu können, dass es in ihnen steckt: “Ich sitze hier mit einem lachenden und einem weinenende Auge. Der Fehler in der Piaffe war sehr, sehr teuer und ein Missverständnis. Sie entwickelt sich so schnell, dass ich das gar nicht so schnell realisieren kann.”

Dorothee Schneider hingegen war trotz ihrer Fehler in den Einerwechseln wieder sehr  zufrieden. “Ok, ich hatte die Fehler auch ohne Hase im Viereck”, lachte sie, “Aber er war so gut drauf und ist einfach so ein charmanter Kerl. Ich bin echt super happy.”

Jessica von Bredow-Werndl & Dalera BB

Jessica von Bredow-Werndl & Dalera BB

Für den deutschen Disziplinausschuss wird es schwer werden, sich für die richtigen Paare zu entscheiden, vor allem, wenn Cosmo mit Sönke Rothenberger rechtzeitig zurück sein sollte. “Wir wissen, dass wir einige Probleme hatten mit Pferden”, so Equipechef Klaus Röser, “aber das hier war ein sehr starkes Team und wir sind in der zweiten Halbzeit zurückgekommen. Einige werden sich aber noch mal beweisen müssen. Wir werden in aller Ruhe entscheiden.”

Fotos: Stefan Lafrentz