Philipp Weishaupt, Laura Klaphake, Maurice Tebbel, Simone Blum, Marcus Ehning & Bundestrainer Otto Becker

Deutsche Springreiter wollen mit Teamgeist und Spaß eine Medaille

Es ist ein ungewohntes Bild, das sich gibt, als die deutsche Springreitermannschaft zum Pressegespräch in Göteborg antritt: Mit Maurice Tebbel und Laura Klaphake sowie Reservereiterin Simone Blum, die sich vorgenommen hat, ihre Kollegen so gut wie möglich zu unterstützen, sind drei Debütanten in der deutschen Mannschaft: Selbst Philipp Weishaupt war noch nie Teil des Teams. Einzig Marcus Ehning ist regelmäßiger Gesprächspartner bei den jährlichen Championaten. Es ist erfrischend, wie sich das Team von Otto Becker gibt und die gute Laune ist deutlich zu spüren.

Laura Klaphake, Tochter von Paul Schockemöhles Chef-Pferdeverkäufer Josef Klaphake, berichtet mit strahlenden Augen: “Vom ersten Tag an habe ich den Teamgeist gemerkt. Ich glaube, wir können morgen mit einem guten Gefühl reinreiten.” Acht Europameisterschaften hat die 23-jährige Studentin bereits absolviert, aber im Nachwuchs-Bereich. Das ist dann doch noch mal was anderes, weiß auch sie. Die junge Amazone, die in Aachen im Nationenpreis Reservisten war, hatte selbst bis zum Schluss nicht an einen Einsatz in Göteborg geglaubt: “Ein guter Freund hatte in Hamburg beim Turnier mit mir gewettet, er meinte, dass ich auf jeden Fall zur EM fahre. Ich habe gesagt – nee, niemals.”

Hingegen schon häufiger von einer Teilnahme konnte Philipp Weishaupt träumen, zwei Mal war er sogar im Team, im Olympiateam von London, und bei der EM in Herning – und beide Male fiel sein Pferd kurz vorher aus. “London war echt mein schlimmster Moment”, erzählt der Bereiter von Ludger Beerbaum mit Wehmut. Zwei Mal war Weishaupt als Reservist mit in Teams. Jetzt ist er dabei. Und sein Convall, Holsteiner Hengst, ist in guter Form: “Er fühlt sich hier sehr wohl.” Dürfte also nichts mehr schief gehen für den ersten Championatseinsatz, wie er flachsend anmerkte: “Es ist ja nur noch eine Nacht, wo etwas schief gehen kann.”

Ein positives Gefühl hat auch Maurice Tebbel, der erst vorletztes Wochenende die Silbermedaille seiner Schwester Justine bei der EM der Jungen Reiter in Samorin feiern konnte: “Die ersten paar Sprünge waren gut. Aber warten wir mal Morgen ab.” Seine Zielsetzung? Ein gutes Ergebnis für das Team abliefern. “Da konzentriere ich mich voll drauf”, so Tebbel auf die Frage, ob er es seiner Schwester gleich machen möchte. “An so ein Resultat wie das von meiner Schwester zu glauben, wäre wohl doch ein bisschen viel.”

Und Marcus Ehning – ist er der neue Leitwolf, wie es gestern Bundestrainer Otto Becker andeutete? Der Routinier wiegelt ab: “Ich habe mich auch in den letzten Jahren genauso versucht, einzubringen. Es geht auch – glaube ich – nicht darum, dass einer vorweg marschiert. Ich sehe mich hier nicht in irgendeiner Rolle. Außerdem sind meine Kollegen auch schon sehr erfahren, sie sind so viele EMs geritten. Auch wenn die im Nachwuchsbereich waren: Das Reiten ist das gleiche und die nervliche Belastung auch. Der Unterschied ist nur der: Wenn es nicht so läuft, prasselt mehr auf dich ein.” Auf die Frage, welche Chance das deutsche Team hat, antwortet Ehning: “Wir können für eine Überraschung gut sein!”

Bundestrainer Otto Becker stieg in die Frage ein: “Ich sehe hier kein Überteam. Die Schweden im eigenen Land werden stark sein, aber auch die Belgier. Die Italiener haben eine starke Saison geritten und die Franzosen sind immer gut. Wir schielen aber auch nach einer Medaille. Wir wollen unbekümmert reiten und Spaß haben. Es ist nun mal eine andere Ausgangslage als in Rio, wo wir fünf Weltklassepaare hatten. Aber wir sind in der Lage, um die Medaillen mitzureiten.”

Die Startaufstellung hat Otto Becker auch bekannt gegeben: Los geht es mit Maurice Tebbel vor Laura Klaphake, Dritter ist Marcus Ehning, dann folgt Philipp Weishaupt. Otto Becker erklärt, warum er keinen Routinier an den Anfang gestellt hat: “Der Tag wird lang. Die jungen Leute sollen nicht vier Stunden auf ihren Einsatz warten und zugucken müssen. Das sollen doch mal lieber die Alten machen.”

Foto: Stefan Lafrentz