Daniel Deußer & First Class

Deutschland bleibt weiter im Geschäft – Vier Mannschaften mit null Fehlern

Der erste Umlauf der Mannschaftswertung Springen bei den Olympischen Spielen ist vorbei und vier Mannschaften – die USA, die Niederlande, Brasilien und Deutschland – liegen mit null Fehlerpunkten vorne. Auch Frankreich steht mit nur einem Zeitstrafpunkt nach der ersten Runde da. “Ich kann mich nicht erinnern, dass es das je gegeben hat”, so der deutsche Bundestrainer Otto Becker. “Das war technisch zu leicht”, war die Analyse des Coaches eindeutig, während seine Reiter alle der Meinung waren, dass man vom Abgehen her mehr Fehler erwartet habe, es sich aber besser habe reiten lassen als gedacht. Becker weiter: “Von den Abmessungen her war es ok, aber technisch eben zu einfach. Allerdings kann ich es verstehen, dass man es am Anfang noch nicht übertreibt mit den schwächeren Nationen. Morgen wird – und muss – es sicher anders werden.”

Zu den acht Nationen, die morgen den zweiten Umlauf bestreiten dürfen, gehören neben den genannten fünf noch Kanada, Schweden und die Schweiz. Überraschend schlecht lief es für die Briten, die alle Fehler machten und nur Rang zwölf belegen. Auch Spanien schloss nur einen Platz besser ab.

Christian Ahlmann & Taloubet Z

Christian Ahlmann & Taloubet Z

Für Deutschland lief es ähnlich gut weiter wie schon im Quali-Springen vor zwei Tagen. Erneut startete Christian Ahlmann mit dem KWPN Hengst Taloubet Z v. Galoubet A/Polydor mit einer fehlerfreien Runde in den Wettkampf. Als 36. Starter waren vor ihm bereits einige Nuller, doch erzählte der Reiter aus Marl: “Das war heute schon ein Ticken mehr als vor zwei Tagen im Parcours. Ich glaube allerdings, dass sich der Parcoursbauer ein bisschen erschrocken hat von den zum Teil schlechten Bildern in der ersten Prüfung. Ich habe sehr auf eine Null gehofft, da es insgesamt eben sehr viele gibt. Aber Taloubet ist vom ersten bis zum letzten Sprung sehr kraftvoll gesprungen.”

Dass direkt vor den Deutschen immer die Brasilianer ritten und ein ohrenbetäubender Lärm aufbrandete nach jedem Ritt, fand Christian Ahlmann nicht wirklich schlimm: “Ich bin einfach so lange draußen geblieben, bis das Geschrei vorbei war. Zum Glück haben die Stewards uns das genehmigt. Wir dürfen diesen Jubel aber auf keinen Fall abschaffen. Das ist schon alles in Ordnung und toll für den Sport. Auch, dass das brasilianische Team hier so gut ist, ist schön.”

Meredith Michaels-Beerbaum & Fibonacci

Meredith Michaels-Beerbaum & Fibonacci

Nach Christian Ahlmann blieb auch Meredith Michaels-Beerbaum mit dem schwedischen Schimmelwallach Fibonacci v. For Feeling/Corland ohne Fehler. “Ich bin erleichtert”, atmete sie durch. “Man fühlt doch den Druck hier. Es kam eine Nullrunde nach der anderen, dann wird es noch schwieriger. Es ist jetzt ein gutes Gefühl, aber ein langer Weg dahin.” Die gebürtige Amerikanerin fand den Parcours nicht zu leicht, erklärte die vielen guten Runden mit den perfekten Bedingungen beim Abreiten und im Parcours. “Beim Abgehen haben wir den Parcours als angemessen eingestuft”, so die Reiterin. Ihrem Fibonacci traut sie morgen im zweiten womöglich schwereren Parcours noch eine Menge zu: “Er hat endlos Energie. Ich denke, andere Pferde werden dann morgen eher müde sein.”

Daniel Deußer & First Class

Daniel Deußer & First Class

Erneut mit einer weißen Weste aus dem Umlauf kam auch Daniel Deußer mit dem belgischen Fuchswallach First Class v. Balou du Rouet/Feinschnitt I. Der in Belgien lebende Reiter war überrascht vom Kurs: “Es ließ sich einfacher reiten als gedacht. Ein Fehler heute hier kann schon zu viel sein. Wir sind jetzt vorne mit dabei, aber gewonnen ist noch lange nichts. Allerdings dachten wir, dass hier und da mehr Fehler passieren würden. Jetzt sind alle dicht zusammen und es war quasi mehr Druck, heute null zu reiten als am ersten Tag.” Dass das Wasser wieder eine Fehlerquelle war, ist für Deußer kein Grund, den Gedanken weiter zu spinnen, dieses Element in Zukunft aus Olympischen Parcours zu streichen: “Das ist ein Sprung mit Tradition. Er macht den Sport interessant. Das Zureiten dahin und dann das Zurückkommen… Dass manche Leute, die einen Wassergraben schlecht anreiten oder ein Pferd haben, das Wasser nicht so gut springt, das Herausnehmen fordern, kann ich mir vorstellen, aber das ist nicht meine Meinung.”

