Kent Farrington & Gazelle

“Das ist das Beste, was mir je passiert ist” – Kent Farrington siegt im Rolex Grand Prix von Aachen

Die ganze Woche hat Kent Farrington immer wieder auf die Tafel geschaut. Die, auf der alle Sieger des Großen Preises von Aachen stehen. “Ich wollte immer mal darauf stehen, ich war komplett darauf fokussiert und konzentriert”, so der US Reiter. Schon so oft konnte 38-Jährige Große Preise gewinnen, war außerdem bereits Weltranglistenerster, wurde Zweiter mit der Mannschaft in Rio bei den Olympischen Spielen – aber so ein Major-Sieg war noch nicht dabei. Nun gehört Kent Farrington zu denen, die sich “Sieger im Großen Preis von Aachen” nennen dürfen. “Nun bin ich Teil der Geschichte – es ist unglaublich, ein unglaublicher Tag”, freute sich der Reiter aus Greenwich, Connecticut. Das Stechen hatte er nicht mehr richtig verfolgt, nachdem er die Vorlage gegeben hatte. Mit Gazelle, einer BWP Stute v. Kashmir van Schuttershof/Indoctro kam er in 43,8 Sekunden ins Ziel. “Ich hab die Augen zugemacht”, grinste er. “Wenn so ein Daniel Deußer nach einem kommt, kann man sich nie sicher sein.”

Kent Farrington & Gazelle

Kent Farrington & Gazelle

Daniel Deußer kam noch nach Farrington. Der war auch heiß darauf, zum ersten Mal den Großen Preis in Aachen zu gewinnen. Mit Scuderia 1918 Tobago Z, einem Zangersheide Hengst v. Tangelo vd Zuuethoeve, wollte er eigentlich einen Galoppsprung weniger auf die Kombination machen, doch der Hengst zog am Anfang nicht so richtig los. Deußer machte einen mehr. Zwei Wendungen glückten jedoch so gut, dass der Deutsche dachte, er hätte es geschafft. “Deswegen bin ich nicht mehr volles Risiko auf den letzten geritten”, so der Reiter von Stephex Stables. “Aber ich habe mich wohl verschätzt. Dennoch bin ich glücklich, wie sich mein Pferd hier präsentiert hat. Eines Tages möchte ich hier aber auch mal gewinnen.”

Daniel Deußer & Tobago Z

Daniel Deußer & Tobago Z

Als typischen Aachen-Kurs beschrieb Kent Farrington den Parcours von Frank Rothenberger. “Jeder Teil war ein Test, es gab nicht einen speziellen. Zwei Runden wird an jeder Stelle Vorsicht abgefragt.”

Enttäuscht und glücklich zugleich – so beschrieb Ben Maher seine Gefühle. Der Brite wurde mit Explosion W, einem KWPN Wallach v. Chacco-Blue/Baloubet du Rouet, Dritter. “So ist der Sport”, war die “bittere” Bilanz von Maher, der immerhin noch 150.000 Euro mit nach Hause nehmen konnte.

Die Chance auf den Rolex Grand Slam-Gesamtsieg hat nun Kent Farrington. Gewinnt er ein weiteres Major-Springn, bekommt er 250.000 Euro, ist es sogar das nächste, gibt es 500.000 Euro. Für drei in Folge kommt eine Millionen Euro an Bonus oben drauf. Das hat in der Geschichte bislang nur Scott Brash geschafft.

Sven Schlüsselburg & Bud Spencer

Sven Schlüsselburg & Bud Spencer

Weltmeisterin Simone Blum wurde mit ihrer DSP Stute Alice v. Askari nach einem Abwurf im Stechen Vierte. Die größte Überraschung des Tages war Sven Schlüsselburg, der mit dem in der Familie gezogenen Bud Spencer in dieser Saison zum ersten Mal in Nationenpreisen von Bundestrainer Otto Becker eingesetzt wurde und sich einen Platz in Aachen ergattert hatte. Dort glänzte er mit dem sprunggwaltigen Schimmel schon die ganze Woche, rückte als dritte Reserve in den Großen Preis nach und wurde dort am Ende Achter mit nur zwei Zeitstrafpunkten aus Runde eins und einer fehlerfreien zweiten Runde. “Das ist ein unglaubliches Gefühl”, strahlte der Reiter aus dem baden-württembergischen Ilsfeld. “Beim ersten Mal hier in Aachen so etwas – das muss ich erstmal sacken lassen.”

Fotos: Karl-Heinz Frieler/Stefan Lafrentz