Ludger Beerbaum & Casello

Deutsche Springreiter: Es kann losgehen!

Der Vet-Check der Springpferde ist beendet – und alle deutschen Pferde sind ok. Die Schweiz musste kurz um seinen Olympiasieger von London, Steve Guerdat mit Nino des Buissonnets, bangen, der in die Holding Box musste. Doch auch er wurde bei der Re-Inspection als Fit to Compete durchgelassen. Der französische Wallach machte schon häufiger in der Vergangenheit Bekanntschaft mit der Holding Box. “Ist die Frage, ob man das überhaupt jedes Mal neu diskutieren muss”, kommentierte Daniel Deußer. “Das Pferd war noch nie verletzt und hat sich schon auf so vielen Championaten bewiesen. Auch Christian Ahlmann stimmte da ein: “Über Jahre läuft das so bei denen. Wenn jedes Mal neue Leute da stehen würden, würde ich es noch verstehen, aber da stehen ja fast immer dieselben.”

Marcus Ehning & Cornado NRW

Marcus Ehning & Cornado NRW

Für die deutschen Springreiter könnte es nun langsam losgehen, darüber sind sich alle einig. Die vergangenen Tage sind lang gewesen, auch wenn man noch keinen Lagerkoller habe, so Marcus Ehning. Morgen ist das Warm-Up-Springen, dann wüsste man schon mal mehr, wo man steht und welches Gefühl einem das Pferd vermittelt. “Es kann los gehen”, posaunte Ludger Beerbaum heraus. “Unsere Kollegen waren ja schon richtig gut – das ist der Stimmung nicht abträglich.” Auch Marcus Ehning sagt: “Wir hoffen, dass wir die Euphorie unserer Kollegen mitnehmen können.”

Meredith Michaels-Beerbaum & Fibonacci

Meredith Michaels-Beerbaum & Fibonacci

 

Die Zimmerkollegen Christian Ahlmann und Daniel Deußer haben die langen Tage schon etwas mit Rahmenprogramm gefüllt. “Wir waren bei den Hockeydamen und dem Turnen der Männer”, so der Weltranglistenerste Ahlmann. Hingegen Reservistin Meredith Michaels-Beerbaum hatte noch keine Zeit, etwas von der Stadt oder den Olympischen Spielen außerhalb des Reitsports zu sehen. Eventuell fliegt sie – wenn sie nicht gebraucht werden sollte – vorzeitig zurück, erklärte sie. Immerhin hat sie einen guten Grund: Tochter Brianne wird eingeschult.

Ludger Beerbaum übte sich unterdessen schon mal im Favoritenraten: Die Amerikaner sieht er ganz weit vorne, aber die Holländer, England und die Schweiz hat er auch mit auf dem Zettel. “Da ist keiner, der richtig raus stößt, außer, dass die Amerikaner vielleicht einen kleinen Vorteil haben”, glaubt Beerbaum. Und im Einzel? “Da wäre McLain Ward sicherlich keine Überraschung, aber auch nicht Steve Guerdat. Es gibt ein Dutzend, die für die Medaillen in Fragen kommen.” Und er? “Da gibt es noch mal ein halbes Dutzend, die mehr Favorit sind als ich”, so der Routinier. Mit 52 Jahren der Älteste im Team zu sein, stört ihn nicht. “Ich hoffe nur, dass ich noch nicht zu alt bin”, grinste der Einzel-Olympiasieger von 1992. Dass die Engländer noch eine Ecke älter sind sei aber “ein guter Trost”.

Daniel Deußer & First Class

Daniel Deußer & First Class

Daniel Deußer ist bei seinen ersten Olympischen Spielen – so wie es den meisten geht – vor allem von dem Olympischen Dort beeindruckt: “Was man da alles für unterschiedliche Sportler sieht, kleine, große, dicke, dünne.. Manche Läufer haben bei ihren Beinen einen Durchmesser von vielleicht zehn Zentimeter. Und wenn die sich dann morgens schon alle an den Geräten warm machen – für uns ist das mehr ein kaputt machen – ist das schon spannend zu sehen.” Im Vorfeld der Spiele habe er die Reportagen um das Olympische Dorf natürlich verfolgt, dass die Australier nicht einziehen wollten, und all die anderen Dinge. “Das ist bei uns alles ausgeblieben”, so Deußer. “Es ist sicher kein großer Luxus, in dem wir leben, aber alles ok.”

Rio kennt Daniel Deußer bereits von früheren Turnierbesuchen bei der Global Champions Tour. In Sachen Sicherheit hat der 34-Jährige keine Angst. “Klar gibt es solche und solche Gegenden hier und es ist ein komisches Gefühl auf dem Weg hierher zum Reitstadion. Aber ich habe auch schon ein paar Favelas in der Vergangenheit gesehen. Die Menschen leben hier halt anders. Die haben auch ein anderes Lebensziel. Die tanzen da, sie freuen sich… Angst hatte ich nie.”

Hingegen sein vierbeiniger Partner First Class, ein belgischer Wallach, lasse sich doch sehr beeindrucken. Schreckhaft sei er und wenn er dann Schüsse hören würde und die Plastiktüten auf den Lautsprechern rascheln würden, wäre er schon aufgeregt – “aber das ist nicht nur hier so.”

Christian Ahlmann & Taloubet Z

Christian Ahlmann & Taloubet Z

Auch Christian Ahlmann möchte nun loslegen. Er kommt als Nummer eins der Welt an den Start. “Das macht mich richtig stolz”, so der Reiter aus Marl. “Aber am Ende entscheidet das hier über nichts. Ich hoffe, dass wir mit einem Run in die Olympischen Spiele starten.” Am Sonntag wird es dann ernst – dann haben die Springreiter ihre erste Qualifikation.

Fotos: Stefan Lafrentz