Ludger Beerbaum & Casello

Ludger Beerbaum & Casello

Wie schon am ersten Tag passierte Ludger Beerbaum erneut mit dem Holsteiner Wallach Casello v. Casall/Carolus I ein Fehler, allerdings ein Flüchtigkeitsfehler, wie ihn Bundestrainer Otto Becker bezeichnete. Doch den Routinier in der deutschen Mannschaft störte das noch nicht. An eine Einzelentscheidung wollte er noch nicht denken: “Hätte man mir dieses Ergebnis heute morgen gezeigt, hätte ich es mit einem Sternchen und Smiley unterschrieben. Wie oft hatten wir schon drei mal einen um. Ich bin Teil dieser Mannschaft und wir sind hier beim Mannschaftsspringen und um nichts anderes geht es. Aber ich bin auch mit meiner Leistung selbst zufrieden. Ich war einmal zu dicht dran, aber das geht völlig in Ordnung. Um die Einzelentscheidung geht es jetzt nämlich überhaupt nicht.”

Den Parcours selbst fand Ludger Beerbaum auch nicht allzu schwer: “Ich glaube, ohne die Dreifache, das Wasser und die Zeit hätten wir ein historisches Ergebnis gehabt. Aber der Wettkampf wird morgen entschieden. Das heute ist nur eine Wasserstandsmeldung. Ich kann mir gut vorstellen, dass eine Mannschaft mit zwölf Punkten noch eine Rolle spielen kann. Unsere Ausgangssituation ist allerdings super.” Auf weiteres Nachfragen, wie es denn um ihn selbst bestellt sei, brachte Beerbaum noch mal hervor: “Ich bin der Letzte, der etwas beschönigt, wenn ich frustriert bin. Bis morgen Abend zählt das Team, der Rest ist mir wirklich völlig wurscht. Und wie mein Pferd gesprungen ist, denke ich, dass ich noch meinen Beitrag morgen dazu leisten kann für die Mannschaft.”

Otto Becker & Daniel Deußer

Otto Becker & Daniel Deußer

Dass nach den zwei Reitern von gestern (Jur Vrieling und Nicola Philippaerts) heute zwei weitere Reiter (Cassio Rivetti und der Brasilianer Stephan de Freitas Barcha – deswegen hat das brasilianische Team morgen kein Streichergebnis) wegen zu heftigem Sporeneinsatz disqualifiziert wurden bzw. im Sinne der Blutregel, traf beim deutschen Bundestrainer Otto Becker nicht auf volles Verständnis: “Ja, die Regeln sind wichtig und gut, aber die Richter sind hier sehr streng. Sie drücken mit den weißen Handschuhen auf den Pferden rum und suchen dabei nach Blut. Eine Unachtsamkeit kann dadurch zur Disqualifikation führen. Die Regel ist richtig, aber es muss nicht sein, dass an den Pferden rumgedrückt wird.”

Ein vorzeitiges überraschendes Aus für die Einzelwertung (nur die besten 45 nach den zwei Prüfungen sind jetzt noch für das Einzel startberechtigt) gab es bereits für die WM-Dritte Beezie Madden, die mit Cortes ‘C’ heute acht Fehlerpunkte hatte und am ersten Tag bereits einen. Ebenso raus ist bereits der irische Einzelreiter Greg Broderick mit Going Global, dessen Nominierung im Vorfeld für viel Diskussion sorgte. Und auch Reitlegende John Whitaker und die Holsteiner Stute Ornellaia können nicht mehr weiter reiten. Der 61-Jährige war sehr enttäuscht: “Sie fühlte sich so sicher an. Ich glaube, sie hat die Dreifache zu spät gesehen. Ich weiß es nicht. Es war völlig untypisch für sie. Ich habe mich so auf die Spiele gefreut und hatte so hohe Erwartungen.”

Morgen geht es dann um 10 Uhr (15 Uhr deutscher Zeit) in den entscheidenden zweiten Umlauf. Dann wissen wir, wer Gold, Silber und Bronze bei den Mannschaften gewinnt.

Fotos: Stefan Lafrentz