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C’est la vie – Normandie… Warum bei den Weltreiterspielen sicheres Rückwärtseinparken wichtig ist

Der zweite Tag des Sports bei den Alltech FEI World Equestrian Games in Caen beginnt immerhin besser als der erste: Wir haben Kaffee! Eine amerikanische Kollegin juchzte vergnügt auf als sie sich eine Tasse gepumpt hatte und schrie: Yessss! So einfach kann man Menschen glücklich machen. Danke an Edith, die hier die Pressestelle leitet und über ihre Grenzen geht, um halbwegs erträgliche Bedingungen für uns zu schaffen.

Ohnehin kann man sich nicht über jeden hier beschweren. Meine Hotelbesitzerin nämlich ist ein wirklich ganz liebenswerte und aufmerksame Person (die im Übrigen super Englisch spricht, auch das gibt es, ja). Als ich ihr gestern Abend erzählte, dass so ziemlich gar nichts klappt und wir nicht mal Kaffee bekommen, bot sie mir an, einen Schlüssel unter die Tür des Frühstücksraums zu positionieren, damit ich schon vor der eigentlichen Frühstückszeit (wir müssen ja schon so früh raus, um unseren Shuttle zu bekommen) in den Raum komme. Sie würde mir dann einen Kaffee vorbereiten, ich müsste dort nur noch den An-Knopf der Maschine betätigen und könnte mir einen Coffee to go mitnehmen. Merci! Im Übrigen erzählte sie mir auch, dass die freiwilligen Helfer hier seit einem Jahr gebrieft worden seien. Sie konnte gar nicht glauben, dass die Volunteers meistens keine Auskunft geben können. Ich frage mich: Was wurde ihnen einen Jahr lang erzählt? Bonjour zu sagen? Das ist nämlich das einzige, was aus jedem gleich herauskommt…

Gestern schauten auch kurz die deutschen Buschreiter bei uns in die Pressestelle rein. Triefnass standen sie da. Die Regenschirme hatten sie in Le Pin gelassen… Der Regen kam ihnen aber eigentlich recht. Denn – so erzählte es Peter Thomsen – die Abreiteplätze seien nicht ganz so optimal, ein bisschen trocken und tief. „Das regelt sich gerade“, grinste Dirk Schrade. Heute werden die Vielseitigkeitsreiter zum ersten Mal die Strecke ansehen können. Zuvor konnten sie nur vereinzelt ein paar Sprünge von weitem erblicken. Die allerdings, so Peter Thomsen, würden einen sehr schönen Eindruck machen.

Keinen schönen Eindruck allerdings haben bisher die Wohncontainer bei denen hinterlassen, die darin hausen müssen – und das ist der Großteil des Busch-Anhangs an Offiziellen. „Das ist ein ganz spezielles Reiterhotel“, schmunzelte Andreas Ostholt. Drei Betten stehen hier in jedem Container auf gefühlten zwei Quadratmetern. Auf jeden Fall passe da nur eine Person rein, so Bundestrainer Hans Melzer, denn irgendwo müsse man ja noch sein Gepäck ablegen. Eben auf den anderen Betten. Und zum Toilettengang? „Da muss man rückwärts einparken“, verdeutlichte Melzer. „Anders geht es nicht“.

Ähnliche Freude macht wohl auch das Frühstück im Verpflegungszelt. Da gibt es ein Plastiktablett mit einem Baguette und einem Pappbecher Kaffee. Das war’s. Teller gibt es nicht, so Michael Jung. Der aber – und anders hätte man es von ihm nicht erwartet – hat vorgesorgt. Weil man in Le Pin nämlich mitten in der Pampa sei, weit und breit kein Restaurant, hat er von Zuhause ganz viel mitgenommen. Nudeln und Ähnliches. Der moderne Mann von heute kocht eben selbst.

