Das deutsche Eröffnungsoutfit - Foto (FB Kristina Bröring-Sprehe)

Deutsche Dressurreiter ohne Wasser und mit Achterbahn-Gefühlen

Seit ein paar Tagen bereits sind auch die deutschen Dressurreiter in Rio angekommen, für die morgen der erste “Test” mit dem Vet-Check im Anschluss an das Cross Country der Geländereiter ansteht. Und obwohl schon so einige Tage ins Land gegangen sind – gesehen von der Stadt haben die Viereckspezialisten noch nicht besonders viel. Genug erlebt haben sie aber dennoch schon.

Dorothee Schneider

Dorothee Schneider

Dorothee Schneider beispielsweise erklärte, dass manchmal das Wasser im Olympischen Dorf ausfallen würde. “Einmal war ich komplett eingeseift und musste dann kurzes Brainstorming machen, was ich nun tue. Aber zum Glück ging es dann schnell wieder und ich bin das Shampoo in meinen Haaren wieder losgeworden”, lacht sie. Aber alles sei immerhin sauber. Bis auf den heutigen Tag – aber das war ein hausgemachtes Problem. Ganz oben im letzten Stockwerk wohnen die deutschen Dressurreiter und hatten die Tür der Dachterasse aufgelassen. Dann allerdings stürmte es mit einem Mal so gewaltig, dass in das ganze Appartement der Dreck nur so herein flog. Kristina Bröring-Sprehe: “Wir haben dann erstmal versucht, einen Besen zu finden, aber hatten kein Glück. Jetzt werden wir einen hier aus dem Reitsportzentrum mitnehmen.”

Kristina Bröring-Sprehe

Kristina Bröring-Sprehe

Ein Erlebnis, was die Dressurreiter alle teilen: die Eröffnungsfeier im Maracana-Stadion. “Leider haben wir nicht so viel mitbekommen von der Feier, weil wir so lange im Gang warten mussten”, erzählte Tina Bröring-Sprehe weiter. “Aber als dann die Hockeyspieler in den Katakomben anfingen die Hymne zu singen, war das schon ein Gänsehautmoment.” Die Outfits, die die Deutschen bei der Eröffnungszeremonie tragen mussten (s. Foto), versetzten alle in Kopfschütteln. Reservereiter Hubertus Schmidt: “Eine Katastrophe! Erst habe ich gedacht, dass das nur in meinem Alter schlecht aussieht, aber als ich die jüngeren Kollegen damit gesehen habe, wusste ich, dass es nicht an meinem Alter liegt.” Tina Bröring-Sprehe ergänzend: “Und unter diesen Regenjacken hat man geschwitzt.” Der Jüngste im Quintett, Sönke Rothenberger, fragte sich auch: “Wer hat sich das ausgedacht? Das sollen wohl Sportler gewesen sein. Wenn man gesehen hat, wie die meisten anderen ins Stadion kamen, dann waren die für den Anlass irgendwie besser gekleidet. Wir sollten wohl sportlich-modern aussehen. Naja, immerhin sahen wir alle so aus.” Hingegen bei seinem Alltags-Outfit findet der 21-Jährige auch einen Kritikpunkt: “Das sieht ja ganz ok aus, aber ein bisschen viel Orange ist dran – wir werden manchmal mit den Holländern verwechselt.”

Sönke Rothenberger

Sönke Rothenberger

Der Championatsneuling konnte zum ersten Mal durchatmen, als die Pferde gelandet waren: “Die sind ja alle noch nicht geflogen und ich wusste nicht, wie Cosmo das wegsteckt. Zum Glück war Isabell mit auf dem Flug dabei, die das toll gemacht hat. Cosmo soll sich aber gar nicht bewegt haben – als ich dass hörte, war die erste Last vorbei.” Denn Cosmo, das ist klar, ist die absolute Nummer eins im Stall des Hessen: “So ein Pferd kriege ich vielleicht nie wieder – die sind nicht so großartig gesät. Als ich zum ersten Mal auf ihm saß, war das, wie wenn man in der Achterbahn los fährt. Und das erlebe ich nun jeden Tag.”

Hubertus Schmidt

Hubertus Schmidt

Was Rothenberger besonders beeindruckt: der Teamspirit. Der sei ganz anders als auf einer Junge Reiter-EM. “Das ist ein tolles Miteinander”, fühlt sich das Teamküken besonders wohl in der Truppe von Monica Theodorescu. Gleiches kann aber auch der fünfte Mann, Hubertus Schmidt, nur bestätigen, der als Reservereiter den unbeliebten Posten hat: “Am Anfang war ich mit meiner Rolle gar nicht glücklich, vor allem, weil Imperio so toll geht. Mit durchschnittlich 75, 76 Prozent würde ich wohl in jeder anderen Mannschaft reiten. Aber ich habe mich damit abgefunden und freue mich mittlerweile drüber. Ich genieße es trotzdem und fühle mich auch als Teil des Teams.”

Isabell Werth

Isabell Werth

Isabell Werth vergisst sogar schon manchmal, dass “Schmidti” gar nicht reitet: “Er ist ein Vorzeige-Fünfter. Er ist so integriert, dass ich gar nicht realisiert habe, dass er nicht reitet. Dass er so mitzieht, ist unheimlich wichtig für die Stimmung und es ist schön, dass wir nicht – wie sonst schon manchmal – jemanden bestechen müssen, dass der Reservereiter mit uns irgendwo durchgelassen wird.”

Und Werth ergänzt: “Wir haben diese Woche schon unglaublich viel Spaß gehabt.” Diesen Eindruck vermitteln die fünf auch. Beste Voraussetzungen also für das Ziel, das gemeinsam erreicht werden soll: Gold!

Fotos: Stefan Lafrentz