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C’est la vie – Normandie… Der Druck der Öffentlichkeit oder ein anderes Verständnis der Weltreiterspiele?

Ja, es hat sich was geändert. Seit Montag nun schon haben wir eine Art Süßigkeitenbuffet (Croissants, Küchlein, Muffins…) mit ein paar zwischengelagerten Äpfeln in unserer Pressestelle und jede Stunde kommt jemand von Alltech an unsere Plätze und bietet uns Sandwiches an. Am ersten Tag mussten wir uns noch kneifen, doch nachdem wir jetzt auch am dritten Tag diesen Service haben, scheinen wir in der Realität angekommen. Doch was ist passiert? Erinnern wir uns an die Europameisterschaften in Rotterdam: Auch da funktionierte zunächst nichts an den ersten Tagen. Die Tribünen waren nicht vollständig aufgebaut, keine Versorgung, stattdessen testete man mal während der laufenden EM, ob denn die Lösch-Vorrichtung im Falle eines Feuers funktioniert (wohlgemerkt: die Wasserrinne verlief im Pressezentrum über unseren Plätzen über unseren Rechnern). Erst zum Ende der Dressur-EM und damit vor dem eigentlich CSIO (Springturnier!) waren die Bedingungen dann irgendwann so, dass man sagen konnte: ok! Herrscht hier in der Normandie dasselbe Verständnis für den Sport? Let the Games begin with Showjumping? Kann sein. Vielleicht waren aber auch die vielen negativen Berichte in aller Welt ein Stachel für den Veranstalter? Kommt ja irgendwie nicht so gut, wenn die ganze Reitsportjournalistenwelt – und nicht nur die, sondern auch die Reiter und Funktionäre – über stinkende und verstopfte Toiletten, stundenlanges Schlangestehen für ein Croissant gegenüber der Straße und pöbelnde Ordner diskutieren.

Die Ordner, die sind noch immer nicht freundlicher oder verständnisvoller geworden (der deutsche Springausschussvorsitzende Peter Hofmann durfte gestern Abend, um zu seinem Auto zurück zu kommen, nicht den Weg einschlagen, den er auf dem Hinweg ging, sondern musste eine halbe Weltreise zu Fuß unternehmen). Dafür haben wir nun eine Mixed Zone, in der wir alle Platz finden. Und heute ist sogar ein dritter Toilettenwagen gekommen (allerdings war gestern auch die Grenze dessen erreicht, was man an Geruch überhaupt ertragen kann).

Dafür ist nun genug Chaos bei den „neuen“ Disziplinen Fahren und Voltigieren angekommen. Während bei letzterem Akkreditierungen und Auslosung in ein großes Durcheinander gerieten, war gestern noch keine Aussage möglich, wo denn der Vet-Check für die Fahrpferde sein würde. Das wusste dort keiner der Verantwortlichen. Aber die – so hat man den Eindruck – werden ja auch jeden Tag ausgetauscht.

Gestern habe ich dann auch herausbekommen, warum meine Hotelbesitzerin so gut englisch spricht: Sie kommt aus Kanada. Quebec. Freudig erzählte sie mir, dass sie ja nun erfahren habe, dass die nächsten Weltreiterspiele in Montreal stattfinden. Große Augen bei ihr, als ich sagte, dass sie in Bromont seien. „In Bromont? Dort ist ja weit und breit nichts“, sagte sie sichtlich irritiert. Wie sagt man auch in dem französischen Teil Kanadas so schön: C’est la vie!