Christian Ahlmann & Taloubet Z

Deutsche Springreiter starten in glänzender Verfassung in den Wettbewerb

Das erste Springen bei den Olympischen Spielen in Rio, das Qualifikation für die Einzelreiter ist und für die Rangfolge der Mannschaften zählt, aber noch nicht für das Ergebnis der Teams, hatte es in sich. Zwar kamen am Ende doch 24 Paare ohne Fehler ins Ziel und insgesamt 50 mit null oder vier Fehlerpunkten – und doch hatte auch der ein oder andere große Name zu kämpfen. Penelope Leprevost beispielsweise schied nach einem Sturz mit Flora de Mariposa aus (darf aber für die Mannschaft noch reiten), ebenso ein Jur Vrieling mit Zirocco Blue. Der wurde wegen unsachgemäßem Einsatz der Gerte disqualifiziert, wofür er sich anschließend entschuldigte. Allerdings wurde auch er nur für die Einzelwertung gesperrt, für das Team darf er noch mal ran (über den Sinn dieser Regel sollte diskutiert werden). Der Einzelreiter von Belgien, Nicola Philippaerts, schied mit Zilverstar T auch aus, wurde allerdings wegen zu starkem Gebrauch der Sporen wie Vrieling disqualifiziert. Einige andere gaben kein gutes Bild ab im Parcours: Gerade an der letzten Kombination, einer zweifachen mit Plankenoptik, waren die Pferde ganz schön abgelenkt.

Die deutschen Mannschaftsreiter allerdings hatten keine Probleme mit den Anforderungen. Christian Ahlmann, Meredith Michaels-Beerbaum und Daniel Deußer legten eine Nullrunde hin, Ludger Beerbaum patzte leicht am letzten.

Christian Ahlmann freute sich nach seinem Auftakt mit dem KWPN Hengst Taloubet Z v. Galoubet A/Polydor: “Ich bin glücklich und zufrieden. Wenn man nach so einer Woche von 0 auf 100 starten muss, ist das nicht immer so einfach. Dass wir nun den Eindruck aus dem Warm-Up bestätigen konnten, ist super.” Den 16-jährigen Hengst hatte er im Warm-Up sehr dosiert gesprungen, weniger als die meisten anderen. “Wenn es nicht so ein wichtiges Turnier wäre, hätte ich ihn gar nicht gesprungen”, so Ahlmann. “Das war mehr für das Gewissen und um ihm das Stadion zu zeigen.” Das erste Springen allerdings habe er sehr ernst genommen, wie alle in der deutschen Mannschaft: “Wir hatten diesbezüglich eine klare Ansage”, erzählte der Weltranglistenerste. “Wir haben es ja schon mal unwichtig angehen lassen und das ist dann in die Hose gegangen.”

Meredith Michaels-Beerbaum & Fibonacci

Meredith Michaels-Beerbaum & Fibonacci

Zweite für die deutsche Mannschaft war Meredith Michaels-Beerbaum mit dem schwedischen Wallach Fibonacci v. For Feeling/Corland. Mit der Einwechslung ins Team am frühen Morgen wurde die 46-Jährige positiv überrascht und freute sich darüber richtig – doch dann vor allem über die Leistung ihres Pferdes: “Wir haben trotz der Kürze der Vorbereitung kurzfristig Leistung gezeigt. Der Parcours war schon schwer genug für den Anfang. Ich hatte ihn ein bisschen einfacher erwartet. Aber die besseren Pferde springen ihn super und wir sind ja auch bei Olympischen Spielen.”

Daniel Deußer & First Class

Daniel Deußer & First Class

Einen souveräne erste Runde drehte auch Daniel Deußer mit First Class v. Balou du Rouet/Feinschnitt I. “Der erste Druck ist weg”, war der 35-Jährige froh. “Wir haben eine ganze Woche warten müssen, da steigt die Anspannung. Dass es jetzt so (!) losgegangen ist, ist eine große Erleichterung.” Den Parcours habe er als ziemlich beeindruckend erlebt morgens beim Abgehen: “Da waren doch einige neue Sprünge dabei, die die Pferde so noch nicht gesehen haben und man wusste nicht, wie sie die springen. Dass es ein Problem war, sah man ein bisschen an der Kombination, aber an für sich ließ sich der Kurs gut reiten.”

Ludger Beerbaum & Casello

Ludger Beerbaum & Casello

Auch Ludger Beerbaum war nicht unzufrieden nach seinem Abwurf mit Casello v. Casall/Carolus I. Der Holsteiner Wallach meisterte den Parcours an für sich souverän, wie Beerbaum erläuterte: “Er sprang die letzte Kombination so schön flüssig, da war ich erleichtert und dachte, ich lasse ihn einfach so rüber galoppieren und – batsch – ist die Stange runter gefallen. Aber ich bin – ohne Quatsch – zufrieden. Es kommen noch zwei Runden und ich bin mir ganz sicher, da passiert noch was.”

Der Fehler – sofern kein Einbruch kommt – dürfte Beerbaum nicht weh tun. Wenn er nach dem ersten Teamspringen unter den besten 45 Reitern ist und nach dem zweiten unter den besten 35 tut der Fehler nämlich nicht weh – dann geht es von null los im Einzel.

Bundestrainer Otto Becker war entsprechend zufrieden nach der Leistung seiner Mannschaft: “Dass wir nach der Umbesetzung so gut reingekommen sind in den Wettkampf, macht mich erstmal froh. Dass Marcus bei jedem am Abreiteplatz dabei war, ist besonders schön – ein Kompliment an ihn. Das Team steht wirklich zusammen.”

Über den Fehler von Ludger Beerbaum mit Casello machte sich auch Becker keinen Kopf: “Im Moment ist der völlig unwichtig. Heute ging es ja nur um die Startreihenfolge für das Team. Wichtig sind dann die zwei Runden. Dass die Ergebnisse heute noch nicht zählen, ist natürlich schade. Wir können uns noch nichts dafür kaufen. Aber wir sind froh, dass wir die Leistungen der letzten Wochen bestätigen konnten und hoffen, den Schwung nun weiter mitzunehmen. Allerdings habe ich das Gefühl, dass alle hoch konzentriert sind.”

Fotos: Stefan Lafrentz