In Caen waren die Buschis, um sich das Springstadion anzugucken. Und den Ritt von Kristina Sprehe mit Desperados. Den aber hätten sie fast verpasst. Weil der Shuttledienst sie bei den Reinern die 20 Fußminuten entfernt raus ließ. Ingrid Klimke: „Als wir das gemerkt haben, sind wir schnell in einen anderen Bus gesprungen – und kamen grad noch an als Kristina einritt.“ Zu den Reinern aber ging ein Teil der deutschen Buschreiter dann später auch noch, als Grischa Ludwig dran war. Ingrid Klimke und Sandra Auffarth wedelten kräftig mit den Fähnchen und klatschten mit in der tobenden Halle, ehe es am Abend wieder Richtung Le Pin ging. Eine Extra-Tour musste noch Hans Melzer drehen. Seine rechte Hand Chris Bartle nämlich landete erst nachmittags mit dem Flieger in Caen. Allerdings war dort weder ein Shuttle noch ein Taxi zu kriegen. Also musste Melzer los.

Sandra Auffarth bei den Reinern (zum Finden: erste rote Jacke ganz unten)

Sandra Auffarth bei den Reinern (erste Reihe, neben Breido Graf zu Rantzau)

Transport, das ist auch ein Thema für den Abschlusstag bei den Buschreitern. Mit einer Polizeikolonne in zwei Blöcken werden die Reiter am Sonntag von Le Pin nach Caen begleitet, damit alles reibungslos abläuft für das Abschlussspringen. „Das ist alles ganz schön eng“, befürchtet Michael Jung. „Um sieben Uhr ist der Vet-Check in Le Pin und um drei Uhr das Springen in Caen. Ich verstehe es auch nicht, warum wir die Verfassung nicht in Caen haben. Dann könnten wir Samstagabend anreisen. Oder zumindest ganz früh am Morgen um fünf Uhr. Vielleicht ändern sie das ja noch während der Woche“. In jedem Fall sei Rocana in einer super Form, erzählte der Titelverteidiger. Und obwohl sein Spitzenpferd Sam nicht an den Start gehen wird, weist Jung auch mit seinem Zweitpferd (Hans Melzer: „Rocana ist nicht irgendwie eine B-Lösung. Sie ist mehr als ein Ersatz.“) die Medaillenhoffnung nicht ganz von sich. Die Ambitionen seien groß, erklärte er: „Ich will eine Medaille im Team und Einzel.“ Klare Worte. Man darf ja auch mal seine Ziele formulieren!

Auf die Mannschaftsnominierung allerdings warten wir immer noch. Der Bundestrainer verwies darauf, dass die sechs Paare allesamt sehr dicht beieinander lägen. „Wir müssen noch mal ein bisschen rechnen, gucken, wie das Wetter wird und das Gelände“, so die Aussage. Sie hätten das Glück der Qual der Wahl. Als Melzer der Satz herauskam: „Ich glaube nicht, dass das Team durch den Ausfall von Sam geschwächt ist“ und darauf die Frage folgte, ob denn Michi dann sicher im Team sei, grinste Melzer: „Das wollte ich damit nicht sagen. Es hätte ja auch sein können, dass Michi mit Sam nicht im Team gewewesen wäre, sondern wir alleine auf seine Titelverteidigung gesetzt hätten.“ Ah ja.

Doch heute geht es erst mal um die Entscheidung im Viereck. Und auch heute konnte Equipechef Klaus Roeser wieder einen Beitrag über die gewöhnungsbedürftige Lässigkeit der Franzosen liefern: Die Böden auf den Abreiteplätzen wurden erst um 7:20 Uhr gemacht. Um 8 Uhr aber war ja bereits der erste Start. Da war also wieder böses Gucken angesagt.

Das konnten auch wir erneut in der Mixed Zone, wo wir den zweiten Tag – mit immer unfreundlicherem Ton – gebeten wurden, uns direkt in die grauen Katakomben zu begeben. Wir könnten dort nicht stehen, wo wir stehen. Warum? Wir stehen hinterm Zaun, keine Gefahr von Pferden, von nichts. Auch Madeleine Winter-Schulze schüttelte nur ungläubig mit dem Kopf. „Bitte gehen Sie nun, und einen schönen Tag“, posaunte der Ordner auf Englisch heraus. „You, too“ – ergänzte Madeleine Winter-Schulze. Bonjour!